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Die Ermittlungen um Prinz Jean

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Am Dienstag hörte sich das Gericht die Ergebnisse der Ermittlungen gegen den Prinzen an. Sein Name war immer wieder in der Affäre genannt worden. Die Ermittlungen blieben ergebnislos.

Volles Haus im Gerichts- und Übertragungsgebäude in der Cité judiciaire. Zahlreiche Schaulustige hofften am Dienstag auf spannende Details aus den polizeilichen Ermittlungen gegen Prinz Jean in den 1980er Jahren. Ihre Neugierde konnte nur teilweise befriedigt werden.

Der Name des Prinzen war immer wieder im Zusammenhang mit der Anschlagsserie in Verbindung gebracht. Auch die Erklärung der Staatsanwaltschaft vor einigen Jahren, der Prinz sei zum Zeitpunkt des Anschlags auf Findel, bei dem er von einem Zeugen angeblich erkannt wurde, auf einer Jagd im Ausland gewesen, konnte nichts an den Verdächtigungen ändern. Prinz Jean ist einer der zahlreichen Zeugen, die am ersten Prozesstag im Gerichtsgebäude vorstellig waren.

Auf den Prinzentitel verzichtet

Am Dienstag ging Ermittler Weiss auf die Ermittlungen um Prinz Jean ein. Dieser hatte am 26. September 1986, ein halbes Jahr nach Ende der Attentatsserie, den Titel niedergelegt und auf die Thronansprüche verzichtet. Als Kompensation wurden ihm 70 Millionen LUF aus der großherzoglichen Schatulle überwiesen. Als Grund für die Abdankung wurde am Dienstag eine Affäre des Prinzen mit einer schwangeren Frau in Paris genannt.

Seit Mitte 1985 kursierten Gerüchte über mögliche Verbindungen zwischen den Attentaten und Prinz Jean. Er selbst will erst im November 2005 von den Gerüchten gegen seine Person erfahren haben, sagte am Dienstag Ermittler Weiss. Jeans Bruder, Großherzog Henri, habe ihn telefonisch in Kenntnis gesetzt. Die Ermittlungen in Richtung Prinz Jean wurden laut Weiss erst 1990 aufgenommen.

Prinz Jean kennt Ben Geiben nicht

Bei einem Verhör im Jahr 2005 dementierte Prinz Jean, die verdächtigen Personen Albert Colbert und Ben Geiben zu kennen. Auch besitze er keine Suzuki-Jeep. Ein derartiger Wagen war an einem der Attentsorte gesichtet worden. Es handelte sich dabei um die Sprengung der Flugleitanlage auf Findel am 9. November 1985. Im selben Jahr 2005 sprach ein Zeuge, der Prinz Jean an dem Tatort gesehen haben wollte, mit Premierminister Jean-Claude Juncker, dem er seine Beobachtungen anvertraute. Juncker hatte damals die Information an die Justiz weitergeleitet.

Für die Presse gehörten in den 1990er Jahren Prinz Jean, Ben Geiben, Antoine Feidt und Albert Colbert zu den Hauptverdächtigen in der Affäre. Diese Mutmassungen konnten jedoch nicht bestätigt werden, so Weiss. Hinzukommt, dass der Zeuge Eugène Beffort, der den Prinzen am Tatort erkannt haben will, widersprüchliche Angaben machte, etwa zur Farbe des gesehenen Fahrzeugs. Eine Verbindung zum großherzoglichen Hof konnte in dieser Frage nicht hergestellt werden. Vier mögliche Fahrzeughalter hätten sich damals nicht auf Findel aufgehalten.

Für nahezu alle Attentate konnte der Prinz ein Alibi vorlegen, nur für die Attentate auf Verlorenkost und in Itzig nicht. Für Me Vogel weist insbesondere ein Alibi erhebliche Lücken auf. Am Tag des Attentats auf Findel soll sich Prinz Jean auf einer Jagd südlich von Paris aufgehalten haben. Das Alibi lieferte u.a. Louis Giscard d’Estaing. Demnach soll Prinz Jean am 8./9. November 1985 in Paris gewesen sein, seine Ex-Lebenspartnerin sagt jedoch, er sei am 10. November in Paris gewesen. Was denn nun? Giscard und die Ex-Ehefrau von Prinz Jean sollten vor Gericht gehört werden, forderte Me Vogel. Zustimmung bei Richterin Sylvie Conter.

Ex-BMG-Mitglied fühlt sich in seiner Ehre verletzt

Zur Sprache gekommen waren gleich zu Beginn des 14. Prozesstages auch die Aussagen eines ehemaligen BMG-Mitglieds auf Tageblatt.lu. André Steffen fühlt sich seitens des Ermittlers Carlo Klein vor Gericht am Montag zu unrecht in ein schlechtes Licht gerückt. Dem Vernehmen nach war Steffen bei seinen Polizeikollegen äußerst beliebt, galt jedoch als übermotiviert. Das störte. Steffen erhebt seinerseits schwerwiegende Vorwürfe gegen Klein, der während drei Wochen als Zeuge zu den Ermittlungen in der Affäre gehört wurde.

Der Verteidiger Me Gaston Vogel forderte vor Gericht, Ermittlungen in diese Richtung. Antworten erwartet sich Richterin Sylvie Conter auch von der Staatsanwaltschaft.

Auf die Beschuldigungen von Steffen angesprochen, sprach Klein von alten Verschwörungstheorien.

Am Mittwoch sollen Fallanalysen des Bundeskriminalamtes unter die Lupe genommen werden.

(fo/lmo/Tageblatt.lu)