Warum wurden die Ermittlungen gegen den damals Haupttatverdächtigen Ben Geiben so stümperhaft, wenn überhaupt, geführt? Dieser Frage hatte das Gericht am Dienstag gewidmet. Geiben sollte damals beobachtet werden, dann wurde die Operation unterbrochen. In der Zwischenzeit explodierte vor dem Justizpalast eine Bombe.
Der damalige Chef der Kriminalpolizei, Armand Schockweiler, konnte sich am Dienstag an vieles nicht erinnern, gab jedoch zu verstehen, dass ziemlich bei den Ermittlungsarbeiten viel geschlampt wurde. Er war damals Chef der Ermittler. Am Mittwoch tritt er erneut in den Zeugenstand.
Erneut werden die Fragen um die Beobachtung Geiben aufgeworfen. Diese hatte Schockweiler und mehrere andere Beamten nach Brüssel geführt, wo sie mit belgischen Kollegen die Aktion vorbereiten sollten. Schockweilers Begleiter wurden jedoch außen vor gelassen. Das haben sie selbst vor Gericht gesagt. Schockweiler wird mit diesen Aussagen konfrontiert. Der gibt sich überrascht.
Bereits am Montag war auch die Frage erörtert worden, wie wichtige Unterlagen der Ermittler an den Untersuchungsrichter bzw. an den hierarchischen Chef der Gendarmerie weitergeleitet wurden. Der damalige Untersuchungsrichter hatte sich beklagt, ihm seien damals wichtige Informationen vorenthalten worden.
Zur Sprache kommt auch die Insider-Spur. Die Justiz vermutet, dass die Bombenleger gezielt Informationen aus den Reihen von Polizei/Gendarmerie erhielten oder dass der Täter aus diesen Kreisen stammte. Es wurde weder nach einem Insider noch nach einem Informanten konkret gesucht, sagt Schockweiler. Er könne sich nicht vorstellen, dass in den Reihen der Ermittler ein Informant sein könnte, behauptet er.
Gedächtnisprobleme hat Schockweiler bei einem Brief, den er selbst 1985 verfasst haben soll. Das Schreiben wird von Staatsanwalt Oswald vorgelesen. Darin hat Schockweiler beim BKA um Unterstützung gebeten, wobei auch die Rede ist von Ben Geiben.
Richterin Conter fragt, warum nach dem Attentat auf das Justizpalast nicht nach der Spur Geiben nachgefragt wurde. Schockweiler: Man habe auf eine Reaktion seitens der belgischen Kollegen gewartet. Jos Steil vom BMG soll damals den Srel-Agenten Kaudé angerufen und ihm mitgeteilt haben, dass die Spur Geiben tot sei. Schockweiler bekam allerdings von dieser Meldung nichts mit.
Wie gut denn Schockweiler Geiben kannte, fragte Victor Elvinger, Anwalt der Zivilverteidigung. Ab und zu soll sich Schockweiler mit Geiben getroffen haben, um ein Glas Wein zu trinken oder was zu essen. Schockweiler verlor den Kontakt zu Geiben, als dieser mit seiner Karriere aufhörte. Schockweiler unterstreicht, dass sie damals dem Untersuchungsrichter keine Dokumenten vorenthalten wollten. Am Ende des Prozesses wird die Frage aufgeworfen warum Diseviscourt die Dokumente nicht an den U-Richter weitergeleitet hatte.
Zu Demaart
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