Dienstag13. Januar 2026

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Heller, grüner … einladender denn je

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ESCH - Am Montag wurde bei strahlendem Sonnenschein der Escher Brill-Platz auf der place de la Résistance im Besein von zahlreichen Gästen und Schaulustigen feierlich eröffnet.

661 Tage hatte die Oberflächengestaltung der place de la Résistance, des Brill-Platzes, seit dem ersten Spatenstich gedauert. Davor war noch die fünfstöckige Tiefgarage unter dem Platz gebaut worden, was bedeutete, dass der Brill-Platz seit Ende 2008 fest in den Händen der Bauarbeiter war. Glaubt man dem allgemeinen Tenor am Montag bei der Eröffnung, hat sich das Warten gelohnt.

Am Montag 10.15 Uhr: Bis zur offiziellen Eröffnung des Brill-Platzes mit feierlicher Enthüllung der 15 Bronzeskulpturen ist es noch eine Stunde. „Con te partirò“ – was übersetzt so viel heißt wie: mit dir geh ich fort – dudelt Star-Tenor Andrea Bocelli mit bedeutungsschwangerer Stimme vom Band aus der Lautsprecheranlage über den Platz und seine noch in Leintücher gehüllten Kronjuwelen. 15 Minuten später hatte die Beschallung dann „Schueberfouer“-Flair: Ehjepp jepp“ und „popp popp jepp“. Soundcheck.

Und eine gute Stunde zuvor kreischte an der Ecke Brill-Straße/rue Pasteur noch eine Kreissäge Steinquader in Passform und spuckte eine weiße Staubwolke über Platz und Passanten. Business as usual in den letzten Wochen und Tagen, doch hoffentlich zum letzten Mal.

„Summertime“

Den Platz, oder besser gesagt, den äußeren Ring der Sitzgelegenheiten-Anordnung auf dem Platz, haben sich derweil schon einige Passanten spontan und unaufgefordert angeeignet. Sitzprobe. Mit jeder Minute, die bis zu Beginn der Zeremonie vergeht, werden es mehr. Allerdings mehrheitlich geladene Gäste im schicken Zwirn. Und mit jeder Minute, die verging, versammelten sich auch immer mehr Menschen zwischen den beiden Pavillons und andere daneben.

Es konnte losgehen. Mit Klauspeter Bungert am Klavier und Sängerin Patricia Frères und, passend zu der Wetterlage, einer Interpretation von „Summertime“ von George Gershwin, dem Lieblingslied vom grünen Grünflächenschöffen Jean Huss, wie sich später herausstellen sollte.

Weiter Rückblick

Bürgermeisterin Lydia Mutsch blickte in ihrer Ansprache weit in die Geschichte der Stadt zurück, bis ins Jahr 1910, als Esch 16.500 Einwohner zählte und das Brill-Viertel sich zu einem richtigen Stadtteil entwickelte. Unter Stadtarchitekt Paul Flesch, so Mutsch, der u.a. den Brill-Platz schuf.

Mit der Inbetriebnahme der Brill-Schule am 11. Dezember 1911 kam dem Platz dann der Rang des Hauptplatzes der Stadt zu.

Und 2013? Im Viertel leben nicht mehr mehrheitlich Italiener. Die Einwohnerschaft setzt sich aus Staatsangehörigen aus mehr als 90 Ländern zusammen. Das Viertel ist das am dichtesten besiedelte der gesamten Stadt und der Altersdurchschnitt beträgt junge 32 Jahre. Was Bürgermeisterin Lydia Mutsch zu der Aussage bewog: „Et ass hei, wou dLiewen ofgeet.“ Und mit den Bemühungen der Gemeindeverwaltung, möglichst viele Studenten im Viertel anzusiedeln, bekomme es zudem eine neue Nase. „Eng nei gring Nues“, mit der Eröffnung des Parks.

Multikultureller Charakter

Dass sich die Leute die Bänke auf dem Platz bereits vor der offiziellen Eröffnung angeeignet haben, erfreute die Bürgermeisterin ganz besonders. Der Platz sei der Beginn eines neuen Brill-Viertels, „e formidabelt Symbol, fir dat, wat nach kënnt“, so Mutsch.

Architekt Kamel Louafi habe einen Platz geschaffen, der alle Aspekte des Viertels miteinander verbinde und mit der Darstellung der fünf Kontinente seinen multikulturellen Charakter widerspiegle.

„Dat Grot ass verschwonnen, dAutoe sinn net méi do, ech gesi Wisen … an eng Plaz, déi dem Quartier gerecht gëtt“, so Mutsch abschließend.

Bitumengrau gehört auch nicht gerade zu den Lieblingsfarben von Schöffe Jean Huss. „Esch ass eng gring Stad“, so Huss. Bislang sei das Brill-Viertel aber leider davon ausgeschlossen gewesen.

Dank an alle Beteiligten

Architekt Kamel Louafi bedankte sich bei allen Beteiligten. U.a. der Gemeinde für ihr Vertrauen, dem Stadtarchitekten Luc Everling für sein Ästhetikgefühl und seine hohen Ansprüche, Gemeindeingenieur Steve Faltz für Einfallsreichtum und Kompetenz, Isogreen-Geschäftsführer Ernest Brandenburger für seine Nerven und seiner Ehefrau Andrea für ihre Geduld.

Als Präsent an die Gemeinde hatte die Geschäftsführung der Kunstgießerei Gugg aus Straubing bei Regensburg (D), Vater Johann Anton und Sohn Johann, eine Miniatur der Europa-Skulptur dabei.

Fünf zentrale Skulpturen

Mit der Enthüllung des 1:1-Modells dieser Skulptur mit ihrem Relief, das eine Zypressen-Allee in der Toskana darstellt, begann dann die feierliche Enthüllung der fünf zentralen Skulpturen, die die fünf Kontinente darstellen.

Danach folgte Afrika, dann Australien, Amerika und Asien … oder war es umgekehrt. Der kleine Augenblick der Verwirrung sollte der guten Stimmung auf dem Platz und dem allgemeinen Interesse aber keinen Abbruch tun.

Am Montagabend wimmelte es gegen 19.30 Uhr übrigens von Kindern auf dem Platz. Und mittendrin Kamel Louafi, der den lebendigen Platz begeistert auf eine Speicherkarte bannte.