Sonntag25. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Freispruch oder 42 Jahre Haft?

Freispruch oder 42 Jahre Haft?

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

2014 brannten in Petingen ein Rolladen und zwei Wagen. Der mutmaßliche Brandstifter steht jetzt vor Gericht. Ihm droht eine saftige Strafe - oder er wird freigesprochen.

Am 2. und 12. August 2014, wurde in Petingen ein Feuer gelegt. Beim ersten Mal wurde ein Rollladen angezündet. Das zweite Mal gingen zwei Autos in der Tiefgarage in Flammen auf. Angeklagt sind der als einfacher Fahrer geständige Jonathan M. sowie das Paar Marcel P. und Rafa B., die während der Verhandlung ihren Mitangeklagten belasteten und sich gegenseitig Alibis zu verschaffen suchten.

Am Mittwoch nun wurden die Plädoyers der Verteidigung vorgetragen. Me Nicky Stoffel, die Jonathan M. vertrat, führte die von Videokameras eingefangene aktive Rolle des vermummten Marcel P. an, unter dessen permanenten Druck ihr Mandant gestanden habe. Dieser habe nicht den freien Willen gehabt, an diesem Abenteuer teilzunehmen. Sie forderte denn auch den Freispruch für ihren Klienten.

Kein aktiver Part

Rafa B. wurde von Me Claudia Monti vertreten. Sie kämpfte dagegen an, dass ihre Mandantin und ihr Freund Marcel P. von Anfang an als Schuldige behandelt wurden, obwohl ihre damals von ihm schwangere Klientin, wenn sie denn bei den Fakten dabei war, keinen aktiven Part übernommen hatte. Auch sie forderte den Freispruch für ihre Klientin.

Blieb also noch Marcel P, den Me Marc Lentz verteidigte. Dieser wehrte sich gegen die einseitig gegen seinen Klienten geführten Ermittlungen, auch wenn dieser alles andere als ein Unschuldslamm sei. Auch Me Lentz beantragte den Freispruch.

Die öffentliche Anklägerin Colette Lorang sah dies etwas anders und führte die zahlreichen Zeugen und das mehr als zweifelhafte Alibi des Hauptangeklagten Marcel P. an, der allein in Frankreich ein zehnseitiges Strafregister besitzt. Die Substitutin forderte für Marcel P. 20 Jahre, für Rafa B. zehn Jahre und für Jonathan M. 12 Jahre Haft. Der Hauptangeklagte wurde wegen Zeugenbeeinflussung noch im Gerichtssaal verhaftet. Das Urteil wird am 18. November ergehen. ck

Anachronistisches Gesetz

Wie wir schon mehrmals in dieser Rubrik schrieben, ist Artikel 510 unseres Strafgesetzbuches zum Tatbestand der Brandstiftung nicht mehr zeitgemäß, da der Text in Zeiten verfasst wurde, in denen durch ein entzündetes Streichholz ganze aus Holz errichtete Häuserzeilen den Flammen zum Opfer fallen konnten.

Die Höchststrafe, lebenslange Haft, sieht das Gesetz denn auch vor, wenn das Feuer nach Einbruch der Dunkelheit gelegt wurde und wenn sich in den in Brand gesetzten Gebäuden zum Tatzeitpunkt Menschen befanden. Besonders erschwerend ist die Brandstiftung mit Todesfolge an bewohnten Gebäuden und deren Dependenzen.