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Die Spur Kramer

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LUXEMBURG - Das Gericht setzte am Donnerstag die Anhörungsserie von Experten zur Bommeleeër-Affäre fort. Laut Expertin gibt es keine eindeutige DNA-Spur für eine Mittäterschaft des ehemaligen BND-Agenten Kramer.

«Mein Vater war ein Terrorist». Mit diesen Worten hatte der Deutsche Andreas Kramer am 9. April 2013 im Bommeleeër-Prozess für eine Überraschung gesorgt. Sein Vater, Johannes, sei Agent des deutschen Bundesnachrichtendienstes BND gewesen und soll Anschläge auf die Strommasten der Cegedel in den Jahren 1984-1985 geplant haben.

Im Zeugenstand wartete Kramer mit bis dato unbekannte Informationen auf. So seien an den Bombenanschlägen in Luxemburg 40 Personen beteiligt gewesen, darunter zehn Luxemburger. Die Anschläge seien von Stay-Behind-Einheiten verübt worden. Sein Vater habe Verbindungen zu dieser Nato-Geheimarmee und zum Srel gehabt.

Am Donnerstag sollte eine DNA-Expertin die Ergebnisse von DNA-Analysen vorlegen. Wurden Spuren von Johannes Kramer an den Tatorten oder an Gegenständen, die im Zusammenhang mit den Attentaten stehen, festgestellt? Antworten dazu von Dr. Elizabet Petkovski. Sie gab dem Gericht Auskunft über die DNA von Andreas Kramer. Sie prüfte insbesondere, ob es DNA-Spuren von Andreas Kramers Vater auf den Erpresserbriefen und Briefmarken der Bommeleeër gab.

Keine eindeutige Spur

Laut Petkovski wurden auf einem Schriftstück mögliche DNA-Spuren gefunden. Sie reichten aber nicht als möglicher Beweis. «Wir bräuchten einen DNA-Test von Kramers Vater, Johannes, oder der Mutter, um Klarheit zu haben», so Petkovski. Johannes Kramer starb 2012. Petkovskis Fazit: Es gibt keine klare Spur.

Auch Kramers Mutter ist tot. Der DNA-Expertin fehlen nach eigenen Aussagen Vergleichsproben, um konkrete Rückschlüsse zu ziehen. Andreas Kramer zufolge habe sein Vater alle Erpresserbriefe formuliert. Laut DNA-Expertin sei das bei einem Brief wohl möglich, bei drei jedoch nicht. Bei den restlichen wurden Mischspuren gefunden. Hier wären weitere Untersuchungen notwendig. Anwalt Gaston Vogel will klarheit. Er setzte einen Antrag auf Exhumierung auf.

Ein weiterer DNA-Experte soll in den Zeugenstand

Mit den Ausführungen der DNA-Expertin gab sich die Verteidigung nicht ganz zufrieden. So forderte Anwältin Lydie Lorang, erneut den DNA-Experten Dr. Klaus Bender im Zeugenstand hören. Er hatte bereits am Montag ausgesagt.

Als zweiter Experte an diesem Verhandlungstag wurde Michel Montoisy in den Zeugenstand gerufen. Er ist Sprengstofffachmann. Die Attentäter hatten in den 1980er Jahren 430 Kilogramm Sprengstoff Luxite entwendet. Die Attentäter hatten keinen speziellen Sprengstoff im Auge. Sie benutzten das, was sie stehlen konnte, so Montoisy, der das Gericht über die verschiedenen Sprengstoffarten aufklärte. Zum Einsatz kam Sprengstoff, der im zivilen Bereich benutzt wird.

Die Frage ob der Sprengstoff noch heute einsatzfähig wäre, bejaht Montoisy. Theoretisch sei das noch möglich.

Die Befragung des Sprengstoffexperten war von kurzer Dauer. Nach einer knappen Stunde war der Prozesstag am Donnerstag beendet. Am Montag tritt der Chef der Kriminalpolizei Patrice Solagna in den Zeugenstand.

Staatsanwalt will Zugang zu versiegeltem SREL-Archiv

Den Prozesstag hatte Staatsanwalt Georges Oswald eröffnet. Er hatte von Richterin Sylvie Conter Zugang zum SREL-Archiv im Senninger Schloss gefordert. Das Archiv war von der Justiz versiegelt worden. Oswalt zufolge würden sich dort für den Prozess wichtige Unterlagen befinden.