Wenn die Schüler der Sekundarstufe den Staat durchschnittlich 14.118 Euro jährlich pro Kopf kosten, aber dennoch eine hohe Durchfallquote, eine mangelnde Inklusion von ausländischen Schülern und ein bestenfalls mittelmäßiges Abschneiden bei PISA-Tests vorherrscht, dann muss man von einer deutlichen Ineffizienz sprechen. Dieses Fazit zieht die Handelskammer bezüglich der Sekundarstufe in Luxemburg.
39.585 Schüler in der Sekundarstufe
Die öffentliche Sekundarstufe zählte im Schuljahr 2012-2013 39.585 Schüler. Hiervon nutzen 12.958 die «Education secondaire classique» und 26.627 die «Education secondaire technique». 14.350 Schüler der Sekundarstufe sind Ausländer.
Hiervon zählen 2.587 zum „Enseignement secondaire classique“ und 11.763 zum «Enseignement secondaire technique».
Carlo Thelen, Direktor der Handelskammer, stellte am Montag eine Analyse des Kosten-Nutzen-Verhältnisses in der Sekundarstufe vor. Angesichts der besonderen soziokulturellen und vor allem linguistischen Herausforderungen der luxemburgischen Gesellschaft konstatiert die Handelskammer «eine deutliche Ineffizienz». Obwohl der Staat im Jahr 2011 1,4 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. über 580 Millionen Euro für die öffentliche Sekundarstufe ausgegeben hat, seien zahlreiche Unzulänglichkeiten vorhanden: eine mangelnde Inklusion ausländischer Schüler (44 Prozent der Schüler im «Enseignement secondaire technique» (EST) sind Ausländer, wobei nur 20 Prozent der Schüler im «Enseignement secondaire classique» (ESC) Ausländer sind), eine hohe Durchfallquote (36 Prozent aller Schüler fallen in der Sekundarstufe mindestens einmal durch), eine zu frühe Orientierung der Schüler (mehr als 2/3 aller Schüler sind im EST) sowie ein unbefriedigendes Abschneiden bei PISA-Tests (2012 lag man sowohl in der mathematischen als auch in der naturwissenschaftlichen und in der Lesekompetenz unter dem OECD-Durchschnitt). Um diese Herausforderungen zu stemmen, begrüßt die Handelskammer den Entschluss der Regierung, das Schulgesetz von 1968 endlich zu reformieren und schlägt eine Reihe von Reformen vor.
«Von Champions League bis Mittelfeld»
Weil mehr als 1/3 aller Sekundarschüler Ausländer sind, wobei sogar nahezu 50 Prozent der Schüler zu Hause kein Luxemburgisch sprechen, sei eine bessere Inklusion von ausländischen Schülern unabdingbar. Hierzu sollte die Sprachförderung allerdings überarbeitet werden. So sollten verschiedene Kurse in Deutsch oder Französisch angeboten und eine individualisierte Förderung in Betracht gezogen werden, damit ausländische Schüler im ESC nicht mehr zu einer deutlichen Minderheit gehören und so letztlich die Möglichkeit zu einem sozialen Aufstieg erhalten. Um die hohe Durchfallquote zu bekämpfen, fordert die Handelskammer, die Schüler später zu orientieren. Auch ein Pilotprojekt bezüglich der Einführung einer sogenannten Gesamtschule in der EST und ESC vereint sind, wird in Betracht gezogen. Um für einen besseren Übergang von der Schule hin zum Berufsleben zu sorgen, schlägt die Handelskammer eine engere Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Unternehmen vor.
So soll es unter anderem mehr Praktika und ein Team Teaching von Lehrern und Unternehmern geben. Auch die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre wird als Denkanstoß gegeben, um Geld zu sparen. Der Direktor der finanziellen Angelegenheiten der Handelskammer, Marc Wagener, spricht resümierend davon, dass man mit den vorgeschlagenen Reformen im Idealfall die Qualität der Sekundarschule verbessern und die Kosten senken kann, damit die Zeiten, in denen «die Ausgaben Champions-League-Niveau haben und die Resultate bestenfalls Mittelmaß sind, ein Ende nehmen».
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