Die Meldungen über Drogentote, die an einer Überdosis sterben, werden oft mit einem «selber schuld» abgetan. Forscher der Uni Luxemburg konnten jetzt nachweisen, dass Drogensüchtige, die wenig erfolgreich in Schule und Beruf sind, ein höheres Risiko tragen, zur Überdosis zu greifen und daran zu sterben.
«Bei Opfern von Überdosen ist es doppelt so wahrscheinlich, an einem Abschluss einer weiterführenden Schule gescheitert zu sein und anderthalb mal so wahrscheinlich, arbeitslos gewesen zu sein, als bei noch lebenden Drogenkonsumenten», so Alain Origer, nationaler Drogenkoordinator Luxemburgs und führender Forscher bei dieser Studie.
Auch der Schwarze Peter, der bei einer Drogensucht den Eltern zugeschoben wird, kann so pauschal nicht mehr verteilt werden. Die Forscher um Origer stellten fest, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem beruflichen Status der Eltern und dem Überdosis-Tod ihres Kindes gibt. «Man kann spekulieren, dass sich sozioökonomische Nachteile eher auf das alltägliche Leben des Einzelnen auswirken, als dass sie durch die Erziehung bestimmt sind.»
Mission Leben retten
Für ihre Vergleichsstudie nahmen die Forscher der Uni Luxemburg die Fälle von 1.300 «Junkies» zwischen 1994 und 2011 unter die Lupe. Darunter waren 272 Todesfälle durch eine Überdosis. Zum Vergleich dienten ähnliche Fälle von 1056 Drogensüchtigen aus demselben Zeitraum. Die Forscher sprechen dabei von «Problemdrogenkonsum». Dieser bezieht sich auf die Einnahme von Heroin und Kokain.
Um junge Menschen mit Schwierigkeiten in der Schule und im Berufsleben unter die Arme zu greifen, ist es notwendig, Vorsorge zu betreiben, betont Alain Origer: «Bildungsprogramme, Berufsausbildung und berufliche Wiedereingliederung können zur Reduzierung drogenbedingter (Sterblichkeit) beitragen.» Werden solche Mittel in «Lebenshilfeprogramme» eingebunden, können Fälle von Gefährdeten früher erkannt und Leben gerettet werden, ist sich Origer sicher.
Zu Demaart
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