Mit einem Anteil von 44% Nicht-Luxemburgern ist das Großherzogtum innerhalb der Europäischen Union das Land der Vielfalt schlechthin. Was sich natürlich auch in den Betrieben widerspiegelt. Doch bei der Nutzung der Vielfalt geht es nicht nur um Nationalitäten.
Ansporn
Die am Barometer beteiligten Betriebe hielten eine Verbesserung fest von:
– 58% bei Innovation und Kreativität
– 57% bei Attraktivität und Bindung der Talente
– 53% bei den Arbeitsbedingungen
– 40% bei dem Entgegenkommen gegenüber Kunden
– 32,5% bei den Wettbewerbsvorteilen
– 31% bei der innerbetrieblichen Organisation
– 30% beim Erschließen neuer Marktbereiche
Hintergrund der «Charte de la diversité» (Charta der Vielfalt) ist die grundlegende Idee, dass ein Betrieb Vorteile davon hat, wenn er die Eigenarten, Fähigkeiten und Talente seiner Mitarbeiter auch voll nutzen kann. Erreicht werden soll dies durch ein besseres Miteinander im Betrieb selber. Und das wiederum soll durch den Abbau von Vorurteilen geschehen.
Jeder soll in seinem Arbeitsbereich respektiert werden, unabhängig von seinem Geschlecht, seiner ethnischen Herkunft, seiner Nationalität, Religion oder Weltanschauung, unabhängig auch von ihrer Behinderung, ihrem Alter oder sexuellen Orientierung. «Es geht hier nicht um Moral, sondern vor allen Dingen um das Geschäft», sagte Christian Scharff, Mitglied des Luxemburger Komitees für Vielfalt. Er selber ist Experte für Personalfragen. «Unternehmen mit Frauen z.B. in ihrem Verwaltungsrat bringen bessere Ergebnisse», hielt er fest. «Und haben oft eine andere Sicht der Dinge».
«Erster Barometer der Vielfalt»
Gemeinsam mit Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen hat er am Mittwoch den ersten Luxemburger «Barometer der Vielfalt» vorgestellt. 2012 wurde die Charta hierzulande ins Leben gerufen. Luxemburg war das neunte Land, das sie übernahm, inzwischen sind es deren fünfzehn in der EU insgesamt. Im Juli dieses Jahres hatten bereits 116 luxemburgische Betriebe sie unterzeichnet, etwa 30 stehen auf der Warteliste. Tendenz steigend. Sie werden am 24. März nächsten Jahres die Charta offiziell unterzeichnen.
Was unterstreicht, dass die Idee an Boden gewinnt. Stimmen Betriebsklima und Arbeitsumfeld, dann stimmen auch die Motivation und der gegenseitige Respekt unter den Mitarbeitern.
Die bisherigen Unterzeichner vertreten immerhin bereits 13% der Luxemburger Beschäftigten. Interessant, dass der Anteil der Frauen unter den Mitarbeitern in den beteiligten Häusern bei 54% liegt. Auf nationaler Ebene liegt er bei nur 40%.
Chance für Betriebe
«Es geht hier nicht um graue Theorie. Die Vielfalt, wie sie die Charta festhält, ist ein Hebel für mehr Produktivität, mehr Attraktivität, mehr Wettbewerbsfähigkeit und für mehr interne Innovation», unterstrich Christian Scharff. «Nicht alle Mitarbeiter sind gleich», so Ministerin Corinne Cahen, «ihre Ansprüche variieren. Es ist eine Chance für Betriebe, wenn sie sich mit dem Thema auseinandersetzen. Hier wird ein Mehrwert geschaffen.»
Im nächsten Jahr (2015), am 12. Mai, ist ein erster «Diversity Day Lëtzebuerg» vorgesehen. Interessenten können sich dann in den beteiligten Häusern über die verschiedenen Aspekte der optimalen Nutzung der Vielfalt informieren.
(Serge Kennerknecht/Tageblatt.lu)
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