Die Angriffe auf die Informationssysteme vermehren sich, wobei sich die Kriminellen immer ausgefeilterer Tricks bedienen.
Es gibt unzählige Formen der Cyberkriminalität: Internetbetrug, Computerbetrug, Spionage, Kindesmissbrauch im Netz, Identitätsdiebstahl, falsche Lotterien, Verbreitung von Raubkopien, Cyber-Terrorismus, Volksverhetzung oder Beleidigung, Betrug mittels gestohlenen Kreditkarten, Erschwindeln oder Stehlen von Zugangsberechtigungen, Fälschung oder Verändern von Daten, Computersabotage, …
Laut Schätzungen der Internationalen Beobachtungsstelle für Cyberkriminalität versuchen derzeit mehr als 2.000 gefährliche Viren Computer anzugreifen. Jeden Tag werden über 70 neue Viren vom Typ «Botnet» entdeckt. Das größte «Botnet» hatte mehr als 140.000 PCs infiziert. Sinn und Zweck dieser speziellen Schadsoftware (Bots, von Roboter) ist die Vernetzung der befallenen Rechner zum einem sogenannten Botnet. Es ermöglicht Unberechtigten die Verteilung und Ausführung beliebiger Programme auf den infizierten Rechnern. Die Computer werden ohne das Wissen der Besitzer ferngesteuert. Der Schaden, der weltweit tagtäglich durch die Cyberkriminalität entsteht geht in die Millionen Euro.
Neue Richtlinie
Als Reaktion auf diese beunruhigende Entwicklung will die europäische Kommission ihre diesbezüglichen Regelungen von 2005 vervollständigen. Vergangene Woche legte sie einen Vorschlag für eine Richtlinie über den Umgang mit neuen Arten der Cyberkriminalität vor. Ausgearbeitet hat sie auch eine Verordnung, die eine Stärkung und Modernisierung der europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (Enisa) vorsieht. Die Enisa wurde 2004 ins Leben gerufen. Sie soll in Zukunft EU-Mitgliedstaaten und Akteure des Privatsektors in gemeinsame Sicherheitsübungen, Private-Public-Partnerschaften, Analysen, Sensibilisierungskampagnen usw. einbinden. Die Mittel der Enisa werden aufgestockt. Ihr Mandat wird um fünf Jahre verlängert.
Urheber von Cyberangriffen und die Hersteller von Schadsoftware sollen verfolgt und bestraft werden. Der Vorschlag sieht auch eine engere Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten vor. Die Interventionszeit bei Hilfegesuchen soll verkürzt werden. Unter anderem die polizeiliche und juristische Zusammenarbeit in Europa muss verstärkt werden, so die Kommission.
Luxemburg nicht verschont
Auch das Großherzogtum wird nicht von der Cyberkriminalität verschont. Laut der Abteilung „Neue Technologien“ der Kriminalpolizei wurden auch in Luxemburg bereits etliche Computer durch trojanische Pferde vom Typ „Botnet“ infiziert. Weltweit wird die Anzahl der PCs, die das Virus verbreiten auf mehrere Tausend geschätzt. Zuverlässige, zentrale Statistiken, was die Cyberkriminalität anbelangt, gibt es für Luxemburg leider nicht. Sie ist schwer zu erfassen, da sie stets neue Formen annimmt, so die Polizei.
Auch die Sicherheitskräfte bleiben von Hackern nicht verschont: 2006 wurde die Internetseite der Polizei geknackt. Im gleichen Jahr gelang es ein paar Jugendlichen, in den Server eines luxemburgischen Internet Service Providers einzudringen. Die Gefahr, die von Hackern und anderen Cyberkriminellen ausgeht, sei allgegenwärtig, so die zuständigen Stellen.
Cases
In Luxemburg befasst sich Cases mit Fragen der Internetsicherheit. Das Internetportal ist dem Wirtschaftsministerium unterstellt. Cases ist eine Initiative Luxemburgs, Deutschlands, der Schweiz und Belgiens. Sie gibt unter anderem Ausschluss über die Basistechnologien, Risiken im Internet sowie Gegenmaßnahmen.
Neben praktischen Ratschlägen werden auch Lösungen angeboten, welche die Sicherheit des Informationssystems gewährleisten können. Ein besonderes Augenmerk gilt den Kindern. Cases gibt den Eltern Tipps und organisiert jedes Jahr den „Lusi Day“, die Sicherheit beim Surfen im Mittelpunkt steht. Es werden ebenfalls Vorträge in den Schulen gehalten. Kinder können den Internetführerschein machen, und so, auf spielerische Weise, die Gefahren des „www“ entdecken und lernen sich davor zu schützen.
rh.
Zu Demaart
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