Freitag2. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Kein kinderärztlicher Notdienst mehr

Kein kinderärztlicher Notdienst mehr

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Kinderärzte in Luxemburg scheinen Mangelware zu sein. Besonders betroffen ist das Krankenhaus in Ettelbrück. Notfälle im hohen Norden müssen im schlimmsten Fall in der Stadt behandelt werden.

Wir fragten nach und die Direktion des genannten Klinikums reagierte mit einem Presseschreiben. „Der Verwaltungsrat des CHdN stimmt Übergangslösung mit den Pädiatern (Kinderärzten) notgedrungen zu“, so titelte die Direktion der Klinik am Mittwoch. „In seiner Sitzung vom 8. Juli 2013 hat der Verwaltungsrat des Centre hospitalier du Nord notgedrungen einer unter schwierigen Bedingungen ausgehandelten Übergangslösung mit den akkreditierten Pädiatern zugestimmt.

Vertrag gekündigt

Die Problematik der ungleich verteilten Belastungen zur Aufrechterhaltung einer pädiatrischen Notfallversorgung gärt seit Jahren in ganz Luxemburg und hatte sich im Norden soweit zugespitzt, dass vier akkreditierte Pädiater ihren Vertrag zum vergangenen 30. Juni gekündigt hatten.

Intensive Verhandlungen sowohl auf nationaler Ebene als auch innerhalb des CHdN haben jetzt zunächst eine kurzfristige Entspannung der Versorgungsengpässe bis zum 31. Dezember 2013 erreicht. Dennoch müssen weitere Schritte auf nationaler Ebene realisiert werden, um zukünftig eine dauerhaft angemessene pädiatrische Versorgung in Luxemburg zu gewährleisten.“

Problem längstens bekannt

Prof. Dr. Hans-Joachim Schubert, Generaldirektor des CHdN, unterstrich dem Tageblatt gegenüber, dass in der Übergangsfrist bis Ende dieses Jahres die Pädiater des CHdN aber weiterhin die Versorgung der Neugeborenen auf der Maternité sicherstellen sowie – falls erforderlich – Kinder ergänzend behandeln, die dort in den Bereichen ORL, Urologie, Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie operiert werden.

Leider werde es während der Woche zunächst keinen pädiatrischen Notdienst mehr in der Poliklinik in Ettelbrück geben. Ein spezieller Dienst stehe in der Kannerklinik im CHL zur Verfügung sowie in den einzelnen Kinderarztpraxen.

Die Entscheidung der Kinderärzte, sich aus dem Notdienst zurückzuziehen, kommt nicht unerwartet. Seit Jahren, so Prof. Dr. Schubert, kenne man das Problem, das mit Sicherheit nicht spezifisch für das CHdN sei, sondern ein nationales Problem sei.

Vertröstet

Im Fall des Klinikums in Ettelbrück habe sich die Situation über längere Zeit zugespitzt. Nur noch vier Kinderärzte seien bereit gewesen, den Notdienst an den Abenden, nachts und an den Wochenenden zu sichern. Sie hätten des Öfteren ihrem Unmut hierüber Luft gemacht und seien stets vertröstet worden.

Man werde eine Lösung finden, habe es stets vonseiten des zuständigen Ministeriums geheißen.

Nun hatten die diensttuenden Kinderärzte die Nase gestrichen voll, ähnlich wie das vor Jahren in den Reihen der Hausärzte (Generalisten) der Fall war. „Es gibt in Luxemburg rund 80 Kinderärzte, doch nur etwa 25 erklären sich landesweit bereit, Notdienst zu verrichten“, so Schubert. Daran erkenne man das Problem klar und deutlich.

Aus unserem Gespräch am Mittwoch mit Kinderärzten ging hervor, dass sie, neben der Tatsache, dass in den letzten Jahren nur wenige ihrer Gilde den Buckel für alle Mediziner ihres Fachbereichs hinhalten, wegen des Verrichtens des Notdienstes auch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssten.

Dringender Handlungsbedarf

Es bestehe nun dringender Handlungsbedarf. Kurzfristig soll ein vom Gesundheitsministerium unterstütztes Pilotprojekt zur Sicherstellung einer pädiatrischen Notfallversorgung an den Abenden, den Wochenenden und Feiertagen unter Beteiligung aller im Norden niedergelassener Pädiater gestartet werden.

Dieses Angebot soll in den Räumen des Krankenhauses in Ettelbrück angesiedelt werden. Vertragsentwürfe liegen bereits vor und die passenden Räumlichkeiten werden schon in der nächsten Woche von einer Delegation aller Akteure (Ministerium, AMMD – „Association des médecins et médecins dentistes“, luxemburgische Fachgesellschaft für Pädiatrie und lokale Vertreter der Pädiater und der Direktion des CHdN) in Augenschein genommen.

Diese Struktur könne, so Prof. Dr. Schubert, ähnlich wie die bestehenden „Maisons médicales“ für Hausärzte funktionieren.

Wohin bei einem Notfall?

Auf die Frage, wie sich Betroffene denn nun anstellen sollen, damit ihnen in einem Notfall schnell geholfen werden kann, gab der CHdN-Generaldirektor zu verstehen, dass die erste Anlaufstelle noch immer der behandelnde Pädiater sei, außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten würden die „Maison médicale“ oder die „médecins-urgentistes“ in der Poliklinik in Ettelbrück helfen.

Für sehr bedrohliche Fälle gelte aber nun – bis auf Widerruf – die hauptstädtische Kinderklinik als Anlaufstelle.

„Zusätzlich wird jeweils samstags und sonntags von 10.00 bis 12.00 Uhr eine pädiatrische Notfallsprechstunde in der Poliklinik des Krankenhauses in Ettelbrück angeboten“, so die Leitung des CHdN abschließend.