Freitag2. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Wohnen und leben im Alter

Wohnen und leben im Alter

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Die im Jahre 1999 gegründete Servior, einer der führenden Dienstleister in der Altenbetreuung und -pflege, will sich nach einem erfolgreichen Jahrzehnt den Herausforderungen unserer Zeit stellen und ihre Einrichtungen aktuellen Standards anpassen.

Nicht von ungefähr fand zu diesem Thema im Zentrum „Op der Rhum“ eine Pressekonferenz statt, während der Serge Eberhard, Präsident des Verwaltungsrates, Alain Dichter, Direktor und Finanz-Verantwortlicher, und Marcel Bausch, Direktor des CIPA Rhum, Aufschluss über die Gesellschaft, ihre neuen Strukturen und das Gelände auf dem „Plateau du Rham“ gaben.

CIPA „Op der Rhum“

„Wann s de dech net schécks, da kënns de op d’Rhum“, so einst der Spruch vieler Großeltern und Eltern, wenn sie sich über ihren unartigen oder lernunwilligen Sprössling aufregten.

Das Rham-Plateau hatte in der Tat ein schlechtes Image als Ort, wo man geistig Behinderte wegsperrte, die keinen Platz mehr in der Ettelbrücker Anstalt fanden, ein Platz für ältere Menschen mit keinem oder niedrigem Einkommen oder für Waisenkinder. Die Anstalt für Waisen wurde 1981 geschlossen, die Kinder in staatliche Jugendheime in Schifflingen und Düdelingen untergebracht. Das Altenheim, mehr als verwahrlost, vegetierte noch einige Jahre länger, bevor man auch hier wegen der maroden Einrichtungen die Schotten dichtmachte.

Die neue Anlage wird seither von Servior genutzt und ausgebaut. Einen guten Blick auf die bereits fertiggestellten Gebäude hat man von der Corniche aus. Die Verantwortlichen sind stolz auf diesen modernen Komplex, den sie während einer fachkundigen Führung durch Marcel Bausch präsentierten. Zurzeit gleicht das ganze Plateau noch immer einer riesigen Baustelle.

Wie Eberhard eingangs seiner Ausführungen betonte, sei Servior, trotz mancher Unkenrufe, auch finanziell ein gesundes Unternehmen. Das beweisen u.a. auch die Bilanzen, die man in aller Transparenz präsentieren kann und die mit einem positiven Endresultat abschließen, das ausschließlich in den Ausbau der Gebäude, der Dienstleistungen für die Kunden und in die Weiterbildung des paramedizinischen Fachpersonals investiert wird. Nach allen meistens durchaus positiven und wahrscheinlich auch einigen negativen Resultaten will man aber aus der Routine heraus und neue Wege suchen, sei es bei der Gestaltung oder beim Neubau von Altenheimen, aber auch bei der qualitativen nicht nur medizinischen Betreuung der Senioren.

Leute werden älter

Natürlich gibt es auf diesem Wege so manche Hindernisse, wie Alain Dichter in seinem ausführlichen Bericht bestätigen konnte. Das gilt z.B. für die Altersstrukturen. Das Durchschnittsalter der Pensionäre liegt derzeit bei 84,4 Jahren, der Anteil der Frauen bei 76% und der Luxemburger bei 91%.

Viele Senioren ziehen es vor, ihren Alltag so lange wie möglich zuhause oder im Familienkreis zu verbringen, und reichen viel später als sonst ihren Antrag auf einen Aufenthalt im Seniorenheim ein.

Das hat zur Konsequenz, dass die Bewohner bei ihrem Umzug deutlich älter und gebrechlicher sind und das Leben in ihrem „letzten“ Wohnort wesentlich verkürzt wird, trotz wachsender Lebenserwartung.

Fachpersonalmangel

Ein weiteres Problem besteht darin, dass es an Fachpersonal für die tägliche Betreuung, vor allem im Pflegebereich, mangelt. Jein, so Direktor Alain Dichter, der die Meinung vertritt, dass die Lage noch nicht so schwerwiegend wie in den Nachbarländern ist, der sogenannte „Pflegenotstand“ aber bereits auch in Luxemburg ausgerufen werden könnte. Servior ist permanent auf der Suche nach geschultem Personal und konnte im Jahr 2012 erneut 150 Arbeitsplätze besetzen.

Servior verfügt in seinen 15 Einrichtungen über 1.603 Betten und beschäftigt 1.680 Personen, darunter 80% Frauen. Nicht alle Betten/Zimmer sind besetzt, in einigen Zentren bestehen Wartelisten.

Die Preise liegen zwischen 71 und 85 Euro für ein Einzelzimmer und zwischen 62 und 77 Euro pro Tag für ein Doppelzimmer – all inclusive, versteht sich. Mit einigem Stolz weist Serge Eberhard darauf hin, dass die Preise seit vier Jahren nicht mehr erhöht wurden.

Gesucht werden Synergien mit anderen Organisationen, so z.B. mit dem CHEM, für das man das Essen in den Spitälern anbieten könnte, zu einem guten Preis und in einer zufriedenstellenden Qualität. Als Essens-Produzent ist Servior der größte Anbieter in 22 luxemburgischen Gemeinden mit 450-500 Mahlzeiten pro Tag.

Neue Projekte

Für verschiedene Ortschaften des Landes werden große Pläne geschmiedet. So in Differdingen und in Niederkorn, wo die Einrichtungen nicht mehr den modernen Standards entsprechen. Das Niederkorner Gebäude befindet sich übrigens teilweise auf dem Gebiet der Gemeinde Bascharage, wo man Verhandlungen über einen anderen Standort mit der Gemeindeverwaltung führen will. Oder in Esch, wo ein neuer Flügel gebaut werden soll, oder in Echternach, wo die beiden Zentren in einem einzigen und an einem anderen Standort vereint werden sollen.

Über den geplanten Neubau in Rümelingen berichten wir an einer anderen Stelle.

Einige Wermutstropfen blieben dennoch. So die endgültige Schließung des Mertziger CIPA, die bei den Bewohnern und der Gemeindeführung keineswegs mit Begeisterung aufgenommen wurde (das Tageblatt berichtete) und die Aufgabe des Hauses im Jahre 2010 der Einrichtung in Niederanven.