Zur Erinnerung: Die „Société nationale des habitations à bon marché“ (SNHBM) besitzt in Diekirch fünf quasi identische Häuser entlang der rue Muller-Frommes, der rue Dr Albert Mambourg und der rue des Fleurs. Die Gebäude wurden um 1940 errichtet. Im Laufe der Zeit wurden hier insgesamt 22 Sozialwohnungen eingerichtet, doch in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der Zahn der Zeit ordentlich an diesen Häusern genagt hat.
Sie wurden wohl vom Besitzer, der SNHBM, unterhalten, doch können diese Gemäuer längst nicht mehr den heutigen energietechnischen Anforderungen gerecht werden.
Ganz im Gegenteil: Sehen die Gebäude von außen betrachtet noch gut aus, so schreien die elektrischen und sanitären Leitungen und Anlagen laut nach Hilfe. Die Untersuchungen haben ergeben, dass den fünf Häusern nur die schlechteste aller Energieklassen zugeteilt werden konnte.
Mehr als die Hälfte der Wohnungen sind von Schimmel befallen, da die gesamte Struktur feucht ist. An eine feuchtigkeitsabweisende Isolierung der Kellerdecke ist nicht zu denken, da die Nutzung dieser Räume bereits jetzt für die meisten Bewohner nur im gebückten Zustand möglich ist.
Interessant
Die SNHBM wollte diese Häuser nun abreißen und durch neue ersetzen, was zudem auch die Zahl der Sozialwohnungen an diesem Ort fast verdoppeln könnte. Doch, so hieß es noch letzte Woche, soll ein Privatmann, aus welchen Gründen auch immer, einen Antrag auf Klassierung der Gebäude durch die „Sites et monuments“ gestellt haben. So könnte der Abriss und damit auch der Neubau verhindert werden. Laut unseren Informationen liegt ein solcher Antrag einer Privatperson aber nicht vor. Es gibt lediglich ein Schreiben von Anrainern der genannten Häuser, die von „schönen Fassaden“ und „schönen Bäumen“ schreiben, die verschwinden würden, sollten hier neue Häuser gebaut werden.
In der Notiz, die uns die Kulturministerin nun am Mittwoch zukommen ließ, gibt die Verwaltung der „Sites et monuments“ nun ihre Beweggründe für einen Antrag zur Klassierung der fünf Häuser preis.
Beamte machten sich ein Bild
Es seien gleich zwei Beamte der Verwaltung (SSMN) am 11. April dieses Jahres vor Ort gewesen, um sich ein Bild zu machen. Sie vermerkten in ihrem Bericht u.a., dass die im „neobarocken Stil“ gehaltenen Gebäude einen hohen urbanistischen Wert hätten. Aus der nicht unterschriebenen Notiz der SSMN geht weiter hervor: „L’augmentation de la densité provoquerait à côté de la perte des immeubles en question également une augmentation du trafic dans le quartier. Un scellement de surfaces et une perte du beau cadre vert seraient de conséquences.“
Die Denkmalschutz-Agenten machen sich also Gedanken über Grünflächen und Verkehrsaufkommen. Interessant!
Die Person oder Personen, die die Notiz an Frau Modert verfassten, haben denn auch gleich eine Ausweichmöglichkeit parat. Man solle doch solche Projekte auf dem freien Gelände zwischen Diekirch und Ettelbrück „appelé communément Nordstad“ planen. Sozialwohnungen gehören also nicht mehr in den Stadtkern, sondern an die Stadtgrenze. Ebenfalls interessant!
In puncto technische Anlagen wie Strom-, Wasser-, Kanal- und Heizungsleitungen meinen die Agenten der SSMN dann aber einsichtig: „une remise en état générale s’impose“.
Natürlich müsse man auch Instandsetzungen betreffend den technischen, akustischen und thermischen Komfort ins Auge fassen.
Natürlich müsse man auch an eine Dachisolierung denken, die Decke zwischen dem Keller und dem Erdgeschoss müsse ebenfalls eine Isolierung erhalten usw., usf.
Unfug
Und weiter heißt es in dem Bericht: „Nous sommes d’avis que les 5 immeubles SNHBM devraient connaître une remise en valeur douce.“
Und eben hier scheiden sich die Geister. Die SNHBM sieht sich keinesfalls in ihrer Rolle, wenn sie kostenaufwendige Renovierungen an Häusern machen soll, in denen Leute in Sozialwohnungen leben, die auch nach der Renovierung mehr Heizkosten als Miete bezahlen müssen. „Zudem können wir die sehr hohen Kosten einer ’rénovation douce‘ nicht auf unsere Mieter abwälzen.
Das steht im Widerspruch zu unserer Philosophie. Wir wollen sozialschwachen Mitbürgern erschwinglichen Wohnraum anbieten. In diesem Fall geht das für uns nur über einen Neubau.“
Neubauarbeiten ab September
Die geplanten Neubauarbeiten, die im September beginnen sollten, sind vorerst auf Eis gelegt. Für die Gemeinde und das SNHBM steht die Welt zurzeit auf jeden Fall kopf, wissen sie doch am besten um den reellen Zustand der betroffenen Gebäuden Bescheid. „Von einem ‚état remarquable‘ kann auf keinen Fall die Rede gehen. So etwas zu behaupten, ist reiner Unfug.“
Man darf also gespannt sein, wie sich dieser Fall weiter entwickeln wird. Es kursieren bereits Gerüchte, dass das Dossier rein lokalpolitischen Charakter hätte und das SSMN und die Kulturministerin hier lediglich für persönliche und lokalpolitische Interessen „benutzt“ werden, doch wie gesagt, das sind lediglich Gerüchte.
Nicht wir sagten es!
Zu Demaart
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