Der Regierungschef müsse «umgehend zurücktreten», forderte Gunnlaugssons Vorgängerin Johanna Sigurdadottir am Sonntagabend auf ihrer Facebook-Seite. Indem er sein Geld in einem Steuerparadies angelegt habe, habe Gunnlaugsson «sein Misstrauen» gegenüber der isländischen Währung und Wirtschaft ausgedrückt.
«Die Leute sollten keinen Ministerpräsidenten haben, dessen sie sich schämen», schrieb die Sozialdemokratin Sigurdadottir, die in Island als besonders integer geschätzt wird. Gunnlaugsson scheine «nicht zu verstehen, was Moral bedeutet».
Petition
Laut den Enthüllungen des internationalen Recherchebündnisses ICIJ hatte der konservative Politiker mit seiner Frau unter Vermittlung von Mossack Fonseca auf den britischen Jungferninseln eine Firma gegründet, um dort Millionen Dollar vor den Steuerbehörden zu verstecken. Mehr als 16.000 Isländer haben bereits eine Petition unterzeichnet, die den Rücktritt des Ministerpräsidenten fordert. Die Opposition will diese Woche zudem ein Misstrauensvotum im Parlament abhalten.
Laut dem Rundfunk sollte am Montag zudem der Verfassungsausschuss des Parlaments in dieser Frage zu Beratungen zusammenkommen. Ein anonymer Informant hatte der «Süddeutschen Zeitung» 11,5 Millionen Dokumente einer Finanzkanzlei in Panama zugespielt. Die monatelangen Recherchen von rund hundert Zeitungen legten die Verwicklung von 140 Politikern, Geschäftsleuten, Sportlern und anderen Prominenten offen. Gunnlaugsson war 2013 mit dem Versprechen angetreten, mit den dubiosen Finanzpraktiken aufzuräumen, die den Inselstaat in der Finanzkrise 2008 an den Rand des Ruins gebracht hatten.
Lesen Sie auch:
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können