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Foyer steht nicht mehr auf teures Parkett

Foyer steht nicht mehr auf teures Parkett

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Der Versicherer Foyer zieht sich von der Börse zurück und bietet seinen Aktionären 88 Euro pro Aktie. So viel wert war das Papier an der Börse noch nie.

Das traditionsreiche Luxemburger Versicherungsunternehmen Foyer zieht sich vom Parkett zurück. Außerdem hat das Unternehmen beschlossen, ein Aktienrückkaufprogramm zu starten. Beides war bereits am letzten Freitag bekannt geworden. Am Dienstag nun fand die Jahreshauptversammlung des Unternehmens statt, und der neugewählte Präsident des Verwaltungsrats François Tesch und dessen Nachfolger als „administrateur délégué“ Marc Lauer traten mit den Details zur geplanten Operation vor die Presse.

Die Mehrheit des Kapitals von Foyer teilen sich zwei große Anteilseigner. Etwa 80 Prozent der Anteilsscheine gehören der Dachgesellschaft Foyer Finance. Sechs weitere Prozent liegen bei der Beteiligungsgesellschaft Luxempart. Der Rest, also etwa 14 Prozent, sind Streubesitz. Es sind also kleine Investoren, die einmal mehr, einmal weniger Aktien des Foyer gekauft haben.

Die beiden großen Anteilseigner, so berichtete François Tesch, hätten beide fest zugesagt, auch weiterhin Aktionäre zu bleiben. Lediglich die 14 Prozent Streubesitz sollen aufgekauft werden.

88 Euro pro Aktie

Diese Operation lässt Foyer sich etwas kosten. Den Aktionären bietet die Gesellschaft den stolzen Preis von 88 Euro pro Aktie, abzüglich der Dividende von knapp unter 2 Euro, die bei der Hauptversammlung am Dienstag genehmigt wurde und in den kommenden Tagen überwiesen werden soll. Der Preis wurde von mehreren Experten ausgerechnet und beurteilt. Dafür wurden etwa Vergleiche mit anderen Versicherungsunternehmen gezogen und interne Kennzahlen analysiert.

Die Aktionäre sind keineswegs verpflichtet, ihre Scheine abzutreten. Der Rückkauf geschieht auf freiwilliger Basis. Außerdem, so versicherte Tesch, habe Foyer nicht vor, einen sogenannten „Squeeze-out“ einzuleiten. Ein Squeeze-out ist möglich, wenn sich Aktionäre, die zusammen mindestens 95 Prozent der Aktien besitzen, zusammentun. Dann könnten sie eine Situation herbeiführen, in der die restlichen Aktionäre ihre Scheine an sie verkaufen müssten. Dieser Prozess ist durch ein Gesetz geregelt.

Geordneter Rückzug vom Parkett

Sowohl Tesch wie auch Lauer halten den gebotenen Preis für äußerst fair. Foyer ist im Jahr 2000 an die Börse gegangen. Seitdem hatte der Schein niemals den Preis von 88 Euro erreicht. „Jeder, der hier mitmacht, macht ein gutes Geschäft“, so Tesch. „Ab 2000 bis heute ist es der beste Preis, der jemals für eine Foyer-Aktie im Streubesitz geboten wurde. Vor der Ankündigung der Rückkaufaktion am Freitag wurde die Aktie für circa 74 Euro gehandelt.

Würden alle Kleinaktionäre dem Aufruf Folge leisten und ihre Aktien an die Firma zurückverkaufen, dann würde die Operation bei Foyer mit etwa 108 Millionen Euro zu Buche schlagen, wie die Tesch und Lauer vorrechneten.
Wie gesagt: Kein Aktionär wird gezwungen, seine Anteilsscheine abzutreten. Allerdings müssen sie sich darauf einstellen, dass der Handel mit den Scheinen schwieriger wird, wenn das Unternehmen erst einmal nicht mehr an den Börsen in Luxemburg und Brüssel gelistet ist.

Notierung = Kosten

Für ein Unternehmen bedeutet eine Notierung an der Börse Kosten. Es fallen etwa Gebühren an. Daneben wird einem gelisteten Unternehmen mehr Transparenz und mehr Information abverlangt. So entstünden durch eine Börsennotierung gut und gerne 300.000 Euro im Jahr, sagte Tesch. Diese Kosten seien unabhängig von der Größe des Unternehmens. Für ein vergleichbar kleines Unternehmen wie Foyer ist die Belastung also wesentlich höher als für andere Versicherer à la Allianz oder Axa.

Zudem wird die Aktie nicht viel gehandelt. Oft tagelang nicht. Ein kleines Geschäft kann dann zu hohen Kursschwankungen führen. Foyer sei 2000 an die Börse gegangen, um sich leichteren Zugang zu Kapital zu verschaffen, erzählten Tesch und Lauer. Wirklich benutzt haben sie diesen Zugang kaum. Die Notwendigkeit habe nicht bestanden.

Die Transparenz bleibt

Die Transparenz und die Informationen für Kunden und Investoren sollen jedoch nicht verschwinden. „Die gute Governance steckt in unseren Genen“, so Tesch. „Wir verlassen die Börse nicht, um das abzuschaffen. Ganz im Gegenteil.“ Für die Kunden und die Mitarbeiter bleibe die Operation ohne Folgen, versicherte Tesch.

2013 hatte Foyer 69,9 Millionen Euro verdient und den Gewinn damit um 13,8 Prozent gesteigert. Foyer beschäftigte Ende letzten Jahres 616 Menschen.