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Platzregen helfen gar nichts

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Eine Wasserknappheit, wie sie der Sommer 2006 hervorgebracht hat, ist hierzulande nicht zu befürchten – trotz der großen Hitzewelle der vergangenen Wochen. Wie viel Wasser wird für die Pflege der öffentlichen Grünanlagen aufgewendet?

Youssef Razzak

Bei der großen Hitze der letzten Wochen drängt sich bei so manchem die Frage auf, wie das Wasser im Lande genutzt wird. Auch weil vielen die Alarmstufe „orange“ von 2006 noch im Gedächtnis geblieben ist.

Die Arbeiter des „Service des Parcs“ der Stadt Luxemburg kümmert das indessen wenig. Sie müssen die Grünanlagen der Stadt fit und eben grün halten. Deshalb rücken sie täglich an mit drei Tankwagen mit je ca. vier- bis fünftausend Litern Wasser, um nur „das Nötigste zu bewässern“. Mit „das Nötigste“ sind vor allem Blumen und empfindliche Bäume gemeint, die Wiesen brauchen sie nicht zu befeuchten. Ein Teil des dafür eingesetzten Wassers ist Trinkwasser, der Rest Regenwasser.

Auch in der Gemeinde Esch werden die Wiesen nicht gesprengt. Das 70 Mann starke Team verteilt sich jeden Morgen über die Gemeinde und bewässert die in den letzten beiden Jahren frisch angepflanzten Bäume. Blumen stehen immer auf dem Programm.

Im Durchschnitt wird jeder dieser Bäume alle zehn Tage kräftig mit Wasser versorgt. Um dies zu gewährleisten, nutzt u.a. die Gemeinde Esch zwei Tankwagen mit je einem Behälter von 5.000 Litern und weitere drei von je 1.000 Litern.

Im Gegensatz zur Stadt Luxemburg kann die Gemeinde Esch keine Auskünfte darüber geben, wie viel Liter der Dienst an den Pflanzen umfasst. Sie rechnet und liest jährlich ab. Die landläufige Meinung, der Verbrauch von Wasser für das Gießen der öffentlichen Grünpflanzen gehe nach einem kräftigen Platzregen zurück, stimmt nicht. „Ein Tag Regen hilft nach mehreren Wochen Hitze gar nichts“, sagt einer, der es wissen muss.
Claude Werer arbeitet beim Grünflächenamt der Gemeinde Esch.

„Der Boden ist durch die Hitze so hart, dass ein Regen wie der von Mittwoch nicht bis zu den Wurzeln kommt“, erklärt er. Es müsse schon mehrere Tage am Stück regnen, bis das gelinge, sagt er. „Deshalb netzen wir auch bei leichtem Regen, obwohl das für manche Leute unverständlich ist“, sagt er.

Gute Reserven trotz Höhepunkt

Laut den Verantwortlichen des „Syndicat des eaux du barrage d’Esch-sur-Sûre“ (Sebes) „ ist es extrem unwahrscheinlich, dass es dieses Jahr zur einer Verknappung des Wassers kommt“.

Das kommt daher, dass über den Regen der letzten Jahre die Reserven des Landes reichlich aufgefüllt wurden.
Zwischen 2003 und 2006 war das nicht der Fall und es kam 2006 in manchen Orten zu Niedrigstand der Wasserreserven.

Sebes ist der Hauptlieferant von Wasser im Land. Von dem durchschnittlichen Tagesbedarf des Landes von 120.000 Kubikmetern – das entspricht 120.000.000 Litern Wasser – liefert die Sebes täglich durchschnittlich rund 55.000 Kubikmeter.

In der Sommersaison erhöht sich der Bedarf auf 77.000 Kubikmeter. Insgesamt können die Behälter der Sebes bis zu 108.000 Kubikmeter Wasser fassen.
Sebes hat jedoch dieses Jahr einen Höhepunkt in seiner Geschichte erlebt: Am 9. Juli 2010 musste der zentrale Wasserversorger des Landes die bisher größte Menge Wasser liefern.

Sage und schreibe 88.000 Kubikmeter wurden an einem einzigen Tag gebraucht. An diesem Tag wurden zwischen 30 und 33 Grad gemessen.
Auch wenn die Hitze wiederkommen wird, für Luxemburg besteht nicht die Gefahr einer Unterversorgung. Das bestätigt Jean-Paul Lickes von der staatlichen Wasserverwaltung.

„Der Höhepunkt des Wasserbedarfs für diese Jahreszeit ist bereits überschritten“, sagt er. Dieser liege gewöhnlich vor Beginn der Sommerferien. „Während der Ferien haben wir weniger Aktivitäten im Land.

Anfällige Gemeinden

Der Bausektor bricht so langsam in die Kollektivferien auf, viele Grenzgänger gehen in Ferien, und unsere Schulen sind geschlossen“, führt Lickes aus.
Das gilt nur nicht für manche Gemeinden im Nordosten des Landes, die touristische Anziehungspunkte sind.

Sie haben zwar ihre eigenen Wasserreservoirs, kommen aber in die Bredouille, wenn die Campingplätze und Hotels überfüllt sind und zusätzlich ein Schwimmbad betrieben werden muss.

150 Liter Wasser pro Kopf

Im Durchschnitt werden in Luxemburg täglich 150 Liter Trinkwasser pro Einwohner genutzt.
Diese Zahl beinhaltet allerdings auch den Verbrauch der Industrie, von Unternehmen oder in öffentlichen Gebäuden. Umso erstaunlicher klingt die Feststellung, dass davon nur zwei bis vier Liter Wasser täglich fürs Kochen und Trinken benutzt werden. Seit Jahren sensibilisiert die Sebes die Bewohner des Landes dafür, Wasser zu sparen.

Überdimensionierte private Schwimmbäder seien nicht dazu angetan, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Genauso wenig wie Wiesen, die in der vollen Sonne bewässert werden. Denn dann wird nur ein kleiner Teil des Wassers überhaupt von den Pflanzen absorbiert und das meiste wertvolle Nass verdunstet.