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„Ich weiß nicht warum ich verletzt wurde“

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Seit Mittwoch muss sich ein 30-jähriger Mann vor Gericht verantworten, weil er einen 28-Jährigen lebensbedrohlich verletzt haben soll. Angeblich gab es in einer Bar in Esch/Alzette einen Streit wegen eines Handydiebstahls.

Die Tat geht auf den 31. Oktober 2012 zurück. Damals war es zu später Stunde zu dem Streit zwischen zwei Männern gekommen. Der Angeklagte erklärte zu Beginn der Sitzung am Mittwoch, dass er das Opfer nicht verletzt habe.

Anschließend trat jedoch der medizinische Gutachter in den Zeugenstand. Er hatte schwere Verletzungen an der Halsschlagader des Opfers kurz nach der Tat festgestellt. Die Wunde sei laut dem Experten einige Zentimeter tief gewesen. An der Hautoberfläche sei die Wunde fünf Zentimeter breit gewesen. „Falls man den Mann nicht in ein Krankenhaus gebracht hätte, hätte er durchaus sterben können“, so der Gutachter.

Der mutmaßliche Täter und das Opfer sitzen ein

Der Angeklagte sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft und auch das Opfer ist momentan im „Centre de rétention“ inhaftiert. Beide sind der Polizei wegen Drogendelikten bekannt. Das Opfer wurde im vergangenen Jahr zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, davon anderthalb Jahre auf Bewährung.

Anschließend erklärte ein Ermittler, dass bis heute jedoch nicht gewusst ist, ob es sich bei der Tatwaffe um ein Messer oder eine abgebrochene Flasche handelte. Laut Ermittler würden sich der Angeklagte und das Opfer nicht kennen. Die Ehefrau des Opfers und die Frau des Angeklagten seien jedoch befreundet gewesen. Einige Wochen vor der Tat hätte es zwischen den beiden Frauen Streit gegeben. Damals hätten die zwei Männer versucht die Frauen zu beruhigen. Auch hier sei einer von beiden angeblich verletzt worden. „Dies hatten damals Zeugen in der Bar bestätigt“, so der Polizist. Am Tattag sei es dann im selben Café zu einem Streit wegen eines Handydiebstahls gekommen.

Drohungen

Auch hat laut Anklageschrift der Beschuldigte dem Opfer vor der Tat gedroht. Hier ging es um einen Streit im Drogenmilieu. Der Ermittler gab ebenfalls an, dass dies eine sehr komplexe Affäre sei, da niemand das Opfer verletzt haben will. Die meisten Zeugen würden sich in Untersuchungshaft befinden und würden schweigen was die Tat angeht. Ein weiterer Punkt der die Ermittlungen erschwerte sei, dass fast alle Zeugen sich mit Spitznamen anreden würden und niemand mehr so richtig den Durchblick habe.

Am 31. Oktober 2012, als die Polizei am Tatort eintraf hatte der Geschäftsführer der Bar bereits alle Blutspuren beseitigt. „Es sah so aus, als käme es des Öfteren zu solchen blutigen Taten in dem Lokal“, so der Ermittler.

Er wollte nur ehrlich sein

Das Opfer das sichtlich nervös auf der Zeugenbank saß, erklärte den Richtern, dass er zu keinem Moment Streit wollte. „Ich war mit Freunden im Lokal als ein Kleiderverkäufer die Bar betrat. Der Angeklagte und seine Frau sind zu mir gekommen. Ich habe gesehen, wie der Beschuldigte dem Kleiderhändler sein Mobiltelefon aus der Tasche zog. Sofort habe ich reagiert und den Dieb verraten: Er solle das Mobiltelefon zurückgeben. Der Beschuldigte wurde wütend und hat mich als ‚dreckigen Araber’ bezeichnet. Ich wollte nur ehrlich sein“, so der 28-Jährige. Er habe keinen Streit gewollt und habe sich umgedreht, um die Bar zu verlassen. Zu dem Moment habe er einen Schmerz im Halsbereich verspürt und gegefühlt, dass Blut aus dem Hals lief. „Ich gehe davon aus, dass er mich mit einem Messer in den Hals gestochen hat, gesehen habe ich das Messer jedoch nicht. Ich weiß überhaupt nicht warum der Mann mich verletzt hat“, so das Opfer.

Eine Zeugin, die am Tatabend ebenfalls in der Bar war, bestätigte, dass das Opfer und der Angeklagte sich laut miteinander unterhielten. Die Tat konnte sie aber nicht sehen.

Am Donnerstag wird der Prozess mit weiteren Zeugenaussagen, den Plädoyers des Verteidigers und dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft abgeschlossen.