Der Saal im zweiten Stock des Literaturhauses in Mersch war wie gewohnt bei solch einer Preisverleihung gerappelt voll. Schriftstellerkollegen, Liebhaber der Literatur, Vertreter von Kulturinstitutionen und Freunde des Preisträgers, sie alle waren gekommen, um Nico Helminger zu ehren und die mit Spannung erwartete Laudatio seines Bruders Guy zu hören. Nur ein Platz blieb leer: jener der Kulturministerin.
Nico Helminger
AbraschEditions Phi 2013
ISBN 978-2-87964-203-1
Preisverleihungen können langweilig und langatmig sein: Einer wird gebauchpinselt, der andere bauchpinselt und das Publikum im Saal unterdrückt höflich das Gähnen und lächelt freundlich. Preisverleihungen können aber auch unterhaltsam, witzig und schön sein, vor allem wenn der Preisträger Nico Helminger, der Laudator Guy Helminger und die Musiker Lucilin heißen.
Nachdem also Germaine Goetzinger in ihrer Funktion als Präsidentin der Fondation Servais und Jurypräsident Pierre Marson das Publikum begrüßt, den Preisträgern gratuliert und die Geschenke überreicht hatten, war es an Guy Helminger, ans Rednerpult zu treten, um die Laudatio auf seinen älteren Bruder zu halten. Eine Laudatio, die, wie nicht anders zu erwarten, für herzhafte Lacher im Publikum sorgte, die aber gleichzeitig auch gegen fehlende Anerkennung und Unterstützung von mancher Seite stichelte und den Autor und sein Werk ehrte.
Kneipentour mit der Kulturministerin
Guy Helminger begann seine Rede mit wunderbaren Anekdoten, die Einblicke in das Schriftstellerleben zweier Brüder gaben und die vor allem um die Verwechslungen der beiden Brüder kreisten: Wie oft wurde ihm schon ein Buch seines Bruders zum Signieren unter die Nase gehalten und vice versa. Wie oft wurde er schon darauf angesprochen, wo er denn seinen Hut gelassen habe. Und wie oft habe schon Nico dran glauben müssen, wenn einem Journalisten das neue Buch von Guy nicht gefiel.
Auf eine Art, wie es nur Schriftsteller zu tun vermögen, ließ Guy Helminger bei seinen humoristischen Ausführungen doch immer auch den Ernst der Sache durchscheinen. Er prangerte die Ignoranz so mancher Möchtegernkritiker an und lud die Kulturministerin, die nach eigener Aussage nichts mit Poesie anfangen könne, zu einer Kneipentour ein, um ihr Gedichte vorzutragen, so lange bis sie mit dem poetischen Virus infiziert sei. Sein Bruder Nico habe, unabhängig von ihm, übrigens die gleiche Idee gehabt.
Mit dem poetischen Virus infiziert
Dass die beiden Brüder ohnehin oft einer Meinung seien, wie Guy Helminger unterstrich, war auch an diesem Abend zu merken. Beide vermittelten bei jedem Wort ihrer Rede ihre Liebe zur Literatur und zur Sprache, beide fanden berührende Worte, um die Notwendigkeit von Poesie zu unterstreichen und beiden war ihr Bedauern darüber anzumerken, dass die Poesie zu selten den Platz zugestanden bekommt, der ihr gebührt.
Umso kostbarer sind Preisverleihungen wie jene am Dienstagabend in Mersch. Schade nur, dass sich im Publikum ausschließlich Gäste befanden, die ohnehin schon mit dem poetischen Virus infiziert sind, und dass jene, die Wichtigeres vorhatten, erneut versäumten, was es heißt, wenn Sprache «ein Feuerwerk, einen Jahrmarkt im Kopf» auslöst.
Zu Demaart
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