«Ben Geiben ist ein Mittäter, Charles Bourg (damals Gendarmerie-Einsatzleiter) Mitwisser, Aloyse Harpes (Chef der Gendarmerie) Mitwisser, Jos Steil (Brigade Mobile) Täter». Drei Namen, die Guy Santer am Freitag ausspricht. «Ben Geiben schützt die Terroristen. Charles Bourg wusste alles. Jos Steil hat bei ihm gewohnt. Die beiden waren zusammen im Urlaub,» betont Santer.
Und Aloyse Harpes? Ein Rückblick: 2. Dezember 1985 findet auf dem Kirchberg ein Gipfeltreffen statt. Mitterrand, Kohl, das Who is Who der europäischen Politik war da. Gendarmerie und Police sind in Alarmbereitschaft. Der Gipfel findet am Höhepunkt der Bombenanschläge in Luxemburg statt. Am späten Nachmittag durchbricht ein lauter Knall das politische Geschehen im Tagungszentrum.
«Elo hu mir de Bommeleeër»
Ein Sprengsatz detoniert, ein Auto fährt mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn davon. Der Wagen wird verfolgt und wenig später in Senningerberg gestoppt. «Elo hu mir de Bommeleeër», wurde über Funk verbreitet. Wenig später fällt der Name Jos Steil. Wer die Beamten waren, die das Fluchtauto gestoppt haben, ist bis heute nicht gewusst.
Zurück zu den Aussagen von Guy Santer: «Herr Harpes hat mir gesagt, Jos Steil war damals in dem Wagen. Er habe im nachhinein davon erfahren.» Santer hat nach eigener Aussage Harpes in den vergangenen Tagen zweimal besucht. Dabei sei dieser Satz gefallen.
«Nicht so einfach drauf los reden»
Via Telefon gegenüber den Kollegen von RTL bestätigt Aloyse Harpes das Treffen mit Guy Santer. «Ja, wir haben über die Bommeleeër-Affäre und Jos Steil gesprochen. Ja, ich habe im nachhinein erfahren, dass Jos Steil im Auto saß.» Wann wusste er davon? Nach seiner Pensionierung, so Harpes. Er ging 1988 in Rente.
Harpes legt nach. Er sei darüber auch von der damaligen Untersuchungsrichterin Doris Woltz informiert worden. Warum hat er das nicht im Bommeleeër-Prozess gesagt? Er hatte keine gesicherten Informationen. «Vor Gericht kann man ja nicht so einfach drauf los reden,» sagt er am Telefon. Hier gibt es jetzt viel Spielraum für Spekulationen. Fakt ist, es wurde kurz nach dem Anschlag auf Kirchberg ein Fahrzeug mit Insasse festgehalten. Die Sicherheitskreise waren informiert.
«Ben Geiben kennt die Attentäter»
Guy Santer spricht auch über die beiden Prinzen Jean und Guillaume. Er nimmt dabei das Wort Amnesie in den Mund. Die Aussagen von Guy Santer am Freitag über Ben Geiben sind nicht neu. Bereits im Juli 2014 hatte Guy Santer den Brigade Mobile-Gründer Ben Geiben als Bommeleeër-Mitwisser beschuldigt. «Ben Geiben kennt die Attentäter,» so Santer.
Ben Geiben ist Guy Santer seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Vor genau 30 Jahre gründeten beide am Findel eine Sicherheitsfirma mit dem Name Monitor. Sie war ein Ableger einer ähnlichen Firma in Brüssel mit dem gleiche Namen, in der Geiben auch tätig war.
Die «heiße Spur»
Doch die Geschäfte in Luxemburg liefen alles andere als gut. Das Unternehmen ging Pleite. Die Geschäftsbeziehung zwischen Geiben und Santer endete im Streit vor Gericht.
Ben Geiben galt damals während der Anschlagsserie zwischen 1984 und 1986 als «heiße Spur» unter den Bommeleeër-Ermittlern. Doch die Ermittlungen und Observationen wurden nach dem Anschlag auf den Justizpalast am 19. Oktober 1985 plötzlich eingestellt.
«Keine handfesten Beweise»
«Wir haben keine handfesten Beweise für eine Beteiligung Geibens an den Bombenattentaten, so Ermittler Carlo Klein im Bommeleeër-Prozess Ende April 2013. «Diese Taten passen nicht zum Charakter Geibens,» betonte der Ermittler immer wieder vor Gericht.
Ben Geiben selbst sorgte allerdings über die Jahre immer wieder für Spekulationen. Dabei verhedderte er sich vor Gericht wie auch danach in Interviews in Widersprüchen. Es ging dabei um seine Verbindung zu Jos Steil.
Steil rückte während des Bommeleeër-Prozesses und auch danach immer mehr in den Kreis der Hauptverdächtigen. Ein Strafverfahren gegen ihn wurde aber nicht eingeleitet. Sein Wissen nahm er mit ins Grab. Er starb am 15. Juli 2004 an einem Krebsleiden.
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