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Energiepässe in der Kritik

Energiepässe in der Kritik

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Die in Energiepässen angegebenen Verbrauchswerte für Häuser sind teilweise um mehr als das Doppelte zu hoch beziffert, schreibt die Uni Luxemburg. Der Fachmann der Universität spart dabei nicht mit Kritik an den Energiepass-Ausstellern.

Laut einer Untersuchung von Ingenieuren der Universität Luxemburg, deren Ergebnisse im Februar im Fachmagazin Bauphysik veröffentlich wurden, liegt der in Luxemburger Energiepässen angegebene Wert bei Einfamilienhäusern um bis zu 74 Prozent über dem tatsächlichen Verbrauch. Bei Mehrfamilienhäusern beträgt der Unterschied sogar bis zu 103 Prozent.

Gravierende Unterschiede

Seit 2009 müssen in Luxemburg laut EU-Richtlinien Energiepässe für Immobilien ausgestellt werden. Darüber hinaus schreibt das nationale Gesetz auch einen Nachtrag des realen Verbrauchs nach drei Jahren vor. Die deshalb angestellten Untersuchungen ergaben die genannten gravierenden Unterschiede.

Insgesamt wurden von den Ingenieuren der Universität Energiepässe von 125 Einfamilienhäusern und 105 Mehrfamilienhäusern mit 870 Wohnungen ausgewertet.

Als Grundlage für den tatsächlichen Verbrauch in den Pässen diente die innerhalb des Drei-Jahres-Zeitraums durchschnittlich gelieferte Brennstoffmenge – also Öl oder Gas; im Falle einer Energieversorgung über Wärmepumpe wurde auf Stromzählerdaten zurückgegriffen. Berechnet und verglichen werden konnte so die Endenergie – also die Energie, die wirklich vom jeweiligen Haushalt verbraucht wurde.

Laut Professor Dr. Ing. Stefan Maas von der Universität Luxemburg hat vor allem im Falle von Altbauten der reale Verbrauch deutlich unter den im Energiepass berechneten Werten gelegen. Je älter die untersuchten Gebäude waren, desto größer seien die Unterschiede gewesen, schreibt die Universität in ihrer Mitteilung über die Studie. Mehrere Gründe seien für diese Unterschiede verantwortlich. So baue die Berechnung der Energiepass-Werte in Luxemburg auf einer Methodik auf, die von einer Raumtemperatur von 20° C ausgehe, während die reale Durchschnittstemperatur in Altbauten tiefer liege, bei ganz schlechtem Isolierstandard teilweise sogar nur bei 17° C.

Kritik an den Experten

Ebenso verließen sich viele Energiepassaussteller bei anderen Eingabeparametern auf allgemeine Annahmen, die für Altbauten im Durchschnitt nicht zuträfen.

Stefan Maas will die Resultate nicht als Generalkritik am Energiepass verstanden wissen, sondern vielmehr als Beitrag auf dem Weg hin zu mehr Realitätsnähe: Weil in Luxemburg der tatsächliche Verbrauch nachgetragen werden müsse, gebe das nun die Möglichkeit, die Berechnungs-Methodik zu verbessern.

Besuche vor Ort

Die „Fédération des conseillers et certificateurs énergétiques“ hat sich in einer Pressemitteilung gegen die Anschuldigung gewehrt, dass die Experten Schuld an den gemessenen Differenzen trügen. Jedes Mitglied ihrer Vereinigung müsse den internen Verhaltenskodex respektieren. So würde kein Energiepass ausgestellt ohne Besuch vor Ort. Auch arbeite man daran, die Qualität der Arbeiten stets zu verbessern.

Die Vereinigung der Experten weist zudem darauf hin, dass der Energiepass kein Instrument sei, das den realen Energieverbrauch der Gebäude messen, sondern Vergleiche zwischen Gebäuden ermöglichen solle. Stefan Maas wies darauf hin, dass es ähnliche Unterschiede auch in anderen Ländern geben würde, wenn es dort eine Nachtragpflicht wie in Luxemburg gebe.

Es wäre wünschenswert, wenn andere Länder sich am Luxemburger Reality Check ein Beispiel nähmen. Schließlich seien Energiepässe europaweit als Beurteilungskriterium für Käufer und Mieter einer Immobilie sowie als Entscheidungsbasis für staatliche Zuschüsse gedacht.

Um diese Rolle zu erfüllen, müsse ein Energiepass verlässliche Informationen liefern.