Ein Blick auf die Uhr und wir wissen wie spät es ist. Ein Foto unter dem Eiffelturm, um mitzuteilen: „Ich war in Paris!“. Dieser Bericht von gestern steht schon heute in der Zeitung, weil Schreibprogramm und Internet es ermöglichen. Die Welt ist voller potentieller Wunder, welche die Ideen für das diesjährige Ginsterfest
lieferten.
„Am Éislik wann de Geenz schéi blikt, da roufe mir all op Wooltz …“, lautete einst die Strophe im Lied „Et blikt eng Bloum am Eislik“. Der Wiltzer Fotograf Tony Mander überlegte im Jahr 1948, ob sich nicht ein Fest mit Musik, Gesang und Folklore organisieren lasse, das den goldgelben Wiltzer Ginster in den Mittelpunkt stellen würde. Ein Jahr später zog der erste „Geenze-Corso“ durch die Stadt. 65 Jahre danach folgen noch immer zahlreiche Besucher diesem Ruf der Stadt Wiltz und kommen jedes Jahr an Pfingstmontag zum Ginsterfest.
«Neu erfinden»
Doch wie alle Feste, die auf ein solch langes Bestehen zurückblicken dürfen, muss auch das Wiltzer Ginsterfest sich mit der Zeit neu erfinden. Ein Festumzug alleine reicht heute kaum noch aus, um tausende Besucher begeistern zu können und der Erlös der Eintrittskarten schon lange nicht mehr, um moderne Fußgruppen aus dem Ausland bezahlen zu können.
So war der Ginstercorso auch in diesem Jahr kürzer als früher. Mehrere renommierte ausländische Fußgruppen wurden mit Sponsorenhilfe gebucht: die Fanfare Sundhouse (F), die amtierenden Vizeweltmeister im Majoretten-Formationstanz „Pulske mazoretinje“ (Kroatien), die niederländische Marching Band „Jubal Drum & Bugle corps“; die Showband „Sans pistons“ (F), das „WIK Showcorps“ aus Ostende (B), der Königliche Musikzug aus Rocherath Krinkelt (B), die Königliche Musikgesellschaft Edelweiss aus Crombach (B) und die „Macralles du Val de Salm“ (B).
Qualität vor Quantität
Qualität vor Quantität war die Devise der Organisatoren. Die Ginsterfreunde wurden in diesem Jahr bei allen Vorbereitungen vom Wiltzer Tourismusbüro und dem City Management unterstützt, weil der Vorstand der „Amis de la Féerie du Gênet de Wiltz“ gerade dabei ist, sich neu zu konstituieren.
Mike Hieff übernahm im Verlauf der letzten Monate das Präsidentenamt von François Stemper und den Posten des Sekretärs von Armand Vitu. Auch die Kassiererin Suzette Roemer zog sich aus dem Vorstand zurück. Die Zukunft des Ginsterfestes scheint dennoch gesichert. Der Vorstand hat mit Jennifer Reisen und Liz Rickal, beides Ehrendamen beim Ginsterfest 2012, junge Gesichter bekommen. Eine Themensammlung für kommenden Ginsterfeste wurde mit den Jugendlichen zusammen erstellt. So kam es 2013 zum Thema „Walt Disney“ und zu „Welt der Wunder“ in diesem Jahr.
Das Thema „Welt der Wunder“ bildete den kreativen Rahmen für die Gestaltung von 14 Festwagen.
Kreativer Spielraum
„Normalerweise machen die Vereine Vorschläge für ihre Festwagen und gestalten diese, nach dem Einverständnis des Vorstandes, dann selbst“, erklärt Maggy Reisen vom Wiltzer Tourismusbüro. „Einige haben schon vor Wochen damit begonnen, von anderen weiß ich aber, dass ihnen in den letzten Tagen auf einmal die Zeit im Nacken saß“, lacht Maggy Reisen.
Den Stress der vergangenen Wochen sah man den Beteiligten jedenfalls am Montag nicht mehr an. Das Thema ließ viel kreativen Spielraum. Die Festwagen nahmen u.a. den Eiffelturm, den Ursprung der Menschheit, das Thema Mobilität, die Erfindung des Rades, den Computer, die moderne Kommunikation und die Zeit zum Anlass, um die Wunder der Welt auf ihre Weise zu interpretieren.
Ginster gab es zum Ausschmücken der Festwagen noch genug, allerdings war er in diesem Jahr schon früh in der Blüte und so für das Ginsterfest schon relativ trocken. Die Straßen und Terrassen in der Oberstadt waren bei hochsommerlichen Temperaturen restlos gefüllt, als gestern Nachmittag der Ginsterumzug mit 32 Nummern in der rue Grande-Duchesse Charlotte seinen Ausgang nahm und durch die Einkaufsstraße bis nach Niederwiltz flanierte. Den Abschluss des Korsos bildete wie jedes Jahr der feierlich geschmückte Wagen der Ginsterkönigin.
Die Ginsterkönigin heißt in diesem Jahr Laura Czekanovicz und ihre Ehrendamen sind Hanna Batkic, Soraia Martins, Melissa Van Dijk, Joana Schweig, Semira Becic und Laura Reisen. Sie dürfen nun ein Jahr lang die Stadt Wiltz auf nationalen und ausländischen Festen vertreten. Das Bekleidungsgeschäft Oscar bestellte ihnen elegante Kleider, die die Mädchen selbst mit aussuchen durften. So trugen die Ehrendamen gestern traumhafte rote Roben und die Ginsterkönigin strahlte den Besuchern in einem wundervollen Weiß entgegen.
Zu Demaart





















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