Eingangs der Sitzung vom Mittwoch zeigte sich das Gericht besorgt über den Verbleib eines Zeugen. Pierre Kohnen, der Ex-Polizist der letzte Woche vor Gericht erklärte, dass er von Colonel Gretsch eine «Stay-Behind» Liste (Namen) einsehen konnte, ist verschwunden. Alle Kontaktversuche blieben ergebnislos und seine Familie weiß auch nicht wo er sein könnte. Die Bommeleeër-Ermittler kündigen an, der Sache auf den Grund gehen zu wollen.
Alexis Kremer, Ex-Direktionsmitglied bei der Cegedel sagte anschließend im Zeugenstand aus, er glaubte, dass der Anschlag in Beidweiler am 30. Mai 1984 ein Misserfolg war, da der Strommast nicht kippte. Kurz nach dem Anschlag erhielt die Cegedel einen anonymen Erpresser-Brief den sie an die Gendarmerie weitergeben wollte. Nur, es kam niemand das Schreiben abholen. Nach dem Attentat auf Staffelter, am 27. April 1985, überreichten sie schließlich den Brief einem Mitglied der Sûreté. Die Cegedel hatte damals betont, sich nicht erpressen zu lassen, so der Zeuge. Es gab allerdings Unstimmigkeiten unter den zuständigen Minister, was die Zahlung des Lösegeldes betraf. Die eine Hälfte wollte zahlen, die andere nicht. Schließlich besorgte man sich den Betrag bei einer Bank in Brüssel, da kein Geldinstitut in Luxemburg 250.000 US-Dollar in Bar auf Reserve hatte.
Ansprechpartner Sûreté
Laut Kremer wurde die Post von der Sûreté kontrolliert. Die Kommunikation mit den Erpressern lief damals über eine Zeitungsannonce. Die Sûreté setzte den Text dafür auf. Darüber sollte die Geldübergabe vorbereitet werden. In dem Schreiben wurden die Details zur Übergabe erklärt. Die Aktion würde in Clervaux ablaufen. Weitere Details (in einem Brief) sollten in einer Telefonzelle versteckt werden. Diesen Brief gab es aber nicht.
Man war damals nach den Attentaten nervös. Die Cegedel-Stommasten wurden von einer Sicherheitsfirma überwacht. Ein Posten war auf Roost. Von dort aus wurden die Touren geplant. Bei einer Kontrollfahrt fand ein Sicherheitsmann eine «verdächtige» Kiste an einem Mast. Er schoss drauf. Die Kiste explodierte. Es handelte sich jedoch nur um Isolatoren für den Strommast.
«Sie wollten keinen großen Schaden anrichten»
Laut Kremer hatten die Bombenleger es nicht auf wichtige Leitungen abgesehen. Die Täter besaßen jedoch Insider-Wissen, das innerhalb der Cegedel nur zwei Personen hatten. Wie sie an die Informationen kamen, weiß Kremer nicht.
Dann wurde die Lösegeldsumme auf 750.000 US-Dollar erhöht. Da man aber nicht zahlen wollte, habe man damals den Koffer mit Zeitungspapier und einem Peilsender ausgestattet. Aber die Geldübergabe scheiterte. Der «Transporteur» damals war niemand anderes als der verschwundene Pierre Kohnen.
Wieder verdächtige Personen
Beim Anschlag in Itzig am 29. Mai 1985, wurden angeblich mehrere Verdächtige in der Nähe des Tatortes gesehen. Die Cegedel gab die Information weiter an die Sûreté. Es ist aber in keinem Bericht etwas darüber nachzulesen, wundert sich die Staatsanwaltschaft. Kremer sagte aus, der damalige Polizeiminister Marc Fischbach hätte versucht, der Cegedel die Schuld in die Schuhe zu schieben. Man habe die Behörden nicht informiert. Das sei aber falsch.
Verwundert war das Gericht über die Aussage des damaligen Gendarmerie-Chefs Harpes, der nach dem letzten Anschlag am 25. März 1986, gegenüber Kremer gesagt haben soll, dass die Anschläge bald ein Ende hätten. Anwalt Vogel will eine Gegenüberstellung zwischen Kremer und Harpes und fordert den ehemaligen Gendarmerie-Direktor in den Zeugenstand zu rufen.
Die Überwachung der Strommaste lief noch bis 1988/89. Laut Kremer herrschte großes Misstrauen zwischen der Gendarmerie, der Sûreté und der Cegedel. Auch das deutsche BKA ermittelte. Welche Rolle es aber spielte, weiß der Zeuge nicht.
Zu Demaart
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