Dienstag13. Januar 2026

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Jos Steil in der Lügenfalle

Jos Steil in der Lügenfalle
(Tageblatt-Archiv)

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Wieder fällt der Name Jos Steil. Ein Zeuge will etwas über eine Konfrontation mit Steil wissen. Dabei ging es heiß her.

Der Prozesstag am Mittwoch startet mit weiteren Aussagen von Ex-BMG-Mitglied Marcel Weydert. Dieser hatte am Dienstag für Verwirrung vor Gericht gesorgt. Unter anderem ging es dabei um ein Foto in den Kasematten, auf dem neben dem Angeklagten Jos Wilmes nicht Marcel Weydert, sondern Marc Scheer zu sehen war. Das Bild zirkuliert am Mittwoch durch den Gerichtssaal. Es steht Aussage gegen Aussage. Die Bilder werden ausgewertet.

Als nächster Zeuge sagt Claude Carelli aus. Er war zur Zeit der Anschläge bei der Brigade Mobile in der Hundestaffel aktiv. Die Hundesstaffel war laut Carelli eine separate Einheit innerhalb der BMG. Zum Training besuchten die Hundeführer meist «ungewöhnliche Orte», wie die Tunnel in Hollerich, die Kasematten oder Steinbrüche. Es folgen Fragen über Ben Geiben, die Erpresserbriefe, Verdachtsmomente. Carelli wiederholt sich: «Ich habe davon nie konkret etwas mitbekommen. Wir hatten mit unseren Hunden andere Aufgaben. Wir waren mehr in der Waldbillig-Affäre im Einsatz.»

Dienstplan und Gerüchte

Romain Immer heißt ein weiterer Zeuge am Mittwoch. Er war seit 1985 in der BMG und ist heute aktives Mitglied bei der Polizei. Immer hat kaum mehr Erinnerungen an die Anschläge. Er muss Fragen zur Erreichbarkeit der BMG zur Zeit der Anschläge beantworten. Im Fokus steht der damalige Dienstplan, der teils vom Angeklagten Marc Scheer, teils von Jos Steil aufgestellt wurde. Laut Dienstplan befand sich Marcel Weydert – entgegen dessen Aussage – im Urlaub. Diese Frage will nun die Staatsanwaltschaft klären.

Laut Romain Immer gab es zur Zeit der Anschläge viele Gerüchte. Vor allem um die Person Ben Geiben. Dabei sei das Wort Rache gefallen sein. Geibens Ideen waren nach seinem FBI-Lehrgang in den USA «revolutionär» und waren beim damaligen Gendarmerie-Chef Wagner wohl auf falsche Ohren gestoßen, so Immer. Doch dies seien alles nur Spekulationen gewesen.

Jos Steil wurde «verbotzt»

Der nächste Zeuge im Prozess ist BMG-Hundeführer François Hentzen. Er war am 2. Dezember 1985 beim Anschlag auf den EU-Gipfel auf Kirchberg dabei. Hentzen befand sich mit dem Angeklagten Marc Scheer zum Zeitpunkt der Explosion im Inneren des Gebäudes auf. Nach dem Anschlag verließ Scheer das Gebäude. Hentzen: «Wir hatten einen strengen Operationsplan, wir waren im Dauereinsatz.»

14 Tage nachdem die Operation Ben Geiben schiefging, wurde Jos Steil in die Mangel genommen. Laut Hentzen wurde er regelrecht «verbotzt». Entweder von Srel-Agent Kaudé oder von Ermittler Zenners, glaubt Hentzen. Grund für das «laute Gespräch» soll eine Falschinformation gewesen sein. Staatsanwalt Oswald glaubt, dass Steil einen Rückzieher gemacht habe, weil er seinen Kollege Geiben ans Messer geliefert habe. Hentzen hat eine andere Version: «Steil wirkte, als ob er beim Lügen erwischt wurde.» Kurz darauf wurde Jos Steil aus der BMG versetzt.

Am nächsten Dienstag soll François Hentzen weitere Fragen im Zeugenstand beantworten.