Robert Schneider
2002 stellte der Soziologe Frédéric Metz in einem Artikel über das soziale Bild von Arbeit, Wirtschaft und Justiz fest, dass Arbeit eine kollektive Norm darstelle, der die Einwohner Luxemburgs eine hohe Bedeutung beimessen.
Das Forschungsinstitut CEPS/Instead („Centre d’études de populations, de pauvreté et de politiques socio-économiques) wollte in einer rezenten Studie u.a. ergründen, ob die moralische Bedeutung von Arbeit immer noch hoch sei.
Metz war zum Schluss gekommen, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht war, dass Arbeit notwendig sei, um seine persönlichen Fähigkeiten zu steigern und der Gesellschaft nützlich zu sein. Die Analyse des CEPS Instead baut auf der „European Values Study“ auf, die 1999 und 2008 durchgeführt worden war. Charles Fleury führte die entsprechende Studie durch. Die Resultate zeigen, dass Arbeit 1999 eine hohe Bedeutung in Luxemburg hatte und zehn Jahre später noch an moralischer Bedeutung hinzugewonnen hat.
Arbeit wird von einer großen Mehrheit als Pflicht an der Gesellschaft gesehen. Immer mehr Menschen meinen, dass die Arbeit immer vorgehe, auch wenn dies weniger persönliche Freizeit bedeute. Einige verurteilen Mitbürger, die nicht arbeiten, sogar mehr oder weniger offen. Weder Alter noch Geschlecht erklären diese zunehmende Bedeutung. Allerdings, so schreibt der Autor der Studie, sei es möglich, dass die wachsende Anzahl von Einwanderern an der Gesamtbevölkerung die Resultate entsprechend beeinflusst hat.
In der Tat gibt es größere Variationen bei der sozialen Bedeutung der Arbeit, je nach befragter Nation.
Konjunkturbedingt
Allerdings spielt auch die allgemeine Konjunktur eine Rolle. Die Anzahl der prekären Jobs hat in den zehn Jahren, die zwischen den beiden Befragungen liegen, zugenommen. Einige Arbeiten sind mittlerweile weniger gut über das traditionelle Statut gesichert. Diese Unsicherheit hat seit dem Beginn der Finanzkrise noch zugenommen. Mehrere soziologische Studien zeigen, dass die Bedeutung der Arbeit in Zeiten von unsicheren Arbeitsplätzen zunimmt. Die relative Abnahme der Qualität der Arbeitsbedingungen in Luxemburg, so die CEPS-Studie, habe wohl auch zu dem oben beschriebenen Resultat geführt.
Abgesehen von diesen Entwicklungen bleibe die Tatsache, dass die Luxemburger Einwohner der Arbeit einen besonderen und auf europäischer Ebene vergleichsweise hohen Stellenwert beimessen.
Der Eindruck entstehe, dass die Arbeit ein gemeinsamer Wert aller kulturellen Gemeinschaften im Großherzogtum und das eigentliche Fundament der sozialen Verbindungen im Lande sei.
Nicht zuletzt ist Arbeit auch die erste Motivation der Migranten, um nach Luxemburg zu kommen, so die CEPS/Instead-Studie abschließend.
Zu Demaart
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