Drei Parlamentarier sagten am Dienstag «Nein» zum Groß-Projekt in Ettelbrück, das die Erneuerung des Bahnhofs vorsieht. Und auch das nicht aus verkehrstechnischen Gründen, sondern aus Protest dagegen, dass das bestehende Bahnhofsgebäude von 1862 dem geplanten Zweckbau Platz machen muss. Die Modernisierung der Bahnsteige soll 2016 beginnen, die eigentlichen Bauarbeiten 2017. Der Abschluss ist für 2022 geplant.
Verkehrskollaps
Eines, wenn nicht sogar das Problem schlechthin für die Stadt Ettelbrück ist das hohe Verkehrsaufkommen. Vor allem in der rue du Canal, rue de la Gare, rue Prince Henri und der Avenue J. F. Kennedy kommt es tagtäglich zu einem Verkehrskollaps. Deshalb drängt sich natürlich eine dauerhafte Lösung des Problems auf. Der Tunnel unter dem neuen Bahnhofsgebäude könnte eine Lösung sein.
Das sieht die lokale Bürgerinitiative aber etwas relativierter. „Der Tunnel wird das Verkehrsproblem nicht lösen (er wird die Avenue Salentiny, die zu den zwei Lyzeen und zum Krankenhaus führt, nicht entlasten), sondern einen zusätzlichen Knotenpunkt in der Mitte Ettelbrücks hinter dem Pensionat schaffen.“ Vor der Kurve zwischen den Gemeindegebäuden und der Grundschule sowie vor dem Kreisverkehr bei der „Kannervilla“ seien große Staus vorprogrammiert.
Rückstaus in den Tunnel und auf die Nordstraße seien wahrscheinlich.
Schützenswert oder nicht?
Da die Zerstörung des schönen historischen Bahnhofs für viel Aufregung vor allem bei der alteingesessenen Bevölkerung sorgte, wurde die Bürgerinitiative „Ettelbréck 21“ gegründet. Die Vereinigung forderte u.a. die damalige Kulturministerin Octavie Modert auf, darüber zu entscheiden, ob das über 150 Jahre alte aus Natursteinen gebaute Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz gesetzt wird oder nicht. Obwohl „Ettelbréck 21“ erfahren hat, dass die „Commission des sites et monuments nationaux“ ein positives Gutachten für die Klassierung des Bahnhofs gegeben hat, bekam die Bürgerinitiative nie eine Antwort von Ministerin Modert.
Eigentlich ging es ja um den Bau eines neuen Bahnhofs auf drei Ebenen, als multimodales Verkehrszentrum, kombiniert mit einem Polizeikommissariat und einem Shoppingangebot, verbunden mit 430 P&R-Parkplätzen und M-Box für Zweiräder. Die parlamentarische Debatte drehte über weite Strecken aber am Ende um den Abriss des bestehenden Bahnhofsgebäudes von 1862. Gusty Graas (DP) machte dabei sogar den – doch etwas gewagten – Vergleich mit „Stuttgart 21“. Wie zuvor Ali Kaes (CSV) und Frank Arndt (LSAP) appellierte auch er daran, „zumindest einen Teil der Geschichte zu retten“, hoffentlich am Ende „mehr als ein paar Ziegel“. Weniger Bedenken hatte Gérard Anzia („déi gréng“). Er fand, der Bahnhof habe zwar eine Geschichte, aber keine Perspektive. Etwas tiefer auf die lokalen Hintergründe des Projekts ging Gast Gibéryen (ADR) ein. Die Bürger fühlten sich verschaukelt. „Im Gemeinderat stimmten Grüne und DP gegen das Projekt, im Parlament sind sie mit der LSAP dafür“, so Gibéryen. Der Tunnel, der den Abriss des alten Bahnhofs notwendig mache, hätte auch unter dem Areal des Verschiebebahnhofs gebaut werden können. „Aber dort spekuliert die CFL lieber mit Immobilienprojekten.“
Sorge um die Zugverbindung
Justin Turpel („déi Lénk“) machte sich vor allem Sorgen über die Zukunft der Bahnstrecke Ettelbrück-Diekirch. Dass laut Gesetzestext der Bau des multimodalen Zentrums dieses Projekt nicht „hypothekiere“, wirke für ihn nicht wirklich beruhigend. Mit dem Projekt eines multimodalen Korridors werde hier zunächst einmal die Bahn in Konkurrenz zu Hochkapazitätsbussen gezwungen. Diesen Wettbewerb werde sie ohne klares Konzept verlieren, befürchtete er. Turpel sprach es zwar nicht aus, deutlich anklingen ließ er aber, dass der jetzt vorgesehene, dritte Bahnsteig dann wohl überflüssig sein werde.
Eine Sorge, die Nachhaltigkeitsminister François Bausch indes zurückwies. Es gebe ein klares Konzept, die Bahn Richtung Diekirch attraktiver zu gestalten.
Unterirdisch
Für Diskussionen sorgte auch die unterirdische Verlegung der N7 auf einer Länge von 500 Metern im Bereich der rue du Canal und des Bahnhofs. Die heutige N7 und der Bahnhofsvorplatz werden zu einem Busbahnhof umgebaut.
Gast Gibéryen und Gusty Graas sprachen von einer großen Herausforderung für die Ingenieure, die Unterführung in einem Überschwemmungsgebiet mit zusätzlich starken unterirdischen Wasserbewegungen zu bauen. Der Tunnel riskiere auch neuen Verkehr anzuziehen und die Stadtdurchfahrt wieder attraktiver gegenüber dem „Contournement“ (B7) zu machen.
Der Bau des multimodalen Zentrums sei wichtig für die Entwicklung der „Nordstad“ als dritter wirtschaftlicher Entwicklungspol des Landes, verteidigte François Bausch das Projekt. Der Tunnelbau sei „von der Hochwassersituation her machbar“, die verschiedentlich angesprochenen Probleme mit einer Bodenbelastung seien „maîtrisabel“.
Zu Demaart
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