Die Universitäten in Rheinland-Pfalz blicken trotz der Corona-bedingten Einschränkungen zuversichtlich auf das erste größtenteils digital ablaufende Semester. Für die Studierenden haben die Lehrveranstaltungen wieder begonnen – diesmal jedoch hauptsächlich im Internet. Das stellt die Hochschulen vor große Herausforderungen. Lob kommt vom Wissenschaftsministerium, das in der Krise auch eine Chance sieht. „Das digitale Sommersemester ist gut gestartet“, bilanzierte Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD). Die Hochschulen im Land hätten eine solide, technische Basis. Um die digitale Lehre weiter auszubauen, würden jetzt 5,5 Millionen Euro über den laufenden Hochschulpakt zur Verfügung gestellt. Darin liege auch eine Chance, sagte Wolf: „Die Digitalisierung versetzt uns in die Lage, neue Formate zum Beispiel des kollaborativen Lernens zu erschließen.“ Im Zuge der Corona-Krise waren die Hochschulen in eine Art Notbetrieb übergegangen. Der Start des Sommersemesters 2020 war wegen der Covid-19-Pandemie vom 14. auf den 20. April verschoben worden.
An der Uni Trier beispielsweise werden in diesem Sommersemester rund 90 Prozent der geplanten Lehrveranstaltungen digital angeboten, wie Sprecher Peter Kuntz sagte. Es sei in kurzer Zeit gelungen, die Infrastruktur der Uni entsprechend zu erweitern und zu optimieren. An der Technischen Hochschule Bingen betrifft das sogar sämtliche Veranstaltungen. „Natürlich hakt es hier und da noch ein bisschen“, sagte der Sprecher der Universität Trier Peter Kuntz der Deutschen Presse-Agentur. Der erste Eindruck zum Semesterstart sei aber recht positiv. „Wir sind gut vorbereitet.“ Die Semestereröffnung des Präsidenten Michael Jäckel übertrug die Universität für über 500 Erst- und Neueinschreiber live im Internet. „Es geht zunächst darum, die Kontakte auf dem Campus so niedrig wie möglich zu halten“, sagte Jäckel. „Wir werden die Vorzüge des Digitalen kennenlernen müssen.“
Auch die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und andere Hochschulen im Land sehen sich gerüstet. JGU-Präsident Georg Krausch sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir merken ein sehr hohes Engagement. Man bemüht sich und hilft sich gegenseitig.“ Die Unis waren im Zuge der Corona-Krise in eine Art Notbetrieb übergegangen.
„Eine Chance“
An dem Ausbau der digitalen Lehre für rund 30.700 Studierende arbeiten die Lehrenden laut Universität unter Hochdruck. Bis Anfang Mai sollten nahezu alle Veranstaltungen mit der Hilfe eines Kompetenzteams digital angeboten werden. „Uns ist bewusst, dass die Erstellung digitaler Formate mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ist“, sagte Präsident Georg Krausch. Die weitestmögliche Aufrechterhaltung des Lehr- und Prüfungsbetriebs sei eine große Herausforderung. Ein Sofortprogramm in Höhe von zunächst 240.000 Euro solle daher die Fachbereiche und künstlerischen Hochschulen „schnell und unbürokratisch“ unterstützen.
Die Uni Koblenz-Landau hat nach Angaben von Sprecher Gerhard Lerch auf dem Gebiet E-Learning „sehr viel Kompetenz und Erfahrung“. Beispiele hierfür seien das Institut für Wissensmedien und die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle, die Dozenten dabei unterstützen, Lehrveranstaltungen bestmöglich digital anzubieten. Das Wissenschaftsministerium in Mainz schaut auch positiv auf den Semesterstart: „Die Hochschulen befinden sich grundsätzlich auf einem guten Weg und nutzen bereits vorhandene Programme für eine Umstellung auf eine möglichst vielfältige digitale Lehre.“
Übereinstimmend berichten die Unis, dass Veranstaltungen vermehrt aufgezeichnet würden. Sie können dann zeitversetzt abgerufen werden. Aber auch am Einsatz von Livestreams wird gearbeitet. Die Orientierungstage für Erstsemester sind diesmal allesamt ins Internet gewandert. Doch nicht alles ist ein digitaler Selbstläufer. Die Uni Koblenz-Landau erklärte beispielsweise, schwierig sei eine digitale Umsetzung beim Hochschulsport oder bei Laborpraktika. Auch die Bibliotheken werden den Sprechern zufolge zunächst geschlossen bleiben. An einem Ausbau des digitalen Angebots werde gearbeitet. Das Wissenschaftsministerium betonte: „Durchaus bietet die Krise auch eine Chance, hier ist insbesondere ein Schub in der Digitalisierung zu nennen, und auch insgesamt findet ein Überdenken traditioneller Wege der Wissensvermittlung statt.“ (dpa)
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