Wer kletterte zwei age vor Nationalfeiertag am 23. Juni 1985 mit einem Metalldetektor und einem Koffer aus einem Gulli unweit des Anschlagsorts in Hollerich? Diese Frage stellte sich das Gericht am Montag, nachdem der Zeuge Pierre Bartholmé eine entsprechende Aussage gemacht hatte.
Bartholmé wurde 1988 von den Ermittlern zu diesem Ereignis gehört. Er sah den Mann zwei Tage vor dem Nationalfeiertag 1985. Er spricht von einem großen Koffer. Bartholmé: «Der Mann verschwand mit seinem Koffer in Richtung Stadt.» Er sei zu Fuß weggegangen. Der Zeuge hatte keinen Wagen gesehen. Er spricht von einer normalen Statur bei der Person. Er schätzte den Mann damals zwischen 20 und 30 Jahre alt. Staatsanwalt Oswald fragt, ob der Zeuge den Verdächtigen auf einem Foto erkennen könnte. Bartholmé: «Ich habe nie Fotos gesehen. Habe ihn auch nur auf 50 Meter Distanz von hinten gesehen.»
«Beugehaft»
Als nächster tritt André Kieffer, ein aktiver Polizist, in den Zeugenstand. Er hat Erinnerungsprobleme. So will er sich nicht mehr wirklich an eine Anhörung 1988 und 2006 erinnern. Am 29. Mai 1985 will er beim Anschlagsort in Itzig einen verdächtigen Wagen gesehen haben, der ohne Licht unterwegs war. Er habe den Wagen nicht stoppen können, sagt er. Kieffer zufolge sei damals Druck auf ihn durch Chefermittler Carlo Klein ausgeübt worden. Ihm sei mit Beugehaft gedroht worden. «Bei uns gibt es keine Beugehaft», sagt Richterin Sylvie Conter.
Wie oft wurde der Zeuge verhört?
Es herrscht Durcheinander vor Gericht. Laut Kieffer wurde er dreimal verhört. Er spricht auch von Durchsuchungen in seinem Büro. Staatsanwaltschaft und Richter wundern sich über die Aussagen Kieffers. Staatsanwalt Georges Oswald versucht Ordnung in das Gespräch zu bringen. Das Verhör um Itzig war 1988. «Im Jahr 2006 wurden Sie ein zweites Mal zur Demonstrationskiste für Sprengtechniken verhört.» Staatsanwalt Oswald: «Was soll das hier?» Richterin Conter: «Sie sind doch André Kieffer und arbeiten bei der Polizei?» Ermittler Marx bestätigt, dass es nur zwei Vernehmungen gab. Kieffer widerspricht: Es gab drei Vernehmnungen. Dieses Verhör war sehr komisch. Er nennt in diesem Zusammenhang immer wieder Carlo Klein.
Ein weiterer Zeuge, der vorgeladen war, ist nicht anwesend. Vor Gericht wird die Zeugenaussage von Lucien Thilquin vorgelesen. Er war damals mit seiner Frau Zeuge, als vier Verdächtige beim Anschlag in den Kasematten (5. Juli 1985) aus einer Tür traten. Der belgische Zeuge spricht unter anderem in seiner Aussage von Zwillingen. Sie sahen militärisch wie Soldaten von der Westpoint-Akademie aus.
Klein auf der Flucht
Für Aufregung sorgt am Ende noch Anwalt Gaston Vogel. Er stürmt in den Saal. Laut dem Anwalt war Ermittler Carlo Klein im Übertragungssaal. Vogel: «Er saß dort. Hat sich den Prozess via Leinwand angeschaut und seinen Ermittler-Kollegen im Saal SMS-Kurznachrichten geschickt.» Aufregung im Gerichtssaal. Verdutzte Gesichter bei der Staatsanwaltschaft und Richter.
Laut mehrerer Prozessbesucher saß Klein bei den Technikern, die für die Videoaufnahmen aus dem Saal verantwortlich sind. Der Zeuge Kieffer hatte am Montag zu Prozessbeginn Ermittler Klein für seine Arbeit kritisiert. Er sprach von Drohungen und Druck. Vogel kommt wieder in den Gerichtssaal und brüllt. Er spricht von einer absoluten Frechheit. Anwältin Lorang: «Verarschen können wir uns selber.» Es herrscht Aufregung unter den Prozessbesuchern.
Buhrufe
Tumultartige Szenen haben sich im Übertragungssaal abgespielt, dort wo Bommeleeër-Chefermittler Carlo Klein unter den Prozess-Zuschauern saß. Er musste fluchtartig unter Buhrufen den Saal verlassen. Unter den Prozessbeobachter herrschte große Aufregung. Ein Besucher vor Ort: «Es hätte nicht viel gefehlt und einige wären ihm an den Hals gegangen.» Die Verteidigung (Vogel/Lorang) fordert Aufklärung vom Gericht.
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