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Inkognito ist keine Patentlösung

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Die Luxemburger Regierung steht dem anonymem Lebenslauf bei der Jobbewerbung kritisch gegenüber.

Der sogenannte „anonyme Lebenslauf“ verzichtet auf die Angabe des Namens, des Alters, des Geschlechts und enthält kein Foto. Diese Form der Bewerbung gehört in Luxemburg zur Ausnahme. Die Abgeordnete Cécile Hemmen wollte in einer parlamentarischen Anfrage wissen, wie die Regierung hierzu steht.

Der anonyme Lebenslauf soll vor allem die Chancen von Ausländern, Frauen und älteren Menschen erhöhen, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. In Deutschland, Frankreich, Schweden und der Schweiz wurde diese Form der Bewerbung testweise eingeführt. In Belgien ist der anonyme Lebenslauf Pflicht für alle Bewerbungen, die Arbeitsstellen in der föderalen Administration betreffen.

Keine Standardisierung

Die LSAP-Politikerin Cécile Hemmen hat vor diesem Hintergrund eine parlamentarische Anfrage an Lydia Mutsch, Ministerin für Chancengleichheit, und Nicolas Schmit, Minister für Arbeit und Beschäftigung, gerichtet. Hemmen wollte unter anderem wissen, ob eine temporäre Einführung des anonymen Lebenslaufs vorgesehen ist und ob diese Form der Bewerbung nicht besonders sinnvoll für den luxemburgischen Arbeitsmarkt ist, da dieser sich durch eine Vielfalt der Arbeitnehmer auszeichnet.

In ihrer Antwort weisen Mutsch und Schmit darauf hin, dass der luxemburgische Arbeitsmarkt tatsächlich eine hohe Diversifikation kennt. So gibt es im Großherzogtum insgesamt über 170 verschiedene Nationalitäten. Dennoch sehe man den anonymen Lebenslauf skeptisch. Die beiden Minister monieren vor allem, dass eine solche Bewerbung die Förderung der Chancengleichheit erschwert. Die beiden Sozialisten geben die Gleichstellung von Mann und Frau als konkretes Beispiel. Wenn der Arbeitgeber nicht wisse, ob der Bewerber eine Frau oder ein Mann ist, könne dieser nur schwer gegen die Unterrepräsentation von Frauen ankämpfen.

Aus diesem Grund würde die Regierung auch keinen Handlungsbedarf sehen.

Auch keine zeitwilige Einführung

Selbst eine temporäre Einführung des anonymen Lebenslaufs wird abgelehnt. Da diese Form der Bewerbung als nicht kompatibel mit der Förderung der Chancengleichheit angesehen wird, ist ein solcher Schritt nicht angedacht.

Zudem wird befürchtet, dass die Einführung des anonymen Lebenslaufs der Art der Rekrutierung in Luxemburg widerspricht.

Die Einführung des anonymen Lebenslaufs würde die multiplen Wirtschaftssektoren nämlich dazu zwingen, eine allgemeine Standardisierung der Einstellungsverfahren einzuführen. Laut der Regierung ist das nicht im Interesse des Arbeitsmarktes, weil die spezifischen Anforderungen der verschiedenen Branchen so nicht berücksichtigt werden können.

Mutsch und Schmit weisen dennoch darauf hin, dass das Prinzip des anonymen Lebenslaufs in einer parlamentarischen Kommission, welche sich mit Chancengleichheit auseinandersetzt, durchaus nochmals besprochen werden kann.