Das angepeilte Ziel der Reform der „Formation professionnelle“ war eine Verbesserung der Qualität der Ausbildung. Inhalt und Lernmethode wurden abgeändert. Anstatt der ehemaligen Schuljahre belegen die Schüler nun eine gewisse Anzahl an Modulen (die sich jeweils über ein Semester erstrecken) und müssen sich eine Reihe von definierten Kompetenzen aneignen.
Berufslehre in Kürze
o Module: Insgesamt gibt es in der gesamten Berufslehre 7.515 Module
o Schüler Derzeit sind 7.091 Schüler in den Ausbildungen der Berufslehre eingeschrieben
o Berufe Die Berufslehre bietet rund 120 Ausbildungsrichtungen an
o Diplome Die Berufslehre bezeichnet die Vorbereitung von drei unterschiedlichen Diplomen: das CCP, das DAP und das DT
Die Lehrergewerkschaften sind mit dem Resultat der Reform von 2008 unzufrieden und fordern eine substanzielle Neuausrichtung. Auch die Salariatskammer hatte vergangenen September eine negative Bilanz der Reform gezogen. Zahlreiche Lehrlinge würden ihre Ausbildung unterbrechen. Weniger junge Menschen würden das Abschlussexamen erfolgreich abschließen, so die Kritiken der CSL.
Das Problem des „Rattrapage“
Das Koalitionsprogramm von Blau-Rot-Grün erklärt bezüglich der rezenten Reform der Berufslehre: „Le système modulaire tel qu’introduit dans la formation professionelle s’est révélé difficilement gérable pour les établissements scolaires. Le Gouvernement s’attachera à décharger les établissement et à améliorer la prise en charge des élèves par la remédiation et le rattrapage.“
Eine der großen Baustellen in der Berufslehre ist in der Tat der „Rattrapage“ der nicht bestandenen Module. Die Lyzeen sind aufgrund der hohen Anzahl an verschiedenen Modulen organisatorisch überfordert. Weiteres Problem: Schüler akkumulieren nicht bestandene Module. Am Ende der Ausbildung erfüllen sie dadurch nicht die Kriterien, um ein Diplom zu erhalten.
In seiner Antwort auf eine parlamentarische Frage des CSV-Abgeordneten Marc Spautz erklärt Bildungsminister Claude Meisch, dass das Ministerium eine kurzfristige Lösung ausgearbeitet hat. Die Promotionkriterien wurden abgeändert. Auf Nachfrage des Tageblatt erklärt das Schulministerium, dass ein Schüler fortan 4/5 der obligatorischen Kompetenzen eines Moduls beherrschen muss, um es erfolgreich zu absolvieren.
Zuvor führte das Fehlen einer einzigen Kompetenz automatisch zu einer Nachprüfung. Zudem kann ein Schüler das erste Jahr nun wiederholen, auch wenn nicht von einem „redoublement“ geredet wird, sondern von einer „Reorientierung“ zurück in die gleiche Klasse. Gleichzeitig werden Überlegungen geführt, um eine endgültige Lösung für das Problem der „Rattrapage“-Module zu finden.
Grundlegende Kritiken
Dass es bei 377 von insgesamt 7.515 Modulen kein Programm gibt, sieht man im Ministerium nicht dramatisch. Im kompetenzorientierten Unterricht seien Fächer nicht mehr inhaltsorientiert. Deshalb seien Programme nicht notgedrungen notwendig. Bei 13 Modulen wurden allerdings noch keine Kompetenzen definiert. Dieses Problem soll jedoch für die nächste Rentrée behoben sein. Das Phänomen der nicht vorhandenen Programme ist übrigens nicht neu. Im Gegenteil, es war auch eines der Probleme vor 2008 und stellte einen der Gründe dar, warum eine Reform benötigt wurde. Die Reform der Berufslehre an sich wird von der neuen Regierung nicht infrage gestellt. Es können aber Anpassungen vorgenommen werden. Das verdeutlichte der damalige Staatsekretär André Bauler am 20. März in einer Unterredung mit dem SEW/OGBL.
Die Lehrergewerkschaft fordert ihrerseits eine substanzielle Reform der Reform der Berufslehre. Die Reform sei „über das Knie gebrochen worden“, erklärte Guy Foetz vom SEW gegenüber dem Tageblatt. Er kritisiert, es werde „gewurschtelt“. Die bestehenden Probleme dürften nicht unter den Teppich gekehrt werden. Nicht nur die Anreihung von nicht bestandenen Modulen müsse behoben werden. Im „cycle inférieur“ gebe es eine quasi automatische Promotion. Die mangelnde Förderung der Schüler führe anschließend zu erheblichen Problemen, da Notwendiges nicht assimiliert wurde, so Foetz. Auch soll sich der Kompetenzunterricht nach Ansicht des SEW nur auf die Fächer beschränken, wo es sinnvoll sei. Zudem plädiert die Gewerkschaft dafür, die Techniker-Ausbildung (DT) wieder ins EST („enseignement secondaire technique“) zu integrieren und die Programme so abzuändern, dass ein direkter Zugang zu Hochschulstudien erneut möglich sei.
Die „Formation professionnelle bezeichnet“ die Vorbereitung von drei unterschiedlichen Diplomen: das „Certificat de capacité professionnelle“ (CCP), in dem 631 Schüler eingeschrieben sind, das „Diplôme d’aptitude professionnelle“ (DAP) mit 4.250 Schülern sowie das „Diplôme de technicien“ (DT) mit 2.210 Schülern. Insgesamt sind 7.091 Schüler in diesen Formationen eingeschrieben. Rund 120 Ausbildungen werden in der Berufslehre angeboten.
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