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Luxemburg, drittgrößter Investor

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Luxemburg ist der drittgrößte Investor in die türkische Finanzindustrie. Am 2. Tag der Staatsviste treten Asselborn, Schneider und Frieden vor die Presse und erläutern die finanztechnischen Beziehungen beider Länder.

Nach Außenminister Jean Asselborn traten Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Finanzminister Luc Frieden vor die Presse, um den wirtschaftlichen und den finanztechnischen Beziehungen zwischen beiden Ländern eine Einordnung zu geben.

Etienne Schneider wies auf den Markt hin, den eine Bevölkerungszahl von 76 Millionen türkischen Bürgern darstelle. Hinzu komme der in den letzten zehn Jahren rasant – auch wenn es zuletzt etwas langsamer ging – gestiegene Reichtum. „Die Türken kaufen also mehr ein“, so Schneiders simple aber doch treffende Einschätzung. Für die Türkei bedeutet dies allerdings auch ein Problem, und zwar in Form einer negativen Handelsbilanz.

Luxemburg, kein Unbekannter

Luxemburg ist der drittgrößte Investor in die türkische Finanzindustrie und nimmt denselben Rang ein bei der Istanbuler Börse. Womit das Großherzogtum am Bosporus, zumindest am finanztechnischen, kein Unbekannter sein dürfte. Auch mehrere Luxemburger Unternehmen sind aktiv in der Türkei. Schneider erwähnte dabei ArcelorMittal, konzentrierte sich im Folgenden aber besonders auf Luxair und LuxairCargo. Hier wird intensiv in Richtung eines verstärkten Cargohandlings gearbeitet. Im Visier ist dabei besonders die sogenannte Belly-Fracht, also kleinere Güter, die in Passagierflugzeugen mittransportiert werden können, um so Linien rentabler zu machen. Was zur Folge haben könnte, dass Turkish Airlines, die seit Beginn des Sommer viermal pro Woche direkt zwischen Luxemburg und Istanbul verkehrt, künftig diesen Weg einmal, wenn nicht zweimal am Tag fliegen könnte.

Auch die Cargolux verhandele, so Schneider, über einen weiteren Flug. Sollten diese zusätzlichen Flüge, mit Fracht, Wirklichkeit werden, könnte dies laut Schneider einen Dominoeffekt auf einen anderen Verhandlungspartner haben: „All das wäre ein sehr gutes Argument für Verhandlungen mit Russland über einen möglichen Moskau-Flug.“ Im Logistikbereich arbeitet auch die Firma Mars Logistics. Zusammen mit CFL Cargo und CFL Multimodal werden Waren und Güter über die Schiene bis nach Triest und von dort aus per Schiff an verschiedene türkische Häfen, etwa Istanbul oder Izmir, verfrachtet. Mars Logistics, so Schneider wolle seine Aktivitäten auf dieser Strecke nun verdreifachen. Dafür müsse der Konzern aber in Schiffe investieren, wofür nun nach einem Partner gesucht werde. Der Satellitenbetreiber SES, eines von Luxemburgs Vorzeigeunternehmen, ist in der Türkei noch nicht aktiv. Daran werde aber gearbeitet, so Schneider.

Vermeidung der Doppelbesteuerung

Wichtig seien die Gespräche mit dem türkischen Außenminister, dem Finanzminister und dem Wirtschaftsminister, besonders da es um das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung gehe. In diese Richtung zielt auch das JETCO-Treffen (Joint Economic and Trade Commission, erst im Juni 2013 zwischen Luxemburg und der Türkei abgeschlossen), das für Donnerstag geplant ist und bei dem es darum geht, „Schranken für den Handel abzubauen“.

Für Luc Frieden, der der Türkei den Finanzstandort Luxemburg näher bringen will, ist es die letzte Reise dieser Art. Sie reihe sich in eine „während der letzten Jahre konsequent verfolgte Strategie“ ein. Diese habe immer darin bestanden, Luxemburgs finanztechnische „Produkte und Dienstleistungen in die Welt zu tragen“. Dies sei nötig, da die „Märkte der Nachbarländer nun einmal nicht mehr wachsen“. Man sei stark in Europa, stark in den USA und stark in Asien. Und die Türkei biete „viel Potenzial“. Nicht zu vergessen sei, dass die Türkei sowohl Mitglied der OECD als auch der G20-Gruppe ist. Organisationen, die Luxemburgs Finanzplatz durchaus auch schon kritisch beäugt haben.

Bislang sei die Türkei eher verschlossen gewesen gegenüber internationalen Investitionen in Fonds. Also sieht sich Frieden auch als Vermittler und Aufklärer in diesem Bereich. Obwohl „Türken noch keine oder kaum Fonds kaufen“, wolle die Türkei aus Istanbul einen internationalen Finanzplatz machen. In Istanbul sieht Friedens Programm Visiten bei „allen großen Banken“ vor. Die Garanti-Bank ist zurzeit die einzige türkische Bank in Luxemburg, und das soll sich ändern. Angestrebt werde eine Partnerschaft zwischen beiden Finanzplätzen. Wie diese konkret aussehen könnte, wurde nicht erläutert. Den drei Ministern fehlte die Zeit, Fragen der Journalisten zu beantworten. Am Abend stand das Galadiner auf Einladung des türkischen Präsidenten Abdullah Gül auf dem Programm.