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Den Freitod aussterben lassen

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LUXEMBURG - Jedes Jahr setzen Dutzende Menschen in Luxemburg ihrem Leben ein Ende. Ein Maßnahmen-Katalog soll der steigenden Zahl der Suizide ein Ende machen. Am Dienstag war der Suizid Thema im Parlament.

Am Dienstag fand im Parlament eine Konsultationsdebatte über die Suizid-Prävention statt. Xavier Bettel (DP) hatte in seiner Rede zur Lage der Nation Anfang April die Selbstmordprävention zur Chefsache erklärt. Er wolle durch gezielte Maßnahmen die Zahl der Selbstmorde reduzieren, sagte Bettel damals. Der Gesetzentwurf soll noch vor Sommerbeginn im Parlament eingereicht werden. Darin sind unter anderem eine schnellere Betreuung der Suizidgefährdeten, eine bessere Ausbildung für die Betreuer und eine Optimisierung der Hilfe vorgesehen. Bei der Ausarbeitung der nationalen Anti-Selbstmord-Strategie hätten alle betroffenen Akteure mitgeholfen, betonte Gesundheitsministerin Lydia Mutsch am Dienstag. 77 Experten arbeiteten an der Ausarbeitung des Plans. Das Budget für die Selbstmord-Vorbeugung wurde aufgestockt.

In den Jahren 1999 bis 2012 setzten laut Statec 912 Menschen in Luxemburg ihrem Leben ein Ende. Gefährdet sind Personen jeden Alters. Die meisten Selbstmorde werden von Männern verübt. Auf einen Selbstmord kommen laut Experten 10 bis 20 Suizidversuche. Alle vier Tage nimmt in Luxemburg sich ein Mensch das Leben.

9,5 Selbstmorde pro 100.000 Einwohner

Luxemburg liegt mit 9,5 Selbstmorde pro 100.000 Einwohner etwas unter dem EU-Durchschnitt. «Ein schwacher Trost», wurde am Dienstag im Parlament bedauert. Die nationalen Statistiken über die Suizide seien nicht sehr aussagekräftig, weil ein paar Fälle mehr oder weniger sofort die Rate in die Höhe schnellen lasse oder drastisch reduziere, wurde am Dienstag bemerkt.

Sorgen bereitet dem Parlament die hohe Selbstmordrate bei Jugendlichen und älteren Menschen. Laut internationalen Erhebungen hegen über 17 Prozent der jungen Leute Selbstmordgedanken. Da seien das Schulpersonal und das Pflegepersonal der Senioren gefordert, so die Parlamentarier.

Die Arbeit als Auslöser

Stress sei ein großer Faktor, der zu psychischen Problemen und in Extremfällen zum Suizid führen kann, hieß es im Parlament. Einer TNS-Ilres-Studie zufolge denken 10 Prozent der Arbeitnehmer an Selbstmord, sechs Prozent haben konkrete Selbstmordpläne geschmiedet und drei Prozent unternehmen schlussendlich einen Suizidversuch, erklärte die Gesundheitsministerin. Daher wurden am Dienstag Forderungen nach einer Reform der Arbeitsmedizin laut.

Alle Redner waren sich einig, dass der Suizid kein Tabu-Thema mehr sein darf. Es sei vielmehr ein Zeichen, dass in unserer schnelllebigen, auf Leistung getrimmten Welt das Glück des Einzelnen nicht mehr zählt. Die Ursachen, die zum Freitod führen sind vielfältig: Drogen, familiäre Probleme, berufliche Probleme, Beziehungsprobleme, Mobbing, eine Behinderung, Existenzängste, traumatische Erlebnisse. Isolation …

Die meisten Selbstmorde hätten psychische Ursachen, wurde am Dienstag betont. Da müsse man den Hebel ansetzen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen. In diesem Zusammenhang sei die psychologische Betreuung der betroffenen Personen und ihres Umfeldes wichtig. Aber auch die Solidarität der Mitmenschen sei bei der Vorbeugung wichtig. Sie erlaube es, die Vorzeichen eines Suizids rechtzeitig zu erkennen.

Begrüsst wurde allgemein das vom «Centre d’information et de prévention» im letzten Jahr ins Leben gerufene Webportal www.prevention-suicide.lu. Die Hilfsdienste und Notrufe müssten aber besser strukturiert und vor allem bekannter werden. Schließlich wünscht sich das Parlament eine bessere Koordinierung zwischen den verschiedenen Anlaufstellen. Ziel müsse eine Hilfe sein, die 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag erhältlich sei.