Allein in der Region Split wurden 77 neue Fälle registriert. Das deutsche Auswärtige Amt hat gestern eine Reisewarnung für die Gespanschaften Split und Sibenik in Zentral-Dalmatien verhängt. Laut dem jüngsten Bericht des Robert-Koch-Instituts sind mittlerweile fünf Prozent aller in Deutschland registrierten Neu-Infizierten Urlaubsrückkehrer aus Kroatien.
Nachdem Italien und Österreich wegen der zunehmenden Zahl von infizierten Kroatien-Urlaubern bereits in der Vorwoche eine Reisewarnung für den Adria-Staat verhängt hatten, wurde für gestern Abend eine ähnliche Entscheidung des benachbarten Slowenien erwartet. Sloweniens Regierungssprecher Jelko Kacin hatte schon am Mittwoch klar erklärt, dass Kroatiens „dramatische Infektionszahlen“ den Manövrierspielraum für Ljubljana stets kleiner machten. Großbritannien kündigte gestern ebenfalls an, dass Einreisende aus Kroatien – ebenso wie aus Österreich – von diesem Samstag an für 14 Tage in Selbstisolation gehen müssen.
Kroatische Offizielle hatten in den vergangenen Tagen sehr angesäuert auf die Reisewarnung Wiens reagiert. Krunoslav Capak, der Chef von Kroatiens Gesundheitsamt, hatte zu Wochenbeginn gar mit ähnlichen Maßnahmen gegen Österreich im kommenden Winter gedroht: „Der Sommer ist bald vorbei. Und dann werden wir in der Situation sein, Maßnahmen vorzuschreiben.“
Österreich jetzt auch auf UK-Liste
Auch Premier Andrej Plenkovic verwahrte sich am vergangenen Wochenende gegen die in Österreich laut gewordene Kritik, dass Zagreb mit zu wenig Tests das epidemiologische Bild aufgehübscht habe. Die Mehrheit der Infizierten, die „das Virus zu uns gebracht“ haben, seien gerade aus Italien und Österreich nach Kroatien gekommen. Angesichts der düsteren Prognosen vor wenigen Monaten könne Kroatien „sehr zufrieden“ mit dem Verlauf der Touristensaison sein, die „alle Erwartungen“ übertroffen habe: „Wir haben diesen Tanz gut geführt.“
Kroatiens bisherige Besucherzahlen liegen bei rund 70 Prozent des Vorjahresniveaus. Laut einer von Kroatiens Nationalbank in dieser Woche veröffentlichen Prognose wird der stark vom Tourismus abhängige EU-Neuling in diesem Jahr ein Minuswachstum von 9,7 Prozent erleiden. Gleichzeitig dürfte sich die Staatsschuld von 73 auf 87 Prozent vergrößern.
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