66 Jahre Altersunterschied liegen zwischen Julie Muller-Barthélemy (94) und Jennifer Muller (28). Politisch engagiert sind beide, eine klare Meinung vertreten sie auch. Im Rahmen des internationalen Frauentags hat das Tageblatt die beiden Mullers, die weder miteinander verwandt noch verschwägert sind, zusammengebracht und das Gespräch dokumentiert.
Julie Muller-Barthélemy hat viel erlebt in ihrem Leben. 1921 in Mersch geboren, half sie früh im Café und später im Hotel der Familie in Mersch mit. Im Oktober 1943 wurde sie mit ihren Eltern, ihrem Mann und den eineinhalb Jahre alten Zwillings-Töchtern nach Schlesien deportiert.
Nach der Rückkehr nach Luxemburg engagierte sich Muller-Barthélemy. Sie trat bei den Gemeindewahlen in der Stadt an und war unter anderen Präsidentin der Amiperas. Momentan lebt sie im CIPA in Niederanven, wo sie Namensvetterin Jennifer, eine junge innenpolitische Journalistin, in ihrem Zimmer empfing.
Frauen und Politik
„Ich bin selbst nicht aufgeklärt worden. Ich erinnere mich an eine Zugfahrt als junges Mädchen. Im Tunnel wurde es dunkel und ich wurde von einem Jungen geküsst. Danach hatte ich panische Angst, dass ich schwanger wäre“, erzählt die 94-jährige.
Zeitsprung. Es geht um das politische Engagement der Frauen. Heute eine Selbstverständlichkeit, in den Nachkriegsjahren alles andere als das. Jennifer will wissen, wie es dazu kam, dass Julie sich politisch engagierte. „Das war alles andere als eine Selbstverständlichkeit damals“, lacht Julie.
«Femmes socialistes»
„Ich erinnere mich an eine 1.Mai-Feier Anfang der 50er Jahre, da habe ich Astrid Lulling und Tun Krier kennen gelernt. Anschließend sind wir noch in der Stadt etwas trinken gegangen, und auf einmal war ich bei den ‚femmes socialistes‘. Es hat mir nie leid getan.“ Wie es dazu kam, dass sie sich 1957 auf der Wahlliste wiederfand, das erklärt Julie Muller-Barthélemy derweil im Video-Interview.
Zum Schluss gibt Julie ihrer 66 Jahre jüngeren Gesprächspartnerin noch einen guten Rat auf den Weg: „Wichtig ist, das was man macht, gerne zu machen. Denn was man gerne macht, das macht man gut. Das gilt mit 24 Jahren genau wie mit 44, 64 oder 94 Jahren. Ob Mann oder Frau“.
Den gesamten Artikel lesen Sie heute im Tageblatt
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können