Freitag2. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Härtetest für Kramer

Härtetest für Kramer

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Der deutsche Historiker Andreas Kramer steht am Mittwoch erneut als Zeuge vor Gericht. Er hat seinen Vater als einen der Bombenleger im Luxemburg der 1980er Jahre bezeichnet. Prozessbeobachter sprechen von Verschwörungstheorien.

«Mein Vater war ein Terrorist». Die Anschuldigungen des deutschen Historikers Andreas Kramer gegen seinen verstorbenen Vater, Johannes, am Dienstag am 18. Tag des Bommeleeër-Prozesses klangen ungeheuerlich. Der damalige BND-Offizier sei an den meisten Anschlägen 1984 bis 1986 beteiligt gewesen. Er habe in Luxemburg Personen rekrutiert und mit dem Luxemburger Geheimdienst SREL zusammengearbeitet. Der damalige SREL-Chef Charles Hoffmann kenne die Namen der Bombenleger, die dem Stay-Behind-Netzwerk in Luxemburg angehört hatten.

Kramers Aussagen waren von der Staatsanwaltschaft als Geschwätz abgetan worden. Am Mittwoch wird sie die Gelegenheit haben, Kramers Aussagen zu demontieren.

«Abenteuerliche Erzählungen»

Richterin Sylvie Conter gab am Mittwoch gleich den Ton an. Sie spricht von «abenteuerlichen Erzählungen» seitens Kramer. Während der Anhörung versucht sie den Zeugen aus dem Konzept zu bringen. Fragt ihn, ob er den Code kannte, der auf den Erpresserbriefen stehe. Kramer junior hatte am Dienstag gesagt, sein Vater habe mehrere der Erpresserbriefe an die Cegedel geschrieben. Kramer verneint.

Kramer lässt sich nicht von seiner Geschichte abbringen. Über Jahre habe sein Vater ihm Einzelheiten erzählt. Als er gefragt wird, ob er Belege vorlegen könne, etwa Kontoauszüge, weicht er aus. Er komme noch nicht an den Nachlass seines Vaters.

Auf Wahrheitsgehalt prüfen

Man müsste Kramers Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen, räumt Staatsanwalt Georges Oswald ein. Er spricht von Widersprüchen in Kramers Aussagen. Warum sein Vater ihn denn für den BND rekrutieren wollte, fragt der Staatsanwalt. Sein Vater wollte einen Mitwisser. Bis zum Ende des Kalten Krieges wollte er ihn für den BND rekrutieren, so Andreas Kramer, der eigenen Aussagen sein Studium 1984 in Bonn begann und 1986 in Paris fortsetzte.

Kramer wartet immer wieder mit neuen überraschenden Aussagen auf. Stay-Behind sei in Deutschland noch immer aktiv. Er vermutet sogar Beziehungen zur rechtsradikalen Gruppe NSU.

Anwalt Vogel forderte nach einer Pause, dass die Aussagen Kramers auf Video aufgezeichnet werden. Des Weiteren fragte er, wie das Gericht den Prozess fortzuführen gedenkt. Die Verhandlung wird wahrscheinlich in den Pfingstferien fortgesetzt. Dann wurde noch bekannt, dass der Bommeleeër-Ermittler Carlo Klein einen Frangenkatalog für das Verhör des Historikers aufstelen wird.

Der 19. Prozesstag war schon um 17.10 Uhr beendet. Am Donnerstag will man sich wieder mit den Ermittlungen gegen Ben Geiben befassen.