Im Beisein von Gesundheitsministerin Lydia Mutsch wurde am Mittwoch „Contact Nord“ im Ettelbrücker Bahnhofsviertel eröffnet. Auf 3, rue de la Gare in Ettelbrück befindet sich nun auch für den Norden des Landes eine Anlaufstelle der Stiftung „Jugend- an Drogenhëllef“, die ohne vorherige Terminabsprache von den Drogensüchtigen besucht werden kann. Neben dem Tausch von gebrauchten Spritzen zur Eindämmung von Krankheiten wie Aids und Hepatitis ist vor allem die soziale und psychologische Betreuung ein wichtiges Merkmal dieser Einrichtung.
Wie Direktor Jean-Pierre Nico in seiner Rede erklärte, ergäbe sich durch den Tausch der Spritzen eine gute Gelegenheit, um erstmals in Kontakt mit den Drogenabhängigen zu treten. Dass die neue Einrichtung auch ohne Termin von allen zugänglich sei, biete einen weiteren bedeutenden Vorteil. „Contact Nord“ richtet sich in der Regel an erwachsene Drogenabhängige. Minderjährige werden weiterhin an der seit 2002 bestehenden Beratungsstelle der „Jugend an Drogenhëllef“ an der place de la Libération in Ettelbrück verwiesen.
Der beigeordnete Direktor der Stiftung, Günter Biwersi, ging in seinem Exposé auf den Wandel im Verständnis mit der Drogensucht ein.
Keine Fixerstube geplant
Eine maßlose Konsumgesellschaft würde auch zwangsläufig zu einem maßlosen Umgang mit Drogen führen. War früher Abstinenzbereitschaft eine zwingende Voraussetzung, um Hilfe und Therapie zu erhalten, gehe man heute einen anderen Weg. Man müsse sich mit dem Gedanken abfinden, dass ein Teil der Gesellschaft weiterhin Drogen nehme. Es gelte aber, diese Menschen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Neben ihren Kontakt- und Beratungsstellen verfügt die Stiftung über verschiedene Wohnstrukturen auch für ältere Langzeitdrogenabhängige.
In Ettelbrück sei aber keine Fixerstube geplant, wurde von den beiden Direktoren betont. Dies stehe nicht in dem vom Ministerium gestellten Auftrag. Der Auftrag sei es, die Situation im Norden zu verbessern sowie den Drogensüchtigen Kontakt und Hilfe anzubieten. Gegenüber der Hauptstadt und Esch/Alzette findet die Drogenszene im Ösling mehr versteckt, hinter verschlossenen Türen statt.
Wichtiger Baustein
Mit der Schaffung von „Contact Nord“ ist jetzt auch im Norden ein wichtiger Baustein zur Dezentralisierung der Hilfsangebote im Bereich der Drogenarbeit geschaffen worden, sagte Ministerin Lydia Mutsch am Mittwoch. Besonders der einfache Zugang zur Hilfe sei dabei ein wichtiger Aspekt. Eine solche Einrichtung funktioniere aber nur mit einer Akzeptanz und in Partnerschaft mit der einheimischen Bevölkerung. Nur so könne man erfolgreich agieren, alles andere sei zum Scheitern verurteilt.
Auch Bürgermeister Jean-Paul Schaaf hob die Vorteile einer solchen Struktur hervor, warnte aber, dass auf keinen Fall „ein Staubsaugereffekt“ in Ettelbrück entstehen dürfe. Mit der Kompetenz und der Erfahrung der „Jugend- an Drogenhëllef“ sei aber in seinen Augen der richtige Partner für diese Sache gefunden worden. Man könne von der seit 2002 in Ettelbrück operierenden Stiftung nur Positives über ihre Arbeit berichten.
Transparenz und Zusammenarbeit seien ein wichtiger Teil des Projektes, wurde von der „Jugend- an Drogenhëllef“ betont. Regelmäßige Treffen mit den Autoritäten und den Anwohnern sowie anderen Akteuren sollen eine Plattform zum Austausch von Informationen und zur Klärung von Sachverhalten schaffen.
„Contact Nord“ ist von mittwochs bis freitags jeweils nachmittags von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können