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Versteckt unter Saubohnenstroh

Versteckt unter Saubohnenstroh

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Eine Ausstellung in in der Fondation Linster-Weydert zeigt, wo die Refraktäre und Wehrmacht-Deserteure während des Zweiten Weltkriegs untertauchten.

In Anwesenheit von Malou Klauner, Bürgermeisterin der Gemeinde Frisingen, ihrem Amtskollegen Benoît Steinmetz aus Roussy- le-Village sowie Renée Quintus und Marianne Pesch, Schöffinnen der Gemeinde Roeser, wurde am Freitag in der Fondation Linster-Weydert eine Ausstellung zu Ehren der Refraktäre und Wehrmachtsdeserteure eröffnet

Kaum ein Autofahrer, der auf der Landstraße in Richtung Mondorf oder Bettemburg unterwegs ist, dürfte von jenem Gehöft im Ortszentrum Notiz genommen oder geahnt haben, was sich hinter den altehrwürdigen Mauern des Herrenhofs und der maroden Scheune verbirgt. Der Bauernhof wurde seit Jahrzehnten von der Familie Linster betrieben. Einst wurde er auf den Fundamenten von Merowinger- und Römer-Siedlungen aufgebaut, seit kurzem wird die Scheune als Museum der Fondation Linster-Weydert genutzt. Das Gebäude gehört heute zum Inventar erhaltenswerter architektonischer Denkmäler und soll in absehbarer Zeit in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium als Projekt für eine Gedenkstätte ausgebaut werden. Doch davon soll an dieser Stelle nicht die Rede sein.

Nicht so bekannt, aber…

Als Versteck von Refraktären der Nazi-Wehrmacht ist die Linster-Scheune in Hellingen nicht so bekannt wie der Niederkorner „Hondsbësch“ oder die Escher „Eisekaul“.

Fakt ist, dass sich hier während der Besatzungszeit elf junge Luxemburger vor den Verfolgungen der Gestapo und der Nazis schützten. In einem abgelegenen Teil der Scheune unter bzw. hinter Saubohnenstroh, wo sie von den Hofeigentürmen, die dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, versorgt wurden und die Kriegswirren und die Schreckensherrschaft überlebten.

Geschichte zum Anfassen

Romain Becker, Kurator der Stiftung, wies in seiner Ansprache auf die interessanten Ausstellungobjekte hin, die von den Vertretern der „Amicale Albert Ungeheuer“ und den Frisinger „Geschichtsfrënn“ mit viel Liebe zum Detail präsentiert werden.

Im Vorfeld der Vernissage zählten Kulturministerin Maggy Nagel und 200 Kinder der Frisinger und der Escher Grundschulen zu den Besuchern. Die Schüler zeigten großes Interesse an der Geschichte der Refraktäre, an deren Alltagsleben im „Bunker“ und an deren Stimmung und Ängste. Für sie war diese Ausstellung „Geschichte zum Anfassen“, verbunden mit dem Wunsch, Näheres aus dieser düsteren Epoche in Erfahrung zu bringen.

Nur wenig Kenntnisse

Es stellte sich bei diesen Gesprächen aber auch deutlich heraus, dass diese Generationen nur noch sehr wenig aus der damaligen Geschichte kennen. Deshalb bestand auch die Erkenntnis und die Absicht bei allen Rednern (Malou Klauner, Renée Quintus, Vincent Fally, Präsident der AAU), dieses Vermächtnis an die heutigen und die kommenden Generationen weiterzugeben.

Historiker Steve Kayser beschäftigte sich weniger mit der Geschichte der Hellinger Refraktäre, dafür aber eingehend mit der Bedeutung der Geschichtsschreibung im Allgemeinen, eine Diskussion, die angesichts der rezenten Polemik zum Artuso-Bericht eine neue Dimension angenommen hat.

Die falschen Lehren

In seinen Schlussfolgerungen monierte er, dass nicht die „Geschichte sich immer wiederhole“, sondern der uneinsichtige Mensch die Lehren aus der Vergangenheit seiner Vorfahren nicht ziehen will.

Der Historiker begehrte ebenfalls dagegen auf, dass „Gedenkfeiern der Gedenkfeiern wegen“ stattfinden, mit überholten, von Jugendlichen weniger akzeptierten Riten, und wehrte sich gegen die Geringschätzung lokaler Hobby-Historiker, die den „Profis“ nicht selten Anreiz zu neuen Recherchen geben und neue Erkenntnisse liefern.