Von unserem Redakteur Guy Kemp, Schanghai
Man kann es drehen und wenden wie man will, an China kommt nur noch schwerlich vorbei, wer sich auf dem internationalen Markt etablieren will, wer neue Absatzmärkte sucht oder auf der Suche nach neuen Geschäftspartnern ist.
Dessen sind sich auch die Chinesen bewusst, weshalb wohl, um dies zu unterstreichen, die Expo 2010 in Schanghai ausgetragen wird. Eine Stadt anhand der für alle Besucher unter Beweis gestellt werden soll, zu welchen wirtschaftlichen Leistungen diese Nation fähig ist. Siehe auch:
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Seit Jahren bereits sind einige große Unternehmen aus Luxemburg im „Reich der Mitte“ aktiv. Um weiteren Interessenten den Einstieg in diesen Zukunftsmarkt zu erleichtern, bot, die luxemburgische Handelskammer bereits vergangene Woche heimischen Klein- und Mittelunternehmen die Möglichkeit in direkten Kontakt mit chinesischen Geschäftsleuten zu treten.
Ab Montag finden bis zum 15. Oktober täglich thematische Seminare über bestimmte Geschäftsbereiche in Luxemburg statt, mit denen wiederum chinesische Betriebe dazu angeregt werden sollen, sich in Luxemburg anzusiedeln.
Dem Beispiel großer Betriebe folgen
„Wir können auf diesem Markt nicht abwesend sein“, sagte der luxemburgische Wirtschafts- und Außenhandelsminister Jeannot Krecké während einer kurzen Vorstellung der dieswöchigen Veranstaltungen in Schanghai. Denn der wirtschaftliche Anziehungspunkt würde sich zunehmend nach Asien verlagern.
Dass dies für China schon in manchen Hinsichten bereits der Fall ist veranschaulichte der Präsident der luxemburgischen Handelskammer Michel Wurth anhand einiger Zahlen. So würden hier immerhin die Hälfte der weltweit produzierten Reifen hergestellt, 45 Prozent der Stahlproduktion auf dem Globus finde in China statt und das Land habe den USA mittlerweile den Rang als größter Automobilmarkt abgelaufen. Folgerichtig habe daher das Unternehmen für das er tätig ist, ArcelorMittal, eine Filiale die Draht für die Reifenproduktion herstellt in China angesiedelt.
Wurth nannte neben ArcelorMittal zwei weitere Sponsoren des luxemburgischen Pavillons auf der Espo – Cargolux und SES – die ihr Geschäft unter anderem nach China ausgebaut haben. Gut besucht:
Die Zahl der Besucher des luxemburgischen Pavillons auf der Expo 2010 hat längst die sechs Millionen überschritten. Damit schauten sich rund zehn Prozent der bisherigen Expo-Besucher das Stahlgebäude genauer an.
Der bislang erfolgreichste Monat war der August mit 1.424.488 Besuchern. Es folgen der September (1,25 Mio.), der Juli (1,162 Mio.), sowie die Monate Juni (941.159) und Mai (834.559).
Doch auch im Oktober dürfte angesichts der bisherigen Besucherzahlen die Marke von einer Million Besucher deutlich überschritten werden.
Die meisten Besucher an einem einzigen Tag wurden übrigens am 24. September gezählt. An diesem Tag zog es 58.555 Menschen an der „Gëlle Fra“ vorbei in die Stahlkonstruktion
Und Jeannot Krecké wies noch auf das Unternehmen Paul Wurth hin, das hier 120 Leute beschäftigt habe. Diesem Beispiel sollten andere folge wünschte sich Michel Wurth.
Eine erste Gelegenheit dazu bot die Handelskammer während zwei Tagen vergangene Woche, an denen luxemburgische Unternehmen mit chinesischen in Kontakt gebracht wurden. Pierre Gramegna, Direktor der luxemburgischen Handelskammer zeigte sich zufrieden mit der hohen Beteiligung auf beiden Seiten. Jedes Unternehmen habe immerhin acht bis zehn Kontakte knüpfen können, so Gramegna.
Kein einfacher Markt
Für die kommende Woche hat die Handelskammer Seminare in den Bereichen Telekommunikation, Umwelttechnologien, Logistik, die Automobilbranche sowie die Agrar-und Lebensmittelindustrie organisiert, für die sich an die 1.000 chinesische Interessenten angemeldet haben.
„Es ist die größte Aktion die je für den Luxemburger Außenhandel gestartet wurde“, sagte Pierre Gramegna, der allerdings auch auf die Herausforderungen einer solch hohen Zahl an Teilnehmern hinweist. Denn anschließend müsse ebenfalls ein beträchtliches Maß an Folgearbeit geleistet werden um den dabei gemachten Kontakte und Anfragen weiter zu betreuen.
Allerdings ist auch nicht alles himmelblau was in China abläuft. Krecké meinte denn auch ein, dass „China kein einfacher Markt“ sei, auf dem es anders zugehe als in Europa. Wichtig für ihn sei daher, interessierte Betriebe aus Luxemburg hier zu begleiten und zu betreuen. Denn das Land habe auch seine Schwächen, etwa wenn chinesischerseits ein Technologietransfer verlangt werde. Es sollte daher schon so sein, dass die Entwicklung weiterhin in Luxemburg angesiedelt sein sollte.
„Da muss man sich juristisch schon gut absichern“, sagte der luxemburgische Wirtschaftsminister. Luxemburgische Betriebe würden daher mit belgischen Anwälten die in China arbeiten in Kontakt gebracht. Zudem will Krecké chinesische Anwälte nach Luxemburg holen, um die Unternehmer besser auf eine Expansion nach China vorzubereiten.
Welche Auswirkungen die Anstrengungen des Wirtschaftsministeriums und der Handelskammer letztendlich haben werden, ist schwer abzuschätzen. Der ehemalige luxemburgische Wirtschaftsminister und Generalkommissar für den luxemburgischen Pavillon geht davon aus, dass das sich „erst in ein paar Jahren zeigen wird“.
Einige chinesische Unternehmen seien bereits in Luxemburg und andere würden folgen, gab sich Krecké gewiss. Immerhin hätte Peking die Losung ausgegeben, die chinesischen Unternehmen sollten auch ins Ausland ziehen.
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