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«Sozial engagéiert, zu honnert Prozent»

«Sozial engagéiert, zu honnert Prozent»
(Arischard)

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Am Samstag waren zahlreiche Politiker in die Petinger Sporthalle gekommen, um zusammen mit dem „Foyer de la Femme“ das 85. Gründungsjubiläum zu feiern.

Viel Prominenz, darunter der regierende Parlamentsvorsitze Mars di Bartolomeo, sein ehemaliger Kollege Jean Spautz, die Minister Lydia Mutsch, Corinne Cahen, Romain Schneider und Claude Meisch sowie jede Menge Ex-Minister und Abgeordnete waren am Samstag in die Petinger Sporthalle gekommen, um zusammen mit dem „Foyer de la Femme“ das 85. Gründungsjubiläum zu feiern.

Für einmal standen weder Tätigkeits- noch andere Berichte zur Diskussion, sondern festliche Ansprachen der genannten Minister und des Petinger Bürgermeisters Pierre Mellina, der bereits in der Festbroschüre bei der Einschätzung der Arbeit des „Foyer“ zu der Schussfolgerung kam: „Sozial engagéiert, an dat zu honnert Prozent“.

Kämpferische Damen

Ginette Schuster, Vorsitzende des Organisationskomitees, und Präsidentin Lily Gansen herself umrissen in kurzen Worten die Geschichte einer der mitgliederstärksten Vereinigung des Landes, die 1930 von einigen unentwegten und kämpferischen Damen in Esch/Alzette aus der Taufe gehoben wurde, die soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Gleichberechtigung auf ihre Fahne geschrieben hatten, in einer Krisenzeit, in der viele Arbeiterfamilien am Rande des Existenzminimums (und drunter) leben mussten. Vor dem Zweiten Weltkrieg kam das zierliche Pflänzchen nicht ganz zur Entfaltung, von 1940-1945 mussten die Aktivitäten, da vom Besatzer verboten, komplett eingestellt werden.

Ihre Daseinsberechtigung konnte die Vereinigung nach dem Krieg unter Beweis stellen, galt es doch, den verarmten Familien tatkräftig und solidarisch unter die Arme zu greifen. Ende der 70er sahen viele Unkenrufer bereits das Ende des „Foyer“, als eine streitbare Dame aus Schifflingen, die später mit wehenden Fahnen zur CSV überlief, die Vereinigung in das Fahrwasser der SdP führen wollte. Gerade zu diesem Zeitpunkt (1980) trat mit der Wahl von Lily Ganser als neue Vorsitzende eine entscheidende Wende ein. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass Lily Gansen mit ihrer forschen Gangart und dem nimmermüden Mundwerk „the right woman on the right place“ war. Unter ihrer Regie erlebte das „Foyer“ eine regelrechte zweite Renaissance. Lokalsektionen entstanden überall im Lande (in der Gemeinde Petingen gleich drei), das Profil wurde geschärft, das Angebot im Laufe der Jahre ausgeweitet.

Das Zauberwort Lombardsijde

Der Kleinort Lombardsijde an der belgischen Küste ist heute synonym für das Ferienheim des „Foyer“, erste „Auslandsvertretung“, wo unzählige Kinder aus minderbemittelten Familien einen ungetrübten Aufenthalt verbringen durften. Heute werden hier ebenfalls Senioren und Gäste verschiedener Altersklassen empfangen. Das Haus am Meer ist noch immer ein beliebtes Ausflugsziel. Weil es inzwischen in die Jahre gekommen ist und die Nachfrage nicht nachgelassen hat, haben die geschäftsführenden Damen bereits konkrete Pläne für ein größeres und moderneres Gebäude an der Küste, müssen sich aber finanziell der Decke nach Strecken und hoffen auf einen wesentlichen Obolus aus der Staatskasse. Das Ferienangebot ist vielfältiger geworden. So stehen kollektive Reisen nach Spanien, in die Schweiz, nach Frankreich, Österreich, Portugal und Bulgarien auf dem Programm.

Die Freizeitgestaltung in Ehren, doch das „Foyer“ will auch weiterhin seine internationale Solidarität manifestieren. Durch die Finanzierung von Projekten in Polen, der Ukraine oder in Thailand, aber auch durch punktuelle Hilfsaktionen bei Naturkatastrophen.

«Stille Heldinnen»

Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter, darüber waren sich am Samstag alle Redner einig, würde überhaupt nichts gehen. Die Arbeit dieser Freiwilligen-Armada, von Lily Gansen als „Stille Heldinnen“ bezeichnet, die im Sektionskreis oder zuhause backen, kochen und Handarbeiten durchführen und den Erlös an die Zentralkasse abgeben, ermöglicht die solidarischen Aktionen der Vereinigung, die zuversichtlich in die Zukunft sieht, zumal, wie die Präsidentin betonte, über die Sport- und Sprachkurse junge Mitglieder rekrutiert werden.

An diesem feierlichen Abend gab es, wie könnte es anders sein, nur Lob und Anerkennung für das „Foyer“. Parlamentspräsident Mars di Bartolomeo sieht sich sozusagen als ein Kind des „Foyer“ an, das über die Ferienkolonien mit der Vereinigung aufwuchs. Lydia Mutsch und Romain Schneider bescheinigten sich enge Kontakte zum „Foyer“ und auch die DP-Minister Cahen und Meisch versprachen das Blaue vom Himmel. Der eigentliche Star des Abends war Lily Ganser, die von allen Festrednern viel Lob und Sympathien erntete.

Musikalisch umrahmt wurde die akademische Sitzung vom Klarinetten-Trio Max Mausen, Marcel Lallemang und Steve Williams. Moderatorin war Joëlle Müller.