Ende September hatte die Cargolux-Direktion den alten Kollektivertrag für die Beschäftigten gekündigt und einen Neuanfang gefordert. Davon rückt die Direktion auch nach dem angekündigten Ausscheiden von Qatar Airways aus dem Aktionariat nicht ab. Insbesondere die Lohnkosten sollen bei der in finanziellen Nöten steckenden Frachtfluggesellschaft reduziert werden. Die Rede ist von 25 Millionen Euro, die jährlich einzusparen sind. Das sind knapp 15 Prozent der Lohnmasse. Dies soll hauptsächlich durch Produktivitätssteigerung erzielt werden. Die Personalkosten sollen nicht stärker als die jährliche Inflationsrate steigen.
Der Forderungskatalog der Direktion, der uns vorliegt, sieht Einschnitte sowohl beim Boden- als auch beim Flugpersonal vor. Zu einem Arbeitsplatzabbau soll es hingegen nicht kommen. Die ursprünglichen Empfehlungen der Beraterfirma Oliver Wyman hatten den Abbau von 120 Stellen vorgesehen. Davon ist die Direktion abgerückt. Der Wartungsbereich wird nicht mehr ausgelagert, soll jedoch restrukturiert werden.
Flexiblere Arbeitszeiten
Die Arbeitszeit für das Bodenpersonal soll flexibler gestaltet werden, etwa durch die Einführung einer Jahresreferenzperiode. Arbeitstage können dann zwischen vier und zehn Stunden dauern. Der Jahresurlaub soll auf das gesetzliche Minimum zurückgeführt, ausserlegale Ruhetage wie etwa der Fastnachtmontag oder Allerseelen sollen gestrichen werden. Weiterbildungskurse sollen in Zukunft nicht mehr zur Arbeitszeit gezählt werden ebenso Dienstreisen. Auf das gesetzliche Minimum sollen auch die Zuschläge für Sonntag- und Feiertagsarbeit zurückgeführt werden. Ganz abgeschafft würden die Essenschecks.
Bei den Piloten soll die Produktivität um 18 Prozent angehoben werden, das heißt mehr Flugeinsätze bei gleichbleibendem Personalbestand. Wie auch beim Bodenpersonal soll die Tarifstruktur abgeändert werden. Auch bei den Piloten werden die Zuschläge für Nacht-, Sonntag- und Feiertagsarbeit auf das legale Minimum zurückgeführt. Eingeführt wird hingegen ein Bewertungssystem bei der Beförderung.
Die Direktion erklärt ihre Vorschläge mit dem schlechten Zustand der Gesellschaft. Die Firma benötigt eine Kapitalaufstockung von mehreren Millionen Dollar. 2012 hat sie einen Verlust von knapp 100 Millionen Dollar eingefahren. 2013 könnte sich ein ähnliches Szenario abspielen. Um die Aktionäre davon zu überzeugen, weiteres Kapital in die Gesellschaft zu stecken, müsse ein tragendes Geschäftsmodell aufgestellt werden, so die Unternehmensführung.
Eine nächste Verhandlungssitzung mit den Gewerkschaften soll am 15. Januar stattfinden.
Zu Demaart
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