Erwartungsgemäß wurde Yves Maas, Geschäftsführer bei Credit Suisse in Luxemburg, zum Nachfolger vom bisherigen Präsidenten Ernst Wilhelm Contzen gewählt. Vizepräsident bleibt Carlo Thill, Geschäftsführer der BGL BNP Paribas. Gleichzeitig hat der bisherige Direktor der ABBL, Jean-Jacques Rommes, auch wie bereits angekündigt seinen Posten an Serge de Cillia übergeben.
Der Luxemburger Yves Maas wurde 1963 in Esch/Alzette geboren. Nach seinem Studium in Deutschland arbeitete er mehrere Jahre bei der Cedel. Im Jahre 1999 trat er bei Credit Suisse in Zürich an, wo er über 13 Jahre lang im Bereich Privatbank arbeitete. Als man ihm dann aber den Job bei Credit Suisse in Luxemburg anbot, „habe ich ihn mit viel Enthusiasmus angenommen“, so Yves Maas am Freitag vor Journalisten. Hier gelte es, eine Wachstumsstrategie umzusetzen. Credit Suisse wolle sich am Standort Luxemburg verstärken und ihn als Hub zum Bedienen von Privatkunden ausbauen.
Und dem Bereich Privatbank scheint er auch als neuer ABBL-Präsident einen großen Teil seiner Zeit widmen zu wollen.
Offensivere Promotion
„Der Bereich befindet sich im totalen Umbruch“, so Maas. „Wir treten in eine neue Ära der Transparenz ein.“ Dabei denkt er u.a. an den kommenden automatischen Informationsaustausch, der als Konsequenz hat, dass sich die Privatbanken des Finanzplatzes neu ausrichten müssen. Es seien wohlhabendere Kunden mit hohen Ansprüchen, die nicht nach Geheimhaltung suchen, die kommen, so Maas. Und Luxemburg müsse neue Märkte angehen, um die Kundschaft zu finden. „Wir haben die notwendigen Kompetenzen und darauf müssen wir bauen.
Die neue Transparenz erlaube Luxemburg nun – auch gerade im Bereich der Privatbank –, mehr für den Finanzplatz zu werben“, so Maas. „In der Vergangenheit haben wir eher Werbung für den Investmentfondsstandort Luxemburg gemacht“, fügte Carlo Thill hinzu. „Nun können wir auch offensiver für die anderen Bereiche werben.“ Dabei denkt er u.a. an den Bereich Privatbank, an internationale Strukturierungen oder an die Verfügbarkeit vieler grenzüberschreitender Kompetenzen.
Nettogewinn von 3,5 Milliarden
Im Jahr 2013 haben die Banken in Luxemburg insgesamt einen Nettogewinn von 3,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, schätzt die ABBL. Das Resultat wäre somit in etwa gleich geblieben wie im Vorjahr, so Serge de Cillia.
Mehr im Detail: Während die Zinsmarge der Banken weiter unter Druck (minus neun Prozent) bleibt, haben die Kommissionseinkünfte der Banken – dank der guten Entwicklung an den Börsen – um 6,8 Prozent zugelegt.
Die Bilanzsumme schrumpft
Die Bilanzsumme der Banken hingegen ist weiter geschrumpft: um 2,86 Prozent auf 713 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren lag sie noch bei 930 Milliarden Euro. „Der Schrumpfungsprozess hat sich letztes Jahr aber verlangsamt“, so De Cillia.
Insgesamt 44.222 Beschäftigte zählte der Finanzsektor zum Ende des letzten Jahres in Luxemburg. Das ist laut ABBL ein Zuwachs von 222 Mitarbeitern.
Über 44.000 Arbeitnehmer
Von den 44.222 Beschäftigten waren 26.237 direkt bei Banken angestellt – ein Minus von 300 Personen. „Und trotzdem sind die Personalkosten weiter in die Höhe geschnellt“, so De Cillia.
Rund „60 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten“, so Thill weiter. Und gerade hier sei die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gefallen. „Noch vor wenigen Jahren konnten wir sagen, dass die Gehälter zwar hoch sind, aber die Sozialabgaben niedrig. Das ist heute aber nicht mehr wahr.“ Daher hatte die ABBL als Patronatsvereinigung von den gewählten Personalvertretern gefordert, alle Automatismen und alle Prämien abzuschaffen. „Wegen der Veränderungen im Sektor hatten wir das alte Modell infrage gestellt.“
Nullrunde
Nun habe man einen neuen Kollektivvertrag ausgehandelt, der eine Nullrunde vorsieht, so Thill weiter. „Es wird in den nächsten drei Jahren somit keine Gehaltserhöhungen geben.“ Und „bei uns bedeutet null auch null – nicht wie beim Staat.“ Das ausgehandelte Abkommen sei „ausgewogen und vernünftig. Beide Seiten haben nachgegeben und sind Kompromisse eingegangen.“ Nun müsse das Abkommen nur noch unterzeichnet werden, so Carlo Thill.
„Der Kollektivvertrag geht in die richtige Richtung“, unterstrich auch Yves Maas. Die Kosten seien eine große Herausforderung für den Standort. Man sehe bereits heute eine Reihe Arbeiten, die in andere, billigere Länder verlagert würden.
„Es gibt noch viel Potenzial“
Ganz pessimistisch ist Maas dennoch nicht eingestellt. Trotz der Herausforderungen im Bereich Privatbanken, wo wohl noch ein gewisser Abbau bevorstehe, „gibt es noch viel Potenzial, um andere Banken nach Luxemburg zu bringen“. Dabei denkt er u.a. an den Zuzug von neuen Banken aus China. „Das alles wird sich wohl ausgleichen“, schätzt er.
Serge de Cillia fügte hinzu, dass allein in den letzten zwei Wochen fünf Anfragen von Investoren aus der Schweiz und dem Mittleren Osten eingegangen seien: „Alle wollten sie eine Bank in Luxemburg kaufen – nur leider steht keine zum Verkauf.“ Auch ist er zuversichtlich, dass die Luxemburger Banken, die von der Europäischen Zentralbank unter die Lupe genommen werden, den Test bestehen werden.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können