Der Saal im Centre polyvalent Gaston Stein war voll besetzt. Vorne, am langen Rednertisch, hatten Arbeitsminister Nicolas Schmit und hohe Beamte der ADEM Platz genommen. Im Publikum saßen die 76 Beschäftigten des OPE, von denen 52 im Rahmen des Sozialplans gekündigt wurde. 24 weitere werden ihre Kündigung am 1. Juni erhalten. Verständlicherweise machen sie sich Gedanken, wie sie künftig ihre Rechnungen bezahlen sollen und wollen schnellstmöglich einen neuen Job.
Noch spielt die Kündigungsfrist. Während dieser Periode muss OPE die Löhne fortzahlen. Doch im Publikum wird die Befürchtung geäußert, dass die Asbl. nicht über die dafür notwendigen Mittel verfügt. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, bezahle die ADEM die „indemnité au chômage“, beschwichtigte der Arbeitsminister.
Alle haben die gleichen Rechte
Gestern durften die ehemaligen OPE-Beschäftigten ihre Fragen direkt an Nicolas Schmit richten. Dieser sprach sein Bedauern aus, dass es so weit gekommen ist. Jetzt werde er versuchen, jedem Einzelnen so gut wie möglich zu helfen.
Die gesetzliche Lage sei schwierig, meinte die „Directrice adjointe“ der ADEM, Gabi Wagner. OPE sei eine Asbl. und kein Unternehmen. Die Vereinigung ohne Gewinnzweck könne nicht Konkurs anmelden. Einen Präzedenzfall gäbe es nicht.
Trotzdem haben die OPE-Mitarbeiter ein Anrecht auf sämtliche staatliche Hilfen („indemnité au chômage“, „aides à l’emploi“), die im Rahmen des Sozialplans greifen. Dies gelte sowohl für jene Angestellten, die sich noch im Mutterschafts- oder Elternurlaub befinden, als auch für die Mitarbeiter des „Jobcenter 50+“, versicherte der Minister gestern. Vorrangig gehe es im Moment jedoch darum, den Gekündigten eine neue Arbeitsstelle zu besorgen. Eine nahe liegende Möglichkeit sei es, gemeinsam mit den „Centres d’initiative et de gestion“ (CIG) neue Wege zu finden, damit sie die Kompetenzen der OPE-Mitarbeiter nutzen, sagte Nicolas Schmit. Die lokalen und regionalen CIGs werden seit dem Bruch zwischen Staat und OPE von den jeweiligen Gemeinden verwaltet.
Doch auch private Unternehmen sollen von den Fähigkeiten der ehemaligen OPE-Beschäftigten profitieren. Die „aides à l’emploi“, die die ADEM für maximal 48 Monate sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern gewähren darf, sollen dabei helfen.
„Ile aux clowns“ soll weiter bestehen
Eine Sonderstellung kommt den Mitarbeitern der dem CIG-Archipel unterstellten „Ile aux clowns“ zu. Berufsclowns haben es insgesamt schwieriger, auf dem freien Arbeitsmarkt unterzukommen, weshalb sie sich gestern besonders große Sorgen um ihre Zukunft machten. Die „Ile aux clowns“ hatte in den vergangenen Wochen bereits versucht, eine Konvention mit dem Familienministerium abzuschließen, blieb damit aber bislang ohne Erfolg. Der Arbeitsminister versicherte gestern den Clowns, die hauptberuflich kranke Kinder und Senioren aufheitern, dass sie wichtige Arbeit machten und nicht fallen gelassen würden. Als Lösung schlug Schmit vor, Kontakte mit Vereinigungen von Eltern kranker Kinder herzustellen, um die Clowns in diese Vereinigungen zu integrieren.
Wie es mit dem solidarwirtschaftlichen Netzwerk weitergehen wird, blieb gestern unklar. Eine kleinere und effizientere Folgestruktur sei vorstellbar, erklärte der Minister, allerdings müsse man prüfen, wie eine Reorganisation aussehen könnte.
Nach der Diskussion konnten sich die OPE-Beschäftigten in einen Nebenraum begeben, wo ein Dutzend ADEM-Angestellte sie über die weitere Vorgehensweise in Kenntnis setzten.
Zu Demaart
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