Sonntag25. Januar 2026

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Logbücher statt Wettersatelliten

Logbücher statt Wettersatelliten
(dpa)

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Von den Aufzeichnungen früherer Walfangkapitäne erhoffen sich Wissenschaftler Hinweise auf den Klimawandel. Ganz allein können sie die Datenmengen aber nicht bewältigen.

In der Klimaforschung kommen nicht nur Satellitenbilder und hochempfindliche Messgeräte zum Einsatz. Forscher in den USA setzen auf historische Dokumente, um den Klimawandel und Wetterveränderungen in der Arktis besser zu verstehen: Logbücher von Walfangschiffen aus dem 19. Jahrhundert. Auf diesen Schiffen wurde damals präzise Buch geführt über die teilweise langjährigen Reisen.

Die Walfänger hätten auf der ganzen Welt nach ihrer Beute gesucht, erklärt der Marinehistoriker Michael Dyer vom Walfangmuseum in New Bedford im US-Staat Massachusetts. Die Wale lieferten den begehrten Tran, der als Brennstoff genutzt wurde. Das Museum verfügt über zahlreiche Logbücher von damals, in denen täglich die Wetterbedingungen notiert wurden, und liefert den Großteil der Daten für das Projekt.

Beringstraße

In den Büchern enthalten sind auch Informationen über das tägliche Leben an Bord, zum Beispiel, ob ein Seemann über Bord fiel oder wegen Diebstahls bestraft werden musste. Natürlich ist auch verzeichnet, ob Wale gesichtet wurden.
Für das Klimaprojekt sind jedoch andere Aufzeichnungen von Bedeutung, wie die präzisen Längen- und Breitengrade, die Wetterbedingungen, die Sichtung von Eisbergen oder des Schelfeises, Eisplatten, die auf dem Meer schwimmen. «Wenn sie durch die Beringstraße gefahren sind, wird sich in dem Logbuch eine Notiz finden, dass es dort Eisfelder gab», erklärt Dyer.

Das Projekt mit dem Titel «Old Weather: Whaling» wird von der US-Behörde für Wetter und Ozeanographie (NOAA) geleitet. Das Walfangmuseum transkribiert und digitalisiert seine eigenen Logbücher sowie weitere Originalquellen von der Historischen Vereinigung Nantucket, dem Museum auf Martha’s Vineyard, Mystic Seaport in Connecticut und der öffentlichen Bibliothek von New Bedford. Die digitalisierten Logbücher werden ins Internet gestellt, damit jeder Interessierte die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit mit diesen gewaltigen Datenmengen unterstützen kann.

Beaufortsee

Das Museum hat rund 2600 Logbücher von Walfangschiffen in seinem Besitz. Sie stammen aus den Jahren von 1756 bis 1965. Teil des Projekts sind bisher nur rund 300 Logbücher, die bei Fahrten in die Arktis von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts geführt wurden. Typisch für diese Aufzeichnung ist eine Eintragung in das Logbuch der «Beluga». Der Walfänger mit Heimathafen San Francisco fuhr ab 1897 zwei Jahre lang durch die Beringsee, die Tschuktschensee – ein Randmeer des Nordpolarmeeres – und die Beaufortsee.

«Lat 61.19. Lon 175.42.», werden darin die geografischen Koordinaten angegeben. «Um 06.00 Segel gesetzt und nach Nordost gefahren. Ab 08.45 mit Dampf gefahren. Weiter bis 13.00, dann auf offenes Wasser gestoßen….Steuern von NNW nach NO wie das Eis es erlaubt. Erst leichter Wind, später teilweise starker Wind von OSO und Schnee.» Es folgen genaue Einträge zu Temperatur und Luftdruck.

Wetterdaten

Die Informationen aus den Logbüchern lassen sich mit den aktuellen Klimabedingungen vergleichen. Gibt es zum Beispiel auch heute noch dort Eis, wo die Walfangkapitäne vor 150 Jahren Eis sahen? Das Projekt geht jedoch noch weiter, wie der Klimaforscher Kevin Wood vom Institut für die Erforschung der Meere und der Atmosphäre an der Universität von Washington erklärt. Er ist einer der führenden Wissenschaftler des Projekts. Mithilfe der Wetterdaten aus den Aufzeichnungen ließen sich komplexe Computermodelle der Klimabedingungen in der Vergangenheit erstellen, sagt Wood. Das könne dazu beitragen, die künftige Entwicklung des Klimas vorauszusagen.

Das Ganze sei praktisch ein «virtueller, zeitreisender Wettersatellit». «Wir können die Bedingungen zu dieser Zeit enorm detailgetreu rekonstruieren», sagt Wood. «Und wir können verstehen, wie das Klima sich über einen längeren Zeitraum verändert hat.»

Logbücher

Das Projekt ist Teil von «Old Weather», einer Partnerschaft zwischen der NOAA and Zooniverse, einem Webportal, das Logbücher von Schiffen studiert, darunter auch Handelsschiffe und Schiffe der Marine. Bei diesen Studien kommt dann auch die Öffentlichkeit ins Spiel. Denn die Datenmengen sind einfach zu groß, als dass eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern sie vollständig auswerten könnte.

Hochauflösende Bilder historischer Dokumente, extrahierte Daten und andere Forschungsergebnisse stehen online bereit, wie Michael Lapides erklärt, der Direktor des Museum für Digitales. Bislang sind die Logbücher von mehr als 20 Walfangschiffen auf der Seite zu finden. Das Projekt soll in etwa einem Jahr abgeschlossen sein.