Michèle Zahlen
Die Generalversammlung am 16. Juni brachte der luxemburgischen „Fédération des patrons loueurs de taxis et d’ambulances“ einen entscheidenden Wechsel. Der bisherige Präsident Jean-Paul Gallé musste seinen Posten nach gut 20 Jahren für den Portugiesen Jaime Gonçalves räumen.
Gallé, Inhaber von Colux, kritisiert, dass das ganze Präsidium der „Fédération des patrons loueurs de taxis et d’ambulances“ seit diesem Sommer nur noch aus ausländischen Mitgliedern bestehe. In den Jahren zuvor saßen fünf Luxemburger und vier Portugiesen im Rat. Revolutionär ist, dass der ganze Vorstand jetzt ausschließlich aus Portugiesen besteht.
Jean-Paul Gallé spricht von einer „portugiesischen Welt“, die sich innerhalb der Arbeitgebervereinigung gebildet habe. Wäre das Gesamtinteresse der anderen Mitglieder größer gewesen, hätte die Wahl des Vorstandes und des Präsidenten anders ausfallen können.
Aber: Nur 19 der fast 70 Arbeitgeber kamen am 16. Juni, um an der Generalversammlung teilzunehmen und zu wählen.
Kein Skandal
Unter ihnen waren größtenteils Ausländer, die sich für Jaime Gonçalves entschieden haben. Jean-Paul Gallé sieht, eigenen Aussagen zufolge, den Präsidentenwechsel nicht als einen Skandal.
Ihn stören aber vor allem der rein portugiesische Vorstand und die damit verbundenen sprachlichen Barrieren: „Ab jetzt läuft alles auf Portugiesisch. Die Sprache stellt bei uns in vielen Arbeitsbereichen ein Problem dar.“
Es überrascht, dass der Präsidentenwechsel erst jetzt, fast drei Monate nach der Wahl, so hohe Wellen schlägt. Fast scheint es, als hätte kaum jemand die Änderungen in der Vereinigung wahrgenommen. Warum jetzt diese internen Probleme?
Auch das kann an der Sprache liegen: Jaime Gonçalves, Arbeitgeber bei Benelux Taxi, gab sein erstes Interview als Präsident des Vorstandes dem Radiosender Radio Latina – auf Portugiesisch. „Ich habe von diesem Interview nur erfahren, weil einer meiner portugiesischen Arbeiter mir davon berichtete“, so Gallé.
Ob der neue Vorstand nun auch dem Patronat einen großen Wechsel beschert und vieles einfacher macht, glaubt Jean-Paul Gallé eher nicht. „Der Präsidentenposten ist eigentlich nur ein Prestigeposten.“
Wie es jetzt weitergeht, hängt von der Vereinigung ab. Die ausländischen Mitglieder hätten immer die Mehrheit gewollt, ob sie nun die Taxi-Branche weitgehend umstrukturieren und verbessern können, daran zweifelt Gallé stark.
Zu Demaart
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