Donnerstag15. Januar 2026

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Spiegelbild der Gesundheitslage

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LUXEMBURG - Als „einmalige Bestandaufnahme der gesundheitlichen Lage des Landes und hervorragenden Wegweiser für die Zukunft“ hat Gesundheitsminister Mars di Bartolomeo die fünfte Auflage der „Carte sanitaire“ bezeichnet.

Das 650 Seiten starke Dokument umfasst eine Unmenge an Informationen und Zahlen. „Eine Bestandsaufnahme, keine Neuschreibung des Spitalplans“ nannte der Gesundheitsminister die Neuauflage der Gesundheitskarte.

Die Erhebungen bestätigen die politische Ausrichtung. Sie bestehen auch den Vergleich mit dem Ausland. Die Schweizer Fachleute, die unsere nationale Sanitärkarte „mit einem ungetrübten Blick“ analysierten, kamen zu den gleichen Schlüssen wie die Luxemburger Experten: Die Stärke unseres Gesundheitswesens ist das uneingeschränkte und undifferenzierte Recht auf gesundheitliche Versorgung. Die größten Schwächen sind die unvollständigen medizinischen Angaben und der Mangel an Transparenz.

Mehr Anspruch

Die Erhebung zeigt auch, dass die Hälfte der Bewohner jedes Jahr in irgendeiner Form die Dienste einer Klinik brauchen.

Die Bevölkerung ist zwischen 2002 und 2009 um rund elf Prozent gewachsen. Die ärztlichen Dienste wurden in der gleichen Zeit fast 60 Mal mehr beansprucht, ganz besonders im Bereich der Analysen, der Dialyse und der Chemotherapie. Obwohl mittlerweile immer mehr Patienten (rund 30 Prozent) ambulant behandelt werden und nach einem kleineren Eingriff wieder nach Hause zurückkehren können, ist die Zahl der Klinikaufenthalte um 18 Prozent gestiegen, wobei vor allem die älteren Jahrgänge betroffen sind.

Die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthaltes beträgt 7,4 Tage. Damit liegt Luxemburg leicht unter dem deutschen Durchschnitt (9,7), aber über dem Französischen (5,6).

Die meisten Menschen werden wegen Knochen- oder Gelenkproblemen behandelt, gefolgt von Verdauungs- und Durchblutungsschwierigkeiten. Am längsten in der Klinik bleiben psychisch Kranke (28 Tage).

969 Krankenhausärzte waren 2012 hierzulande tätig, das sind rund 200 mehr als 2006. Es fehlen jedoch Kinderärzte, Pathologen und Endokrinologen.

Klassifizierung

Interessant ist auch die Klassifizierung der einzelnen Krankenhäuser. Es gibt vier regionale Zentren (Centre hospitalier du Nord, Centre hospitalier Luxembourg, Centre hospitalier Kirchberg und Centre hospitalier Emile Mayrisch). Dazu kommen ein allgemeines Krankenhaus (Zitha), ein lokales Krankenhaus (Clinique Sainte-Marie) und zwei spezialisierte Kliniken (Herzklinik INCCI sowie die Strahlenbehandlung, CFB). Sie bieten zusammen 2.302 Betten an.

Des Weiteren hat Luxemburg sechs Kliniken, wo die Kranken in der Regel für einen längeren Aufenthalt bleiben: Das sind die neuropsychiatrische Klinik in Ettelbrück, die Klinik in Steinfort, das Rehazentrum, das Genesungszentrum in Colpach, das Haus Omega und das Thermalbad Mondorf. Im internationalen Vergleich kommt Luxemburg damit auf 5,5 Betten für 1.000 Einwohner. Das ist weniger als die 8,2 Betten in Deutschland oder 6,6 in Frankreich, liegt jedoch über dem OECD-Durchschnitt von 4,9.

Die Patienten sind, laut einer TNS-Ilres-Umfrage, zu 77 Prozent zufrieden mit der Pflege, 60 Prozent vertrauen dem Krankenhauswesen. Die meisten Unzufriedenen findet man in den Akutdiensten, wo die langen Wartezeiten beanstandet werden. Kritisiert wird auch die mangelnde Transparenz der medizinischen Unterlagen. Genau hier will auch das Ministerium noch weiterarbeiten.