Die Luxemburger Wirtschaft wächst. Für kommendes Jahr wird ebenfalls mit positiven Zahlen (1,9 Prozent Wachstum) gerechnet. Das wäre ein weniger starker Zuwachs als in diesem Jahr (drei Prozent).
Nicht hilfreich für die Luxemburger Konjunktur ist dabei die Entwicklung in der Eurozone. Während die US-Wirtschaft bereits sieben Prozent über ihrer Vorkrisenwirtschaftsleistung liege, hänge die Eurozone weiterhin mit 2,5 Prozent unter ihrem damaligen Niveau, so Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, am Montag vor Journalisten. Die Handelskammer hat aber Hoffnung: „Während die Eurozone 2014 eine Breme für die globale Konjunktur war, hoffen wir, dass es 2015 besser wird.“
„BIP pro Kopf“ schrumpft
Daneben unterstrich die Handelskammer, dass die Luxemburger Zahlen eigentlich schlechter seien, als das Wachstum erahnen lässt. Denn: Die Wirtschaft sei zwar gewachsen – die Bevölkerung aber auch. Das Resultat: Seit 2011 ist sowohl das „BIP pro Kopf“ als auch das „RNB pro Einwohner“ geschrumpft. Diesen Zahlen nach liege auch Luxemburg weiter unter dem Vorkrisenniveau, so Marc Wagener von der Handelskammer. Die Menschen sind in den letzten Jahren also nicht reicher geworden, obwohl die Wirtschaft wuchs.
Auch bei der Arbeitslosigkeit sehe es in Luxemburg nicht rosig aus. Innerhalb von 20 Jahren habe sie sich verdreifacht – und das obwohl sich die Zahl der Arbeitsstellen verdoppelt hat. In diesem Zusammenhang wurde gestern daran erinnert, dass in Luxemburg pro Jahr erst 10.000 neue Jobs (oder drei Prozent Jobwachstum) verbucht werden müssen, ehe die hiesige Arbeitslosenquote zu sinken beginnt.
Gewinnmarge sinkt
Das „potenzielle Wachstum“ des Landes hat sich verlangsamt, so Carlo Thelen weiter. Während die Wirtschaft zwischen 2002 und 2008 noch um 3,6 Prozent durchschnittlich wuchs, betrug der Zuwachs in den Folgejahren im Schnitt nur noch 0,8 Prozent. Des Weiteren sei auch die Gewinnmarge der Betriebe stark rückläufig: Allein in der Industrie handle es sich um ein Minus von 22 Prozent.
„Das ist nicht gesund“, fasst Carlo Thelen die aktuelle Lage zusammen. Luxemburg werde 2015 somit zwar schneller wachsen als die Eurozone, „aber nicht schnell genug, um unser Sozialsystem zu finanzieren“.
Für die Lage bei Luxemburgs wichtigstem Handelspartner, Deutschland, bleibt man auf dem Kirchberg optimistisch. „Wir glauben an einen momentanen Durchhänger“, man hoffe aber auf das angekündigte Investitionsprojekt der Bundesregierung, von dem auch Nachbarregionen profitieren könnten.
Entwicklung in den USA stimmt optimistisch
Mit Optimismus wird auch in Richtung USA geschaut, wo für kommendes Jahr mit einem Anziehen der Verbraucherausgaben gerechnet wird. Das Abschließen von Handelsabkommen sei in „unserem Interesse“, schlussfolgert die Handelskammer.
Pessimistischer ist die Handelskammer, wenn sie in Richtung Frankreich schaut: Vier Jahre hintereinander habe das Wachstum weniger als ein Prozent betragen. Zudem seien die Steuern erhöht worden – mit dem Resultat, dass die Steuereinnahmen geschrumpft seien. „Das ist eine wichtige Lehre für uns“, so Thelen. Er wünscht sich mittelfristig einen geringeren Steuersatz für die Luxemburger Betriebe. Das werde die Attraktivität des Standortes fördern.
Aus dem fernen Japan rechnet die Handelskammer ebenfalls nicht mit positiven Impulsen für die Konjunktur: „Die drei Pfeile (von Abenomics) haben ihre Ziele verfehlt“, so Thelen.
Mehrere Möglichkeiten
Nun sieht die Handelskammer zwei mögliche Wege, um künftig wieder mehr Wachstum in Luxemburg zu erwirtschaften. Der erste: Warten und hoffen, dass die internationale Konjunktur wieder anzieht, oder, zweitens, strukturelle Reformen anzugehen.
Da der erste Weg der Handelskammer zu unsicher scheint, setzt sie lieber auf die zweite Option. Gearbeitet werden müsste an den Kosten der Unternehmen, an einer Flexibilisierung der Regelwerke, an einer Reform der Ausbildung und der Weiterbildung, an mehr Handelsabkommen, und an einer weiteren Diversifizierung der Wirtschaft. Hoffnungen hegt die Kammer für die Bereiche IT, Logistik, Öko- und Biotechnologie, sowie für den Tourismus.
Zu Demaart
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