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80 Milliarden Euro für die Forschung

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LUXEMBURG - Forschung ist wichtig für Europa. Darin waren sich am Dienstag alle Redner einig. Forschung führe zu Wachstum und schaffe so Arbeitsplätze, so das Postulat, das in den Vordergrund gerückt wurde. Forschung braucht aber auch viel Geld.

Der gerade beschlossene Haushalt der Europäischen Union ist um einiges kleiner ausgefallen als der letzte. Die Staaten haben der Union eine Diät verschrieben. Die Forschung soll diese Einbußen jedoch nicht zu spüren bekommen. Das Budget, mit dem die EU die Forschung zwischen 2014 und 2020 unterstützen wird, ist um 20 Prozent gestiegen.

Insgesamt verfügt das Programm mit dem Namen „Horizon 2020“ das im neuen Haushaltszeitraum das alte Programm „Framework Programme 7“ ablöst, über 80 Milliarden Euro, die an Forschungsprojekte verteilt werden sollen.

Das Interesse an den Geldern ist auch hierzulande außerordentlich groß. Zu der offiziellen Vorstellung des Programms „Horizon 2020“ am Dienstag in Luxemburg waren Vertreter der Wissenschaften in Luxemburg zahlreich erschienen. Insbesondere Vertreter der verschiedenen „Centres de recherche publique“ sorgten dafür, dass der große Konferenzraum der Handelskammer gut gefüllt war.

Agenda der neuen Regierung

Auch die Luxemburger Regierung in der Person des Bildungs- und Forschungsministers Claude Meisch war vertreten. „’Horizon 2020′ ist bei Weitem das größte transnationale Forschungs- und Innovationsprogramm in der Geschichte der Europäischen Union“, erklärte Meisch. Forschung sei auch ein wichtiger Punkt in der Agenda der neuen Regierung, versicherte er. Ziel sei für Luxemburg ein Maximum an Beteiligung an dem europäischen Programm.

Während der Ausarbeitung des „Horizon 2020“-Programms in den vergangenen Jahren habe Luxemburg sich dafür starkgemacht, dass die Mobilität der Forscher innerhalb der Union verstärkt gefördert werden soll. Dies geschieht im Rahmen der sogenannten „Marie Sklodowska-Curie Actions“, die ein Teil von „Horizon 2020“ sind. Daneben, so Meisch, habe sich Luxemburg für eine Vereinfachung der Prozeduren eingesetzt, die die Forscher durchlaufen müssen, um an Gelder zu kommen.

Kompetenz gewährleisten

„Für seinen langfristigen Wohlstand muss Luxemburg auf die Kompetenz seiner Arbeitskräfte bauen können“, so der Minister. „Forschung und Entwicklung sind wesentlich, um diese Kompetenz zu gewährleisten.“ Trotz der vielen Anstrengungen, die in den letzten zehn Jahren besonders im Bereich der öffentlichen Forschung gemacht worden sind, müsse Luxemburg weiter aufholen. „’Horizon 2020′ bietet viele Möglichkeiten für Luxemburgs öffentlichen und privaten Sektor“, sagte Meisch.

Vom „Horizon 2020“-Vorgänger „Framework Programme 7“ haben laut Meisch 200 Luxemburger Forschungsprojekte profitiert.

Um den Forschern genauere Informationen über das Programm zu geben, war Wolfgang Burtscher von der Europäischen Kommission angereist. „Vor wenigen Wochen hat die Europäische Union ihren Haushalt für den Zeitraum 2014 bis 2020 verabschiedet. Das Leitmotiv dieses Haushaltes sind Wachstum und Arbeitsplätze. In diesem Zusammenhang ist ‚Horizon 2020‘ ein Schlüsselelement. Ziel ist es, in Forschung und Innovation zu investieren, um Wirtschaftswachstum herbeizuführen. Aber in der Forschung geht es nicht nur darum für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu sorgen“, erklärte Burtscher.

Resultate und Auswirkungen

„Es geht auch darum, das Überleben der Menschheit zu sichern, es geht auch darum, unsere Alltagsprobleme anzugehen und es geht darum, Antworten auf die Probleme der Menschheit zu finden. Dabei geht es etwa um die Rettung der Umwelt, Lebensmittelsicherheit oder auch Gesundheitsfragen“, sagte Burtscher.

„Horizon 2020“ setzt verstärkt auf die Interaktion mit der Wirtschaft – also auf Resultate und Auswirkungen. Teile des Geldes sind speziell für industrielle Forschungsprojekte reserviert. Aus der Welt der Akademiker sei deshalb die Befürchtung zu hören gewesen, die Grundlagenforschung und die Sozialforschung, bei denen ein direkter wirtschaftlicher Nutzen meist nicht absehbar ist, würden nicht mehr gefördert werden. Burtscher beschwichtigte: „Ich glaube, wir haben die richtige Balance gefunden. Wir fördern sowohl den Bereich ‚Wissenschaftsexzellenz‘ als auch ‚Führende Rolle der Industrie‘ und ‚Gesellschaftliche Herausforderungen‘.“ Allerdings sei es so, dass im Rahmen des „Framework Programme 7“ nur eines von fünf Projekten angenommen wurde. „Das kann für Frustrationen sorgen“, so Burtscher.

Bürokratieabbau

Zu der von Meisch angesprochenen Bürokratie erklärte er, dass „Horizon 2020“ sehr wohl Bürokratieabbau betreibe. Allerdings sei er auch den europäischen Steuerzahlern Rechenschaft schuldig. Insbesondere das Reporting sei wichtig, um zu verhindern, dass die Wissenschaftler Gelder erhalten, die ihnen nicht zustehen.

Die EU zahle nur für Kosten, die wirklich entstanden sind. Eine Reise zu einem Kongress, der mit dem geförderten Forschungsprojekt nichts zu tun habe, dürfe also nicht auf einmal durch „Horizon 2020“ bezahlt werden, erklärte Burtscher.

Zuständige Stelle für das „Horizon 2020“-Programm in Luxemburg ist die staatliche Innovationsagentur Luxinnovation. Hier erhalten interessierte Forscher Informationen und Hilfestellung.