Sonntag1. Februar 2026

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Biancalana für Düdelingen

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Der scheidende Bürgermeister von Düdelingen Alex Bodry (LSAP) schlägt seiner Partei den ersten Schöffen Dan Biancalana als seinen Nachfolger vor. In dem Fall würde Claudia Dall'Agnol in den Schöffenrtat nachrücken - sie wäre dort die erste Frau.

Alex Bodry hat bekanntlich seinen Rücktritt als Düdelinger Bürgermeister angekündigt. Der bisherige erste Schöffe Dan Biancalana wird als neuer Bürgermeister vorgeschlagen. LSAP-Politiker Bodry tritt ebenfalls ganz aus dem Gemeinderat aus, wie er am Montag auf einer Pressekonferenz erklärte.

So geht’s weiter:
Am Montag, 17. November, werden in der Düdelinger LSAP-Sektion folgende Vorschläge diskutiert: Nachfolger von Alex Bodry (7.171 Stimmen bei den Gemeindewahlen 2011) soll der bisherige erste Schöffe Dan Biancalana (6.194) werden. Nachrücken in den Schöffenrat würde die auf der LSAP-Liste fünftgewählte Claudia Dall’Agnol (4.808). Nachrücken in den Gemeinderat würde der elftgewählte Marc Lazzarini (3.485).

2011 hatte die LSAP in Düdelingen mit 53,87 Prozent die absolute Mehrheit eingefahren und verfügt über 10 der 17 Mandate im Gemeinderat. Im Schöffenrat bleiben René Manderscheid (5.356) und Loris Spina (5.121).
Mit 37 Jahren wäre Biancalana der jüngste Bürgermeister Düdelingens; Dall’Agnol wäre die erste Frau im Schöffenrat der „Forge du Sud“.

Die nächste Gemeinderatssitzung findet am 21. November statt. Alex Bodry hofft, dass bis dahin Großherzog Henri seinen Rücktritt angenommen hat und die gesetzlichen Prozeduren ermöglichen, dass um dieses Datum herum die neuen Nominationen gemacht werden können. clc

Zur Person:
Geboren am 3. Oktober 1958 in Düdelingen
2004-2014: Bürgermeister der Stadt Düdelingen
2000-2004: Erster Schöffe
1982-1989: Gemeinderat
1989-1994: Minister für Landesplanung, Energie und Kommunikation
1994-1998 Minister für Landesplanung, Armee, Sport und Jugend
1998-1999: Minister für Landesplanung, Armee, Umwelt und Jugend
2004-2014: LSAP-Präsident
1984-1989 und 1999 bis heute: Mitglied der Abgeordnetenkammer, seit Dezember 2013 Präsident der LSAP-Fraktion.

Es sei wohl außergewöhnlich, dass ein Bürgermeister „unaufgefordert“ zurücktrete, ohne in Koalitionsabkommen getroffenen Abmachungen oder sonstigen Gründen. Außergewöhnlich kann man wohl auch Bodrys Karriere nennen; der Vollblut-Politiker hat in seiner Vita vom Gemeinderat bis zum Minister über den Parteipräsidenten fast alles stehen, was „drin“ ist.

«Zuviel»

Seine Entscheidung sei eigentlich bereits in dem Moment gefallen als er nach den Parlamentswahlen 2013 den Posten des LSAP-Fraktionschef im Parlament annahm: „Abgeordneter und Bürgermeister, das war schon viel. Dann auch noch Fraktionschef … mir war schnell klar, dass das dann zuviel werde.“ Deshalb sei seine Entscheidung ja auch kaum eine Neuigkeit, so Bodry: „Es war aber schwer sie zu treffen. Allerdings fällt sie mir leichter, weil ich sicher bin, dass die Nachfolge gesichert ist und diese Personen auch bereit sind.“

Die Disponibilität fehle einfach, so Bodry: „Das sieht man vielleicht nicht so von außen, aber in mir drin habe ich es gespürt.“ Ein zusätzlicher (Zeit)-Faktor sei, dass er Vorsitzender der Institutions-Kommission im Parlament sei: „Nicht eben unwichtig, und hier kommt mit dem Referendum 2015 ja auch mehr als genug Arbeit auf uns zu.“ Trotzdem hofft der 56-jährige Verfassungsspezialist, nun auch etwas mehr Zeit für Ehefrau und Kinder zu haben.

Rückblick

Bodry war von 1982-1989 Gemeinderat in Düdelingen; nach seiner Ministerzeit in zwei Regierungen wurde er 2000 erster Schöffe in Düdelingen, ab 2004 dann Bürgermeister. Sein Rückblick am Montag fiel dementsprechend ausführlich aus, mit Stolz blickte er auf viele Errungenschaften, Bauten und einige Highlights zurück.

Herausgepickt seien das Centre national de l’audiovisuel; die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der „Forge du Sud“ im Jahr 2007; die Umgestaltung des Stadtzentrums die voll im Gange ist; die auf den Weg gebrachten Projekte „Néi Schmelz“ und „Lenkeschlei“; Düdelingen als Stadt der Kultur („10 % des Gemeindebudgets“) und des Sports (v.a. zahlreiche Erfolge in den Kollektivsportarten) sowie der Umweltfreundlichkeit und des Klimabewusstseins („die Nr. 1 in Luxemburg, wir wurden vor kurzem dafür ausgezeichnet“), und nicht zuletzt Düdelingen als Stadt mit gesunden Finanzen: „Das ist besonders wichtig für mich, da ich seit 15 Jahren dafür zuständig bin.“

Berufspolitiker?

Viel zu sagen hatte Alex Bodry über die eigentliche „Ursache“ seines Rücktritts – Ämter-Kumul – und das Wort „Berufspolitiker“. „Es muss das Ziel eines Politikers sein, die ihm vom Wähler anvertrauten Mandate respektvoll und so gut wie irgend möglich auszufüllen“, so Bodry.

Die Meinung, die sich in ihm seit einigen Jahren gebildet hat, sei bekannt, erklärt Bodry, und er macht auch keinen Hehl daraus: „Ich bin gegen die Ämterhäufung. Ich bin für den Vollzeit-Abgeordneten, und angesichts immer komplizierter werdender Dossiers auch für den spezialisierten Abgeordneten. Ab einer gewissen Größe bin ich auch für den Vollzeit-Bürgermeister, sogar für Vollzeit-Schöffen. Unser politisches System ist im Moment nun mal das, was es ist. Aber Diskussionen sind dabei, in Gang zu kommen.“