Charles Hamen ist noch im Polizeidienst. Er war beim Anschlag auf dem EG-Gipfel 1985 junger Gendarm und Mitglied in der Ermittlergruppe GOR. Am Mittwoch sagte er vor Gericht aus. Aber wie bei anderen Zeugen ist seine Erinnerung an die damalige Zeit lückenhaft. Hamen sagte, er habe kaum oder keinen Kontakt zu den Ermittlern und Untersuchungsrichtern gehabt. Er habe auch nicht eng mit dem Ermittlern zusammen gearbeitet. Hamen gab aber zu, dass die Recherchen damals schlampig durchgeführt wurden. Über eine Insiderspur weiß der Zeuge nichts. Auch über einen internen Krieg zwischen Ermittlern und Gendarmerie-Direktor Harpes oder das Amtshilfeersuchen in Brüssel, im Zusammenhang mit der Observation des damaligen Verdächtigen Ben Geiben, kann Charles Hamen keine Auskunft geben.
Für Erstaunen sorgt bei Gericht die Streichung der Piste «milieu militariste» aus den Ermittlungen durch den damaligen Gendarmeriechef Harpes. Warum wurde nicht nachgekakt, will das Gericht wissen? Achselzucken beim Zeugen.
Mein Name ist Hase …
Hamen hat auch keine Erklärung, warum die Phantombilder nach dem Anschlag auf die Kasematten nie an die Öffentlichkeit gelangten. Er hat auch keine Antwort auf die Frage von Anwalt Gaston Vogel, warum in den Akten der Sûreté nichts über die vier Verdächtigen zu finden sei, die nach dem Anschlag auf die Kasematten gesehen wurden.
Erinnerungslücke bei Hamen auch über den «weißen Wagen», der beim Anschlag auf dem Kirchberg am 2. Dezember 1985 gesehen worden sein soll. Hamen erklärt immer wieder, dass es noch Unterlagen (Tätigkeitsberichte) über die Ereignisse und Beobachtungen geben müsste.
Unstimmigkeiten
Charles Bourg, ein weiterer hochrangiger Gendarmerie-Offizier, erklärte dann vor Gericht, wie der Einsatz nach der Detonation auf dem Kirchberg koordiniert wurde. Aber schon am Anfang seiner Aussage gibt es Unstimmigkeiten. Bourg widerspricht nämlich der Aussage von Patrice Solagna vom Dienstag, der angegeben hatte Bourg sei nicht in der Einsatzzentrale gewesen. Aber auch Charles Bourg Bourg kann sich an keinen verdächtigen weißen Wagen erinnern. Der Zeuge schiebt die Verantwortung auf seinen damaligen Kollegen Marc Zovilé. Er sollte die Arbeiten draußen koordinieren.
Einen Bericht über die Vorgehensweise der Gendarmerie gibt es anscheinend nicht. Und auch die Erinnerung Bourgs an die Ereignisse scheinen verloren gegangen zu sein. Er weicht den Fragen aus. Die Entscheidung über eine Evakuierung des Gebäudes, wo der EG-Gipfel stattfand, hätte müssen auf Ministebene und nicht von der Gendarmerie getroffen werden. Über die Kommunikation zwischen Sicherheitspersonal und Gipfel-Teilnehmern habe er keine Informationen. Auch der Verbleib von etlichen Berichten ist unklar.
Der sichtlich nervöse Zeuge wird von der Richterin, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung in die Mangel genommen. Er müsse doch was wissen als Verantwortlicher für die Sicherheit auf dem Gipfel. Schließlich sei eine Bombe explodiert.
Ein Zeuge aus dem Publikum
Plötzlich meldet sich im Zuschauerraum ein Zeuge. Ein Ex-Polizist namens Franzen will Details zu dem EG-Gipfel liefern. Er wird unter Eid gesetzt. Er sagt aus, dass die deutsche Polizei sich auf eine Evakuierung der Gebäude vorbereitete. Zovilé war der einzige Offizier am Tatort außerhalb des Gebäudes. Er musste alles koordinieren.
Später wurde in Kreisen der Unteroffiziere gesprochen, dass Leute von der Sûreté einen verdächtigen Wagen gestoppt hätten. Es sei aber nur ein Gerücht gewesen. Franzen will gesehen haben, wie ein Wagen vom Tatort kurz nach dem Attentat wegfuhr. Ob er aber etwas mit dem Anschlag zu tun hatte wisse er nicht. Franzen war auch an anderen Tatorten im Einsatz. Er absolvierte auch Überwachungsfahrten.
Zu Demaart
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