Die Sterblichkeit unter den europäischen Bienenvölkern fällt je nach Land ganz unterschiedlich aus. Das geht aus einer Studie in siebzehn EU-Staaten hervor, die die EU-Kommission am Montag in Brüssel vorstellte. Luxemburg ist in der Studie nicht vertreten.
Im Winter 2012 war die Lage dramatisch. Damals starben in Schweden, Finland, Großbritannien, Belgien und Lettland über 20 Prozent der Bienenvölker. Am Ende des Winters 2012-2013 beklagten die Luxemburger Imker ebenfalls sehr hohe Verluste. Laut offiziellen Zahlen der Veterinärverwaltung lag die Sterberate bei 30 Prozent. In Frankreich, Deutschland, Portugal, Dänemark und Polen wurden die Verluste auf 10 bis 20 Prozent geschätzt. Wildlebende Bienen erlitten der EU-Kommission zufolge größere Verluste als domestizierte Völker. Besser ging es den Bienen in Süd- und Osteuropa.
EU-Kommissar ist dennoch zuversichtlich
Jetzt geht es aber wieder langsam bergauf. «Die begrenzte Wintersterblichkeit in einigen wichtigen Imkerei-Ländern, die einen großen Anteil der EU-Bienenpopulation ausmachen, ist ermutigend», sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg bei einer Konferenz zu dem Thema. «Einige Mitgliedsstaaten mit einer vergleichsweise kleinen Bienenbevölkerung zeigen allerdings eine hohe Wintersterblichkeit.» Milben, Krankheiten, der Verlust der Biodiversität oder Pflanzenschutzmittel setzen den Tieren zu. Laut Luxemburger Veterinäramt ist ein wichtiger Faktor für das Bienensterben die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe. Sie soll für mehr als ein Drittel der Verluste verantwortlich zeichnen.
In diesem Jahr sei aber der Vormarsch der Milbe gestoppt worden, sodass man hierzulande optimistisch in die neue Saison geht, zumal die allgemeinen Bedingungen (u.a. das Wetter) dieses Jahr besser waren. So werden sich in diesem Winter Verluste von nur 5 bis 10 Prozent des Bestandes erwartet. «Wenn das Wetter weiter mitspielt wird es ein gutes Jahr», so Georges Gidt, Vorstandsmitglied des Luxemburger Imkerverbandes zu Tageblatt.lu.
Das Screening geht weiter
Für die EU-Studie untersuchten die Autoren knapp 32 000 Bienenvölker zwischen Herbst 2012 und Sommer 2013. Eine weitere Untersuchung ist derzeit im Gange, um die Entwicklung des Bienensterbens in diesem Winter zu analysieren. Allgemein wird sich aber eine Verbesserung der Lage erwartet.
Dabei hatten frühere Untersuchungen auf einen schlechten Zustand der Bienenvölker hingedeutet, allerdings mangelte es nach Angaben der Kommission an verlässlichen Daten. Bienen spielen eine wichtige Rolle, weil sie Pflanzen bestäuben und so zu deren Vermehrung beitragen.
Der Kampf ist noch nicht vorbei
Die EU investiert jährlich etwa 33,1 Millionen Euro in den Schutz der wichtigen Insekten. Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen von effizienter Medizin, beklagen die Züchter. Während bei Hausschweinen 426 und bei Hunden sogar 592 diverse Medikamente verabreicht werden können, seien es bei den Bienen gerade mal drei, heißt es in der Studie.
In Luxemburg wurde angesichts der hohen Bienen-Sterblichkeit 2011 das Forschungsprojekt „BeeFirst» ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es, den Einfluss der Landwirtschaft und der Imker-Praktiken im Hinblick auf die Gesundheit der Bienen zu untersuchen.
Wirtschaftsfaktor
Bienen sind nicht nur für die Umwelt wichtig, sondern auch ein bedeutender wirtschaftlicher Bereich. So wird geschätzt, dass die Bienenzüchtung und die Honigproduktion jedes Jahr etwa 22 Milliarden Euro zur landwirtschaftlichen Produktion in der EU beitragen.
In der EU gibt es etwa 630.000 Bienenzüchter. Man schätzt die Zahl der Bienenstöcke auf ungefähr 16 Millionen. Die Honigproduktion liegt in der EU bei 234 Tonnen pro Jahr. Jedes Jahr werden aber auch 165,5 Tonnen importiert. In Luxemburg gab es 1965 noch 1.400 Imker. Die Zahl sank dann auf 291 im letzten Jahr. Im Februar schrieben sich aber 50 Personen in die Imkerkurse ein, sodass erwartet wird, dass die Zahl der Züchter wieder steigt.
Die Zahl der Bienenstöcke ihrerseits sank von 14.000 (November 1965) auf 3.510 im April 2013. Es wird sich aber ein Aufschwung erwartet. Die Honigproduktion ist laut Jean-Paul Beck, dem Vorsitzenden des nationalen Imkerverbandes, großen Variationen unterworfen. Die durchschnittliche jährliche Produktionsmenge liegt in Luxemburg laut Imkerverband bei ungefähr 100.000 Kilogramm. Die Anmeldung der Bienenvölker kann noch bis Ende April erfolgen.
«Bienenflüsterer» gesucht
Große Hoffnungen setzt der Präsident des Imkerverbandes, Jean-Paul Beck in die Rekrutierung eines hauptberuflichen Bienenberaters. Das Landwirtschaftsministerium habe schon seine Einwilligung zur Schaffung des Postens gegeben. Man sei jetzt dabei, den Posten auszuschreiben, so Beck. Der Experte soll den Imker mit Rat und Tat zur Seite stehen und so helfen, das Interesse an der Imkerei und die Motivation aufrecht zu erhalten.
Informationen über die Imkerei findet man unter www.apis.lu
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