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Im Dschungel der Widersprüche

Im Dschungel der Widersprüche
(Daniel Bockwoldt)

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Der Prozess um den Tod eines Luxemburgers in Brasilien wurde am Mittwoch fortgesetzt. Zwei Frauen wird der Auftragsmord an Henri Z. vorgeworfen. Widersprüchliche Aussagen tauchen auf.

Der Prozess gegen die Laotin Brigitte D. und die Brasilianerin Tania M. wurde am Mittwoch fortgesetzt. Ihnen wird der Auftragsmord am Luxemburger Henri Z. vorgeworfen, der am 25. Oktober 2011 in Porto Seguro im Bundesstaat Bahia in Brasilien mit fünf Schüssen aus einer 7,65 mm Pistole in den Kopf regelrecht hingerichtet wurde.

Am Mittwoch trat erneut der Ermittler Christian K. in den Zeugenstand, der auf die widersprüchlichen Aussagen von Tania M. und ihrem Sohn Diego M. zum Zeitpunkt des Kaufs der Tickets für den Rückflug einging. Diese Aussagen wurden vermutlich getätigt, um zu verbergen, dass sie Henri Z. davon abhielten, am 22. Oktober schon nach Hause zu fliegen.

Zeitaufwand zur Tatzeit

Der Zeuge und der Vorsitzende zerpflückten dann die Aussagen von Brigitte D. zu ihrem Zeitaufwand zur Tatzeit, die mehr als hinterfragbar sind. Doch scheiterten alle Versuche, die Beweiskette zu stärken an der spärlichen Spurenausbeute der brasilianischen Behörden. Sicher ist, dass man Henri Z. als senil darstellen wollte.

Es ging dann darum, dass der Vertrag der Gütertrennung, den dieses ungleiche Paar notariell bestätigen ließ, weniger der Absicherung des Gatten im Falle einer Scheidung diente, als dass es sich um sein mögliches Todesurteil handelte. Auch die Angaben von Tania M. zur Nutzung der Kreditkarte des Opfers waren voller Kapriolen.

Dies stellte sich auch bei der Befragung der Beschuldigten zum ersten Überfall auf Henri Z. heraus. Die Tatsache, dass Tania M. ihren Ehemann Daniel L., der sich in Luxemburg um die Rückführung kümmern sollte, bis zum Schluss bei der Meinung liess, das Opfer sei schwer verletzt, obwohl dies nicht stimmte, wirft einige Fragen auf.

Widersprüchliche Aussagen

Der Ermittler ging dann auf die widersprüchlichen bis absurden Aussagen der beiden Angeklagten zu den Geldtransfers nach der Freigabe der Erbschaft ein. Verteidigungen, Anschuldigungen, Falschaussagen und Widersprüche in einem Dschungel, zwischen deren Lianen sie mehrmals auf dem Boden der Tatsachen landeten.

Eine interessante Hypothese des Ermittlers war dann aber, dass alle Aussagen darauf hinweisen könnten, Henri Z., der bis dahin für alle Auslagen der Brasilienreise gerade stand, das Ticket von Tania M. vielleicht nicht bezahlen wollte, weil er sauer war, dass Diego M. ohne sein Wissen derart viel Geld aufgehoben hatte.

25.000 Euro Handgeld

Me Penning brachte dann den Zeugen mit dem Zeitunterschied zwischen Brasilien und Luxemburg sowie den verschiedenen Sommer und Winterzeiten etwas in Verlegenheit, doch dürfte dies die Tatsache nicht tangieren, dass Henri Z. wohl kaum 72 Versuche gebraucht hätte, um 25.000 Euro vom eigenen Konto aufzuheben.

Umso mehr scheint diese Hypothese tragbar zu sein, da Henri Z. am Tag vor seinem Tod seinem Banker in Luxemburg anrief, er solle aufpassen, was seine Ehefrau Brigitte D. mit seiner Kreditkarte so alles anfange. Bezeichnenderweise hat das Opfer bei der gleichen Gelegenheit seine Kreditlinie verändert.

Der Prozess wird am Donnerstag mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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