Internationale Experten befassen sich im Rahmen einer vom Nationalen Frauenrat und dem Ministerium für Chancengleichheit organisierten Konferenz mit dem Thema, das europaweit brandaktuell bleibt.
Kleine Länder und Cecif
Bis heute findet der internationale Austausch in Mondorf im Rahmen des Treffens der nationalen Frauenräte der sogenannten kleinen Länder statt, einem Gremium, dem Vertreterinnen aus Andorra, Zypern, Island, Liechtenstein, Malta, Monaco, San Marino und Luxemburg angehören. Am Montag schließt sich hieran eines der beiden jährlichen Treffen des Cecif („Centre européen du conseil international des femmes“) an, dem 23 Länder angehören. Großherzogin Maria Teresa beehrte die Konferenz mit ihrer Präsenz.
„Gleichheit für Frauen und Männer bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern“, lautete das Thema, das in Konferenzen und Rundtischgesprächen im Detail erörtert wurde. Immer noch gebe es auf europäischer Ebene ein großes Ungleichgewicht zuungunsten der Frauen, betonte am Donnerstag die Luxemburger Ministerin für Chancengleichheit, Lydia Mutsch. Weil es daher wichtig sei, die Diskussion auf europäischer Ebene fortzuführen, habe man das Thema im Rahmen der Luxemburger EU-Ratspräsidentschaft ganz oben auf die Agenda gesetzt.
Nachholbedarf
In der Europäischen Union waren im Jahr 2012 rund drei Viertel der Ministerposten von Männern besetzt, auch wenn es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern gebe, wie die Ministerin einräumte. Schweden, Finnland und Spanien z.B. liegen bei über 40%, in Malta, Ungarn oder Zypern kommt man auf 10-12% Frauenanteil. Der europäische Durchschnitt erreicht knappe 28%, wobei Luxemburg mit 28,3% Rang 13 belegt.
Auf der Ebene der wirtschaftlichen Entscheidungsträger sieht das Bild noch getrübter aus. Bis heute erreichen nur vier EU-Länder eine Frauenpräsenz von 25% in den Verwaltungsräten von großen Firmen (Frankreich, Lettland, Finnland, Schweden). Im Oktober 2014 waren 3,3% der Präsidenten von Verwaltungsräten („Présidents directeurs généraux“) Frauen, obwohl man für den Zeitraum von 2010-2014 einen starken Anstieg des Frauenanteils in diesen Gremien verzeichnen konnte. In Luxemburg kommt man inzwischen auf 20%, hauptsächlich, weil der Luxemburger Staat seine Hausaufgaben gemacht habe, so die Ministerin, und immer mehr Frauen für solche Posten benannt hat. Doch von den 40%, wie sie die Luxemburger Ministerin in einer rezenten Gesetzesvorlage anstrebt, zum einen über den Weg des Arbeitsrechts, zum anderen durch eine Quotenregelung für Kandidaten auf Wahllisten, sei man noch weit entfernt. Vorgesehen ist, dass auf Wahllisten für das nationale luxemburgische Parlament von 60 Kandidaten mindestens 24 Männer und 24 Frauen sein müssen. Bei den Listen für die Wahlen zum Europäischen Parlament wird die volle Parität angestrebt.
Quote = negatives Stigma
Dabei ist sich Lydia Mutsch bewusst, dass dem Begriff Quote durchaus ein negatives Stigma anhaftet. Auch für sie ist sie kein Allheilmittel, aber ein wichtiges Hilfsmittel in Richtung Zielsetzung. Sollte diese erreicht und die gleichgestellte Beteiligung von Männern und Frauen einmal gegeben sein, könne man darüber diskutieren, wie angebracht die Quoten noch seien. Umso mehr, als die verschiedenen Länder in der EU auch verschiedene Wege im Bereich der Gleichstellung beschritten haben. Die einen würden auf freiwillige Herbeiführung setzen, andere würden ihre Wahlgesetze ändern. Es sei auch nicht erforderlich, auf europäischer Ebene zu einer einheitlichen Vorgehensweise zu gelangen. Jedes Land könne seine eigenen Wege beschreiten. Eben daher sei es ungewiss, ob sie auf europäischer Ebene mit der von der früheren Luxemburger EU-Kommissarin Viviane Reding initiierten Gleichheitsinitiative auf wirtschaftlicher Ebene weiterkommen werde. Von der Konferenz erhofft sich die Ministerin Aufschlüsse über die unterschiedlichen Ansichten in den einzelnen Ländern.
Claude Wolf, Präsidentin des „Conseil national des femmes luxembourgeoises“, zeigt sich erfreut, dass das Thema nach 40 Jahren Einsatz des Nationalen Frauenrates nun doch in der Politik angekommen ist. Der Frauenrat verstehe sich zum einen als Lobby für Frauenfragen, zum anderen aber auch als Förderer und Ausbilder für Frauen, die verstärkt motiviert werden sollen, politische oder wirtschaftliche Aufgaben anzugehen. Verwaltungsräte seien keine Bücher mit sieben Siegeln. Werde eine Frau in ein solches Amt berufen, würden viele nach der Qualifikation fragen. „Bei Männern fragt man nicht danach“, so Claude Wolf, die feststellt, dass bestimmte Mentalitäten eben doch noch nicht ganz überwunden seien.
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